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Grimma Nach LVZ-Bericht: Lastauer Familie Thiele darf nun doch bauen
Region Grimma Nach LVZ-Bericht: Lastauer Familie Thiele darf nun doch bauen
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20:00 06.02.2018
Der Colditzer Ortsteil Lastau bewirbt sich um den Titel "Schönstes Dorf in Sachsen". Beim gestrigen Rundgang einer Bewertungskommision führten Mitglieder des heimischen Vereins durch ihren Ort und zeigten Sehenswürdigkeiten sowie ansässige Wirtschaftsunternehmen. Foto:Thomas Kube Quelle: Thomas Kube
Colditz/Lastau

Nein, ihm falle kein Stein vom Herzen, es sei eine regelrechte Lawine! Rolf Thiele in Lastau ist überglücklich: „Nach dem Artikel in der LVZ dürfen wir nun doch bauen. Der Stadtrat hat eine Klarstellungssatzung erlassen, somit ist unser Grundstück dem Innenbereich zugeschlagen worden.“ Noch in diesem Jahr, vielleicht sogar schon im Sommer, werde Baubeginn sein. Es soll ein zweigeschossiges Einfamilienhaus entstehen, die Projektierung sei angelaufen. „Der genaue Zeitplan richtet sich natürlich danach, wielange Urkundenbesieglung und Grundbucheintrag in Anspruch nehmen. Das erahnt man ja vorn weg nicht“, so der Vater von vier Töchtern.

Vorausgegangen war ein faustdicker Streit mit den Behörden. Zwischenzeitlich verstand Thiele die Welt nicht mehr: Alle redeten von Landflucht, so der Rentner. Wenn sich aber jemand entscheide, aufs Dorf zu ziehen, würden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wie berichtet, wurde das Grundstück wegen seiner Randlage zunächst dem Außenbereich zugeordnet. Bestandsschutz läge nicht vor, da ein Fundament hierfür nicht ausreiche, so die Argumentation des Landratsamtes noch vor Monaten. Allerdings kündigte Sprecherin Brigitte Laux schon damals an, dass eine Klarstellungssatzung das Grundproblem lösen helfen könne.

Alle vier Töchter suchten zunächst das Glück in der Ferne. Eine Tochter aber will zurück, überzeugte ihren Freund, mit nach Lastau zu kommen. „Sie möchte auf unserem Grundstück bauen“, sagt Thiele. Er stammt aus Commichau. Zu DDR-Zeiten zog er der Arbeit hinterher, wohnte mit seiner Frau in Leipzig. Weil es den Thieles in der Stadt nicht mehr gefiel, schauten sie sich auf dem Lande um und entdeckten jenen ruinösen Vierseithof in Lastau: „1978 kauften wir alle vier noch in Resten vorhandenen Gebäude, mussten aber drei davon wegreißen, um einen Ausbaukredit für das Vierte zu bekommen. Denn damals – das war die Bedingung – durften wir nur 73 Quadratmeter Wohnraum schaffen.“ In dem einen Haus wohnt der Rentner mit seiner Frau – auf dem Fundament der ehemaligen Scheune wird nun das Anwesen von Tochter und Freund entstehen. „Meine Frau und ich haben unserer Jüngsten das gut 1000 Quadratmeter große Grundstück verkauft. Im Mai will sie heiraten, ehe sich irgendwann vielleicht Nachwuchs einstellt, soll das Nest fertig sein.“ Thiele, der gegenüber der LVZ noch vor einem halben Jahr über die Behörden, namentlich das Landratsamt wetterte, dankte gestern vor allem den Colditzer Stadtvätern, die durch ihre Abrundungssatzung Bauland geschaffen hätten.

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) gibt das Lob weiter an seine Bauamtsleiterin Angela Rößner und ihre Mitarbeiterin Silka Gläser: „Die waren immer wieder draußen und haben geschaut, was sie tun können, um Bauwillige nicht zu vergraulen und es ortsansässigen Familien zu erlauben, weiter Wurzeln zu schlagen. Die Abrundungssatzungen sind ein gangbarer Weg in diese Richtung.“ Mittlerweile hat das Landratsamt den Beschluss zu Lastau offiziell zur Kenntnis genommen. Weitere Satzungen zu Leisenau, Commichau, Podelwitz und Bockwitz seien bereits eingereicht und zum Teil schon bestätigt, so Schmiedel.

Aufatmen wird auch Ronny Kriz vom Heimatverein Lastau: „Zu DDR-Zeiten hatte Lastau in der Spitze 300 Einwohner, inzwischen sind es rund 220. Wir freuen uns über jede junge Familie, die in unserem Dorf bauen möchte. Wir haben einen Kindergarten und eine gute Busanbindung.“

Von Haig Latchinian

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