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Grimma Mutzschener Sportverein feiert 70 Jahre Boxen
Region Grimma Mutzschener Sportverein feiert 70 Jahre Boxen
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09:27 31.08.2018
Der Nachwuchs des SV Einheit Mutzschen schwitzt im Trainingsraum. Quelle: Thomas Kube
Mutzschen

Trainer Werner Orban steht die Begeisterung für den Boxsport ins Gesicht geschrieben. Dabei habe er als Aktiver nur ein bisschen rein gerochen, lacht der heute 71-Jährige und fährt sich über den arg deformierten Zinken: „Das war bei einem Schlagabtausch in Colditz passiert – Nasenbeinbruch. Damals fuhren wir zu den Wettkämpfen noch im Busanhänger, den ein Traktor zog. Ich saß ganz hinten und die Nase lief. Am nächsten Tag ging ich das zweite Mal k.o., als mir der Arzt die Nase richten wollte. Tatsächlich wurde sie noch schiefer." Als sich Orban später bei einem Verkehrsunfall verletzte, dachten die Ärzte, er habe sich die Nase gebrochen und legten wiederholt Hand an. „Die Nase wurde nochmals verbogen."

Und doch beweist Orban einen Riecher für junge Talente, die auf Sachsenebene und darüber hinaus für Furore sorgten. Michael Hoffmann, Hans-Jörg Blasko, Sebastian Lauckner, Silvio Gärtner, Mike Gottschlich, Miles Schulz, Ronny Wendt, Thomas Schiefer, Steve Setzepfand, Bastian und Tristan Koch, Chris Förster – sie alle gingen auch durch seine Hände. Boxen sei kein Rowdysport, vielmehr ein fairer Kampf Mann gegen Mann. Es komme darauf an, seinen Gegner genau zu studieren und jede Schwäche auszunutzen. „Jungs, die im Boxring voll bei der Sache sind, stehen auch im Leben ihren Mann", ist Orban überzeugt.

Jungs? Längst ist das Boxen keine reine Männerdomäne mehr. Und tatsächlich: Neben Schüler Jason Römus, Kadett Robby Windisch und Toni Wentzlaff (Jugend) trainieren in Mutzschen auch Lotte Müller (12) und ihre gleichaltrige Freundin Antonia Berger mit. Sie eifern ihrem großen Vorbild nach, der 26-jährigen Annett Fischer, die auch schon auf Deutschen Meisterschaften boxte. Die beiden Mädels finden das Training lustig, besonders, weil die Jungs immer Blödsinn machen. Den kleinen Christian Ulbricht können sie unmöglich gemeint haben. Der bearbeitet hoch konzentriert den Sandsack und hat sich sogar zu Hause ein Gerät zum Gewichte stemmen gebaut: „Ich muss nur einen Eimer mit Wasser und Steinen dran hängen. Da kriegst du ordentlich Muckis“, sagt der Faustkämpfer, der stolz darauf ist, dass sein Ur-Uropa einst Erbauer der Mutzschener Turnhalle war.

Trainer Werner Orban mit Schützling Fatan Krassniki. Quelle: Andreas Rücker

Es war 1948, als Werner Fuguhn die Abteilung Boxen gründete. Weiske, Schönbrodt, Malke, Schulz, die Wentzlaffs – das seien die Aktivisten der ersten Stunde gewesen. Und natürlich der unvergessene Manfred Bergmann. Das Unglück von Böblingen traf die Mutzschener Boxer damals hart. Einige Zeit sei es ruhig um den Mutzschener Boxsport geworden. Doch der ging nicht ko. Albert Anders brachte die Faustkämpfer in den 1960er-Jahren wieder auf Vordermann.

Festveranstaltung

Zum Geburtstags-Turnier haben sich am Sonnabend ab 19 Uhr Boxer aus weiten Teilen Ostdeutschlands angesagt. In der Turnhalle Mutzschen wird bis in die späten Abendstunden gekämpft. Erwartet werden kurze Ansprachen des Vereinsvorsitzenden Udo Schiweck und von Abteilungsleiter Thomas Koch. Verdienstvolle Mitglieder werden mit Miniboxhandschuhen und Sporttaschen jeweils mit Widmung ausgezeichnet. Eine Tanzgruppe aus Grimma tritt auf. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Zuschauer sind herzlich willkommen.

Wolfgang Bludau, einst aktiver Boxer in Grimma, gratuliert den Mutzschenern zum runden Geburtstag. Mutzschen stehe für jederzeit fairen Sport und verkörpere genau die Tugenden, die Bludau im Profiboxen oft vermisse. Dort prügelten sich Kontrahenten mitunter nach dem Kampf noch im Ring, schimpft Bludau. Er habe persönlich erlebt, wie nach solchen TV-Prügelszenen entsetzte Mütter vor die Turnhalle zogen, um ihren Kindern das Boxen zu verbieten. Dabei verbinde er mit dem Amateurboxen edle Eigenschaften wie Mut, Schnelligkeit, vor allem aber die Achtung vor dem Gegner, so Bludau. Er zitiert aus dem Buch „Erziehung der Boxanfänger“: Lehren Sie das Boxen niemals als ein gedankenloses Aufeinanderprallen roher Kräfte und Fäuste, sondern als ein mit allen Muskeln betriebenes Streiten des Geistes.

Überm Mutzschener Ring hängt ein großes Poster: Boxlegende Muhammad Ali in Aktion. Am 28. und 29. Juni 2002 bereiteten die Sachsen dem großen Sportler einen großen Empfang – gleich um die Ecke, in der Riesaer Arena. Fans und Fotografen waren aus dem Häuschen, als sich der bereits von der Krankheit gezeichnete Ali einen Schaukampf mit seinem einstigen Rivalen Karl Mildenberger lieferte.

Zeitgleich coachte Übungsleiter Orban pflichtbewusst in der Mutzschener Halle. Dreimal in der Woche trainierte der gelernte Maurer seine Schützlinge. Inzwischen tritt er etwas kürzer, steht wöchentlich zweimal am Boxring. Und er hat einen innigen Wunsch: „Dass das Boxen in Mutzschen weiterlebt, selbst wenn ich nicht mehr bin.“

Von Haig Latchinian

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Mit einer sportlichen Festveranstaltung in der Turnhalle feiern die Mutzschener am Sonnabend den 70. Geburtstag der Sektion Boxen. Zwar geriet die Abteilung des SV Einheit Mutzschen nach dem tragischen Tod von Manfred Bergmann ins Straucheln, ging aber nie zu Boden. Noch heute werden im Grimmaer Ortsteil Talente entdeckt und gefördert.

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