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Nach Großbrand in Naunhof entbrennt Streit

Nach Großbrand in Naunhof entbrennt Streit

Besetzte Pforte an der Schranke. Der Eingang zum ehemaligen Kasernengelände in Lindhardt erinnerte gestern ein wenig an alte Zeiten. Stopp! Kein Zutritt für die Öffentlichkeit! Nicht etwa die Polizei, die vor Ort die Presse empfangen wollte, riegelte das Gelände für LVZ-Reporter und -Fotografen ab, sondern der Privateigentümer, die I-pro Lindhardt GmbH.

Naunhof/Lindhardt. Gibt es nach dem Großbrand vom Freitag, bei dem das Mittelschiff einer Lagerhalle zerstört wurde, etwas zu verbergen? Eine Spurensuche...

Mehrfach hat es auf dem Areal schon gebrannt. Letztmals am 15. August vergangenen Jahres, als ein Mitarbeiter von I-pro Holzhackschnitzel, die sich in einer Halle entzündet hatten, löschen konnte, bevor die Feuerwehr eintraf. Der neue Naunhofer Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) las sich gestern ein wenig in die Vorgänge um das Kasernengelände und dessen Eigentümer ein und erklärte daraufhin: "Es hat lange gedauert, bis wir dort Brandvorschauen machen konnten."

Davon abgesehen, stellt sich die Frage, ob in der jetzt abgebrannten Halle überhaupt etwas gelagert werden durfte. Zocher: "Soweit mir bekannt ist, hat das Landratsamt eine Nutzungsuntersagung für die Hallen ausgesprochen. Sollte das stimmen, hätten keine Bücher und Solarzellen dort sein dürfen." Der Bürgermeister will nun, dass die Kreisbehörde intensiv den Fall prüft. Vielleicht lassen sich dann Kosten für den Löscheinsatz auf den Eigentümer der Kaserne umlegen.

Im Landratsamt liegen dicke Ordner, die sich mit der I-pro befassen, denn die abgebrannte Halle ist seit längerem Gegenstand von baurechtlichen Verfahren. "Mitte 2010 erfolgte durch das Bauaufsichtsamt eine Nutzungsuntersagung, da die Nutzung der Halle zur Lagerung von Druckerzeugnissen unserer Ansicht nach widerrechtlich erfolgte", teilte Sprecherin Brigitte Laux mit. Die I-pro habe dagegen und gegen ein angedrohtes Zwangsgeld widersprochen und schließlich einen neuen Bauantrag eingereicht. Laux: "Das Bauaufsichtsamt lehnte den Vorbescheid im Februar 2012 ab. Auch hiergegen läuft seit Mai 2012 ein Widerspruchsverfahren, das sich derzeit im Anhörungsverfahren befindet." Will heißen: Der Streit zwischen Landratsamt und Eigentümer über die Rechtmäßigkeit der Einlagerung setzt sich fort. Die I-pro-Anwältin Susanne Pohle formulierte das in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung etwas wohlklingender: Der Eigentümer des Geländes befände sich "seit Jahren im Dialog mit der zuständigen Behörde".

Pohle räumte ein, dass auf dem Kasernenareal durch eine vor Jahren erteilte Genehmigung Gebäude illegal errichtet worden seien. Für sie gelte Bestandsschutz. "Folge davon ist, dass es formal keiner Baugenehmigung bedarf", so die Anwältin. Nur rein vorsorglich sei ein Baugenehmigungsverfahren angestrengt worden.

Auch die Solarzellen auf dem Dach der abgebrannten Halle waren laut Landratsamt Gegenstand von Verwaltungsverfahren. Am 22. Februar dieses Jahres sei deren Errichter angehört worden, so Laux, "da unseres Erachtens die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf Hallendächern widerrechtlich erfolgte". I-pro-Anwältin Pohle widersprach: Entgegen der Auffassung des Landratsamtes seien nach aktueller Rechtslage Photovoltaikanlagen auf Dächern - wie im vorliegenden Falle - nicht mehr genehmigungsbedürftig.

Pohle wies auch andere Medienberichte zurück, wonach der Eigentümer auf dem Gelände der Kaserne nur ein Heim für betreutes Wohnen habe errichten wollen. Bereits am 21. Januar 2008 habe I-pro dem Ortschaftsrat Lindhardt ein Nutzungskonzept vorgestellt, in dem es geheißen habe: "Ein weiterer Gedanke ist die langfristige Einlagerung von Akten im Rahmen der Archivierungsvorschriften."

I-pro sieht sich im Recht, das Landratsamt auch. Zu klären sein wird nun, ob der Eigentümer für den Löscheinsatz zahlen muss. Die Spurensuche geht also weiter. Zunächst erhält die Stadt Naunhof die Rechnungen der umliegenden Feuerwehren und der vier Privatfirmen, die beim Löschen geholfen haben.

Am Freitag war das Feuer in der Halle mit 18000 Europaletten voller Bücher und anderer Waren ausgebrochen. Die Brandursachenermittler nahmen gestern ihre Arbeit auf. Auch ihre Spurensuche setzt sich fort.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.04.2013

Pfeifer, Frank

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