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Grimma Nach Colditzer Bowlingbahn-Deal: „Ein fader Beigeschmack bleibt“
Region Grimma Nach Colditzer Bowlingbahn-Deal: „Ein fader Beigeschmack bleibt“
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00:35 06.05.2018
Das ehemalige Bowlingcenter soll Colditzer Stadtarchiv werden. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Colditz

„Da hört der Spaß auf. Solche Leute schaden der Stadt mehr als sie nützen. Ich frage mich, ob die noch ganz dicht sind.“ Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) ist außer sich vor Wut. Die Ankündigung von Thomas Wasner (Bürgerinitiative Colditz), auch den jüngsten Ratsbeschluss zum Kauf der ehemaligen Hausdorfer Bowlingbahn anzufechten, macht ihn rasend: „Kein Kommentar, das ist mir zu blöd.“

Gegenüber der LVZ begründete Wasner am Mittwoch, weshalb er in der Sache nun schon zum zweiten Mal die Rechtsaufsicht des Landratsamtes einschaltet: „Meiner Meinung nach lagen uns beim Beschluss nicht alle erforderlichen Kopien vollständig vor.“

Wasner sieht Formfehler

Bereits auf ihrer Sitzung Ende April hoben die Stadtväter einen entsprechenden Beschluss auf, nachdem die Kommunalaufsicht auf Wasners Intervention hin die Stadtverwaltung zur Stellungnahme aufforderte und androhte, das Votum gegebenenfalls zu beanstanden. Wasner: „Kein Schreiben der Bank, kein Schreiben des Vereins, nichts war dem Beschluss beigefügt.“ Erschwerend komme hinzu, dass der Bürgermeister in diesem Fall als befangen gelte und die Stadträte laut Gemeindeordnung zu besonderer Sorgfalt verpflichtet seien. Wasner sieht sich von der Behörde in seiner Auffassung bestätigt, schließlich sei der Beschluss zurück genommen und neu gefasst worden. Allerdings abermals mit Formfehlern, glaubt Wasner.

Kauf wird zur Endlos-Geschichte

Der Kauf der ehemaligen Bowlingbahn in Hausdorf – eine unendliche Geschichte. Manfred Heinz (FDP) rief die Prüfer in Borna bereits vor Jahresfrist an, nachdem Bürgermeister Schmiedel bei ähnlicher Sachlage mit abstimmte, obwohl er Vorstandsmitglied des Hausdorfer Sportvereins ist: „Herr Schmiedel kann den Vertrag nicht mit sich selbst schließen“, sagte Heinz. Er war es damals auch, der erstmals öffentlich bekannte: „Hat denn keiner den Arsch in der Hose zu sagen, dass es in erster Linie gar nicht um das Stadtarchiv geht, sondern darum, dem Sportverein aus finanzieller Not zu helfen?!“

Stadtarchiv soll ins Gebäude einziehen

Wie mehrfach berichtet, soll die einstige Bowlingbahn künftig das Colditzer Stadtarchiv mit Kinder-Frühlesezirkel, Lesecafé und einer Bibliothek beherbergen. Nach der Fusion von Colditz mit Zschadraß und Teilen Großbothens platzt das städtische Archiv im Bildungs- und Begegnungszentrum (BBS) aus allen Nähten, im Rathaus ist schon jede freie Ecke mit Dokumenten zugestellt, und auch im Hausdorfer Bauamt ist kein Platz mehr. Daher befürwortet eine Mehrheit im Stadtrat den Umzug des Archivs in die leerstehende Bowlingbahn.

Sportverein fehlten Einnahmen

Zumal sich deren Pächter im Juni 2016 verabschiedet hatte. Fortan fehlten dem Sportverein die Einnahmen, um den Kredit für den Bau der Bowlingbahn abstottern zu können. Eine drohende Insolvenz konnte verhindert werden, da die Stadt dem Verein seit dem Frühjahr 2017 pro Monat 2000 Euro Miete überweist und sich somit das Vorkaufsrecht sicherte. Weil die Kaufsumme, identisch mit der Restschuld des Vereins, inzwischen im Haushalt eingestellt ist, soll der Deal nun für gut 150 000 Euro über die Bühne gehen. Ob Simon Wissmach, Stefan Juhrich oder Jan Gumpert (Für unsere Heimat) – sie alle bekennen sich zur Begegnungsstätte auf dem Land. Sie sei ganz wichtig. Man solle die Chance nutzen, zumal für den Umbau Fördergelder in Höhe von 80 Prozent winkten.

Heinz: Grundsätzliche Kritik

Manfred Heinz bleibt dagegen bei seiner grundsätzlichen Kritik. Man hätte das Archiv auch in einem der vielen leerstehenden Gebäude in der Innenstadt unterbringen können. „Es war von Anfang an vor allem eine Rettungsaktion für den finanziell bedrohten Hausdorfer SV. Die Mehrheitsfraktion hat das aber nie zugegeben. Das ärgert mich, meine Fraktion und viele Bürger der Stadt. Wenn man wenigstens mit offenen Karten gespielt hätte. So kaufen wir jetzt eine leerstehende Halle für völlig überteuerte 150 000 Euro und verschweigen, dass es eigentlich fast 175 000 Euro sind, da wir zusätzlich noch 24 000 Euro Miete abgedrückt haben.“

Wenn man von jemandem privat ein gebrauchtes Auto kaufe, beziehe sich der Kaufpreis doch auch nur auf den marktüblichen Wert des Fahrzeuges und nicht darauf, wie hoch jemand verschuldet sei, schimpft Heinz: „Ja, ich weiß, die Stadt hatte im Vorfeld ein Gutachten in Auftrag gegeben. Danach betrug der Verkehrswert der Immobilie zum 1. August 2016 rund 189 000 Euro. Wir können uns also weiter in die Tasche lügen und sagen, dass wir sparsam mit öffentlichen Geldern umgehen. Meine Meinung ist eine andere.“ Auch für seine Fraktionskollegin Urte Müller steht fest: „Ein fader Beigeschmack bleibt.“

Bürgermeister Matthias Schmiedel, dessen Amtszeit Ende des Monats ausläuft, kann da nur den Kopf schütteln: „Einige müssen eben ihr Ego befriedigen. Da sieht man mal wieder, wer die Stadt voran bringt und wer bremst. Der Kaufbeschluss steht, die Baugenehmigung liegt vor, die Förderanträge sind in Borna. Sobald es grünes Licht gibt, geht der Umbau los.“

Von Haig Latchinian

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