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Nach Überfall wieder auf dem Posten

Nach Überfall wieder auf dem Posten


Mutzschen/Wagelwitz. Heute feiert der 60-jährige Fleischer Dietmar Fröbel das 90-jährige Bestehen des Wagelwitzer Familienbetriebs.

. Wenn es die Gesundheit erlaubt, will der Meister die „100" noch voll machen. Vor kurzem war so viel Optimismus noch völlig undenkbar: Im Februar wurde der alleinstehende Dietmar Fröbel Opfer eines gewaltsamen Überfalls. Monatelang war der Schwerverletzte außer Gefecht gesetzt und kehrte erst dieser Tage von der Kur zurück.

Wenn das eigene Wohnzimmer zum Schlachthaus wird: Dietmar Fröbel saß an jenem Abend – es war fast Mitternacht – vor seinem Fernseher. „Auf einmal standen zwei maskierte Männer in der Stube. So richtig mit Strumpf über dem Kopf, eben nur mit Sehschlitz." Was der ahnungslose Fleischermeister in dem Moment noch nicht wusste: Die Täter hatten die Fenster im Erdgeschoss aufgehebelt, stiegen in das Haus ein und gelangten über die Treppe bis hoch zum Fernseher. „Mit Stock und Nageleisen schlugen sie los. Mit Füßen traten sie auf mich ein. Ich konnte mich nicht wehren." So plötzlich, wie sie kamen, seien die Einbrecher auch wieder verschwunden. „Sie haben nichts mitgenommen, wollten nur prügeln. Warum? Ich weiß es bis heute nicht." Mit Rippenbrüchen, der Lunge voll Blut und ramponiertem Nasenbein konnte sich der schwerverletzte Fleischermeister gerade noch zum Telefon kämpfen. Mit letzter Kraft benachrichtigte er seine Nichte, die den Notarzt alarmierte. Es folgten wochenlange Krankenhausaufenthalte in Grimma und Leisnig mit mehreren Eingriffen und anschließender Kur. „Die Kur hat mir sehr gut getan. Die Lunge war ja wie zusammengefallen und musste sich erst wieder ausdehnen. Die Ärzte haben es gut hinbekommen. Ich kann jetzt richtig durchatmen."

Zumindest heute will der Fleischermeister mal nicht an den schrecklichen Überfall denken. Sondern mit seinen treuen Kunden und im Familienkreis das Sektglas erheben. Anstoßen auf 90 Jahre Fleischerei Fröbel in Wagelwitz. Denn Dietmar führt das Geschäft in dritter Generation. Großvater Ernst war es, der 1920 das Haus mit dazugehörender Fleischerei, Gastwirtschaft und Kolonialwarenhandel gekauft hatte. Von Zucker über Nudeln bis zum Kaffee gab es hier alles lose in riesigen Schubfächern. Ernsts Frau Helene galt als begnadete Köchin. Zur Kirmes leckten sich die Gäste nach Entenbraten und Karpfen alle zehn Finger. „Von der Bahnhofsgaststätte existiert noch ein Bild aus den 20-er Jahren. Bahnhofsgaststätte deshalb, weil der Wilde Robert zu der Zeit noch durch Wagelwitz fuhr." 1952 übernahm Sohn Hans die Wirtschaft. „Vater Ernst führte die Post weiter, verteilte Briefe, Pakete und die Zeitungen. Außerdem war Donnerstag immer Lottotag. Die ganze Kneipe saß voller Tipper, die ihre Scheine ausfüllten." Irmgard, die Frau von Hans, stammte aus Nerchau, auch aus einer Fleischerfamilie. Da ihr Bruder herzkrank war und das Geschäft nicht weiter führen konnte, kam ein Teil der Kundschaft fortan nach Wagelwitz. 1982 übernahm Dietmar das Geschäft. Weil er alleinstehend ist, führte er nur die Fleischerei weiter. „Nach der Wende machte der Konsum im Dorf zu. Deshalb baten mich die Leute, unser altes Lebensmittelgeschäft wieder zu eröffnen. Das hatte ich dann auch gemacht und so gibt es bis heute Fleischerei sowie Lädchen unter einem Dach."

Unterstützt wird Dietmar Fröbel von seiner Schwester Sabine Kricke, die in Mutzschen die Filiale am Markt betreut. Aber auch seine Nichte Jeannette Hartig greift dem Fleischermeister tatkräftig unter die Arme. Fröbel: „Ich möchte mich herzlich bei den beiden, aber auch den anderen Helfern bedanken. Nur durch ihren Einsatz konnte die Fleischerei nach dem Überfall weiter machen."

Die Täter, beide 20 Jahre alt, konnte die Polizei ermitteln. Sprecher Marc Linzmaier: „Sie kommen aus der Nachbarkommune und sind geständig. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft steht unmittelbar bevor."

 

 

 

Haig Latchinian

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