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Grimma Mutzschener Gänsezüchter schlachtet Weihnachtsbraten
Region Grimma Mutzschener Gänsezüchter schlachtet Weihnachtsbraten
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15:26 19.05.2015

Obwohl sich Lorenz Eskildsen ganz vorsichtig nähert, zieht sich die Gänseherde respektvoll zurück. Denn ihre Tage in freier Natur sind gezählt. Der letzte Marsch führt sie in die Schlachterei des Unternehmens. "Besucher können die Produktion verfolgen, ohne die Räume zu betreten", sagt Eskildsen und schaut den Mitarbeitern durch die Fensterscheibe auf die Finger. Während sie das betäubte Federvieh routiniert an der Schlachtkette festmachen, die Federn rupfen und die Innereien entfernen, werfen Kontrolleure von Veterinär- und Lebensmittelbehörden ein achtsames Auge auf die Schlachtung. Geduldig erklärt Eskildsen die Trockenrupfung, die im Gegensatz zum Überbrühen der Körper Auflagen des Tierschutzes berücksichtige. "Der manuelle Aufwand ist zwar größer", so der Fachmann. Doch das Verfahren garantiere auch eine höhere Qualität des Bratens.

Der öffentliche Blick in die nicht ganz unblutige Schlachtung der Gänse ist Eskildsen zufolge gewollt. "Wir sind lupenrein und sauber", so der Geflügelhalter. Er verweist auf die von Nachhaltigkeit geprägte Freilandhaltung und die hochspezialisierte Verarbeitung der Produkte, die nicht nur das Fleisch der Tiere umfasst. In der Daunenstube werden beispielsweise die Federn sortiert und gereinigt. Aus neuen, reinen Daunen entstehen auf Wunsch Kissen und Federbetten. "Alle Facetten der Gänseproduktion vereinen wir unter einem Dach", sagt Eskildsen. Das sei einmalig in der Branche und schaffe Vertrauen.

Der am Wochenende beginnende Gänsemarkt wird erneut zeigen, wie nachhaltig das Unternehmenskonzept des aus Schleswig-Holstein stammenden Züchters ist. Seit nunmehr 20 Jahren pilgern Verbraucher aus ganz Sachsen in den Wochen vor Weihnachten auf den Hof nahe Mutzschen, um sich mit den Spezialitäten von der Gans einzudecken. "Am Anfang haben wir rund 500 Gänse verkauft", erinnert sich Eskildsen. Die Menge sei jedes Jahr um 500 bis 1000 Stück gestiegen. Inzwischen betreibt der Unternehmer ganzjährig eine Hofküche. Für mögliche Erweiterungen des Unternehmens hat er jüngst den Bebauungsplan geändert, der mit der Zustimmung der Stadträte von Grimma jetzt öffentlich ausliegt. Darin wird unter anderem die Erweiterung von Stallanlagen in Betracht gezogen. Denn nicht nur die Vermarktung der Weihnachtsgans hat eine ungeahnte Dynamik erreicht. 250 000 Gänsekücken schlüpfen auf dem 50 Hektar großen Hof im Frühjahr und Sommer und werden bundesweit verkauft sowie nach Polen, Ungarn, Österreich und England exportiert. Damit knüpft das Unternehmen an Traditionen früherer Zeiten an, als die Wermsdorfer Gänsezucht zu den größten Vermehrungsbetrieben europaweit gehörte.

Trotz der Zuchterfolge des Unternehmens, das mit der Keulung des von Vogelgrippe betroffenen Bestandes im Jahr 2006 einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen musste, ist der Tierhalter noch nicht am Ende seiner Träume. Wie er feststellt, ist der Grad der Selbstversorgung mit Gänsefleisch in Deutschland verschwindend gering. Nur 10 Prozent des hier verspeisten Gänsefleisches stamme aus einheimischer Produktion. Der überwiegende Teil wird aus anderen EU-Ländern, auch aus weniger artgerechter Haltung, importiert. "Aber auf Tierschutz geprüfte Ware wird immer mehr nachgefragt", so Eskildsen. Deshalb glaubt er an den Erfolg seiner Sachsengans.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2013
Schöppenthau, Birgit

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