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Grimma Mutzschener kämpft mit Vogelgrippe-Folgen
Region Grimma Mutzschener kämpft mit Vogelgrippe-Folgen
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05:00 29.01.2010
Mutzschen

Indes fehlt unter den 70 Ausstellern ein prominenter Name: Der bundesweit bekannte Mutzschener Züchter Günter Wentzlaff ist nur als Besucher dabei. Nachdem zur Vogelgrippe 2006 sein gesamter Bestand gekeult wurde, befindet er sich noch im Aufbau.

Der einstige Boxer empfindet die damalige Tötung seiner 40 „Stammhalter“ noch immer als Schlag unter die Gürtellinie: „Genau 40 Jahre hatte ich den Stamm heran gezüchtet. Mit einem Mal war alles für die Katz. Oh ja, da ist immer noch tiefe Trauer und Bestürzung.“ Als mittelstes von insgesamt elf(!) Geschwistern setzte Günter Wentzlaff das Hobby seines Vaters Georg fort. Hobby? „Sie ist mehr als ein Hobby. Für mich ist die Brieftaubenzucht ein Kulturgut“, sagt der 59-jährige Wentzlaff.

Wie ein Löwe kämpfte er gegen die Keulung jener „Rennpferde des kleinen Mannes“. Das von ihm einst angerufene Verwaltungsgericht in Leipzig untersagte den Behörden zunächst die Tötung. Die Ämter schalteten daraufhin das Oberverwaltungsgericht in Bautzen ein, das die Keulung als rechtmäßig erachtete. Obwohl die Mutzschener Friedenstauben längst tot waren, tobte der Streit vor Gericht noch bis Ende 2008 weiter. Nachdem das Verwaltungsgericht Leipzig die Klage des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter abgewiesen hatte, scheint der Rauch zunächst verflogen.

Inzwischen flattern im Wentzlaffschen Taubenschlag wieder 70 Tiere. Zwar beteiligt sich der ehemals erfolgreiche Züchter auch an Wettflügen: „Aber noch fehlen mir die Preise, um bei Ausstellungen dabei sein zu können. Ich brauche Zeit, viel Zeit und noch mehr Geduld.“ Der alte Boxer ist Rückschläge, auch Schicksalsschläge gewöhnt. Nur drei Monate vor Ausbruch der Vogelgrippe in Mutzschen weilte Wentzlaff bei der Brieftaubenausstellung der polnischen Zuchtfreunde in Katowice. Dabei stürzte die Halle ein. 65 Menschen starben. Nein, ans Aufhören dachte Wentzlaff sowohl nach dieser Katastrophe als auch nach der Keulung keine Sekunde. Vor allem verlieh ihm die beispiellose Solidarität von Züchtern aus der Region aber auch aus ganz Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes Flügel: Gerhard Schlepphorst aus Westfalen und Peter Trost aus Baden-Württemberg schenkten ihm Jungtauben.

Als Vorsitzender des Brieftaubenvereins Grimma weiß Wentzlaff: „Die Brieftaube als allgemeines Kulturgut wird immer mehr ums Überleben kämpfen müssen. Uns fehlt es schlicht an Züchternachwuchs!“ Umso wichtiger seien Besuchermagnete wie morgen die Sechs-Länder-Schau oder die Lipsia. „Apropos Lipsia. Ich setze mich derzeit persönlich dafür ein, dass künftig auch dort Brieftauben dabei sein dürfen.“

Haig Latchinian

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