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Grimma Nach 21 Jahren vor die Tür gesetzt: Betriebe fliegen aus der Husarenkaserne
Region Grimma Nach 21 Jahren vor die Tür gesetzt: Betriebe fliegen aus der Husarenkaserne
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14:25 19.05.2015
Gibt nach 21 Jahren Selbstständigkeit auf, weil die Stadt Grimma mit den Räumen seiner Tischlerwerkstatt in der Lausicker Straße andere Pläne hat. Quelle: Thomas Kube

Ein Magnet für den Einzelhandel soll es werden, sagen die Befürworter. Ein unnötiger baulicher Eingriff ins Überschwemmungsgebiet, sagen die anderen. Matthias Berger (parteilos) will den Vollsortimenter unbedingt. Ein Investor stehe in den Startlöchern. Und Berger ist bereit dafür einen hohen Preis zu zahlen. Inklusive Gewerbesteuerzahler, Arbeitsplätze und einen traditionsreichen Wirtschaftsstandort.

Geknüpft an die Pläne am Volkshausplatz ist die Umsiedlung der Sportstätten des Jahn-Stadions an die Lausicker Straße. Dort, wo früher erst Truppenteile der Wehrmacht, später die Rote Armee der Sowjetunion und heute kleine und mittelständische Unternehmen in der Königin-Carola-Kaserne des 2. Königlich-Sächsischen Husaren-Regiments Nr. 19 untergebracht waren, soll der FC Grimma künftig Punktspiele austragen. Auf 41 000 Quadratmetern sollen ein Hauptspielfeld mit Naturrasen, Kunstrasenplatz mit einem Tribünengebäude sowie Sitzplätze für 3000 Zuschauer entstehen. Finanziert aus Mitteln der Hochwasserschadensbeseitigung.

Um mit dem Abriss der alten Husarenkaserne beginnen zu können, hat der einstige Verwalter des Gewerbegebietes, die TLG Immobilien AG, den ansässigen Unternehmern die Räumlichkeiten gekündigt. Nachdem die Stadt Grimma das ehemalige Flächennaturdenkmal von der TLG gekauft hat. "Gewissermaßen über Nacht wurde uns mitgeteilt, dass wir ausziehen müssen", berichtet Tischlermeister Peter Füssel. Der 49-Jährige hat seine drei Mitarbeitern inzwischen entlassen. Seinen Maschinenpark hat er zum Verkauf angeboten. Wie Füssel haben zehn weitere Firmen, Vereine und Verbände, die dort Räume nutzen, im November die Kündigung sowie die Aufforderung erhalten, bis 31. März die Räumlichkeiten zu übergeben. Dann wird Strom und Wasser abgestellt. Fünf Monate, in denen im Fall von Peter Füssel eine 21-jährige Unternehmertätigkeit abgewickelt werden muss. "Wir hatten andere Pläne. Der Sohn macht gerade seine Meisterausbildung, wollte das Familienunternehmen weiterführen. Das ist in vier, fünf Monaten nicht zu schaffen. Wir machen dicht." Auch, weil die Stadt keine ernst zu nehmenden Angebote zu geeigneten Ausweichstandorten gemacht habe, sagt der Tischlermeister. Grimmas Stadtentwicklungsamtsleiter Jochen Lischke entgegnet: "Mit den Mietern auf diesem Grundstück sind wir seit etwa einem halben Jahr im Gespräch. Allen sind bereits vom bisherigen Eigentümer Alternativen in deren Gelände angeboten worden. Auch wir haben diesen Mietern Alternativen zum Neubau auf kommunalen Grundstücken in Gewerbegebieten angeboten oder Kontakte zu anderen Vermietern vermittelt." 30 000 Euro würde Füssel ein Umzug kosten: "Vorausgesetzt ich habe Räumlichkeiten, die meinen Ansprüchen genügen. Da kam bislang nichts in Frage." Neben der Tischlerei Füssel halten ein Landschaftsbaubetrieb und mehrere Mieter von Lagerflächen in der Kaserne ihre Kündigungen in der Hand.

SPD-Stadtrat Klaus-Dieter Tschiche und OBM-Kandidat Ingo Runge haben sich deren Argumente angehört, als sie der Hilferuf aus der Lausicker Straße ereilte. "Am 10. Februar kam es dann zu einem Vorortgespräch. Auch wenn die Darstellung nur aus einer Sicht erfolgte, war das Gespräch trotzdem frustrierend." Nicht nur wegen der Mitarbeiter-Kündigungen, sondern auch wegen der Kommunikationspolitik der Rathaus-Spitze. "Wir wurden immer im Glauben gelassen, dass mit den Gewerbetreibenden alles geklärt sei", so Tschiche.

Der seinen Zweifel daran hat, dass ein Einkaufcenter auf dem Kunstrasenplatz an der Wurzener Straße, den von der Stadt erhofften Effekt erzielt. Bedenken an dem Standort hat - aus rein baurechtlichen Gründen - das Landratsamt als zuständige Baubehörde. "Das Gebiet befindet sich in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet der Mulde, damit ist die Ausweisung eines neuen Baugebietes unzulässig. Die Anforderungen, die der Gesetzgeber an Ausnahmeregelungen stellt, sind sehr streng", erklärt Behördensprecherin Brigitte Laux nach Rücksprache mit den Fachämter. Es sei nicht davon auszugehen, dass vor Fertigstellung der Hochwasserschutzmauer in Grimma (geplant 2017) überhaupt gebaut werden kann. Füssel: "Warum werden wir dann jetzt schon rausgeschmissen?"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.02.2015
Thomas Lieb

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