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Grimma Nach dem Hochwasser in Grimma: Wittig hält das Eisen im Feuer
Region Grimma Nach dem Hochwasser in Grimma: Wittig hält das Eisen im Feuer
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16:20 19.05.2015

Wenn die Mulde sich dann zurückzieht und die Grimmaer sehen, was sie aus der Fassung gebracht hat, dann klingeln die Telefone bei Wittig Sturm. Dann muss er Tore wieder in Form bringen, Träger einziehen, wo etwas abzustürzen droht, und Treppen oder Zäune richten.

So war das 2002 und so ist das 2013 wieder. Einen Einwand macht der 61-Jährige jedoch. "So schlimm wie 2002 sieht es diesmal bei uns nicht aus", sagt er ruhig und wandert mit den braunen Augen über die grünen Wände im Aufenthaltsraum auf dem Schmiedehof. Wortlos zeigt er auf die Verfärbung, die das Muldewasser hinterlassen hat, winkt aber gleich wieder ab. Denn die Bilder von 2002 sprechen eine andere Sprache. Die Flut hatte Schränke von den Wänden gerissen und mit den schweren Blechen und Werkzeugen innerhalb der historischen Mauern des Betriebes gespielt. 160000 Euro Schaden richtet sie in dem Familienbetrieb an. "Diesmal waren wir vorgewarnt", so Wittig. Mit Hilfe seines Gesellen konnte der gelernte Maschinen- und Anlagenbauer wertvolle Maschinen in Sicherheit bringen. Dass ein Gabelstapler und eine Drehbank überflutet worden sind, hat er schon abgehakt. Die Spende eines Industrieunternehmens aus Sachsen-Anhalt für das mittelständische Handwerk der Muldestadt hilft, die Lücken zu schließen. Die Gebäudehülle seines Betriebes überlässt er derzeit der Sonne. Das Mauerwerk muss trocknen. Die Türen, die nach der Begegnung mit der Mulde aufgequollen sind, hat er entfernt. So ist der Durchzug gewährleistet. An einzelnen Stellen hat das Mauerwerk bereits den Putz abgeworfen. Wann und wie er die schadhaften Stellen ausbessern wird, lässt Wittig offen. "Wir sind wieder arbeitsfähig", stellt er fest. Nur das zähle im Moment.

Die Schläge auf Metall und das Knistern des Schweißgerätes bestätigen, dass hier die Normalität zurück ist. "Wir sind zwar drei Wochen im Verzug mit einigen Aufträgen", räumt Wittig ein. Aber einen Einbruch müsse er nicht befürchten. Aus der Nachbarschaft häufen sich die Nachfragen, ob er Pfeiler und Tore aus der Umfriedung der Grundstücke verstärken könne. "Im Fall eines Hochwassers sollen dann Spundwände eingelassen werden", erklärt Wittig. Parallel dazu laufen die Arbeiten am Hochwasserschutz von Grimma. Hier schweißt der Zwei-Mann-Betrieb die Bewährungen, die das Fundament der Schutzmauer auf der unterirdischen Bohrpfahlwand verfestigen. Ob in großem oder privaten Stil - der Hochwasserschutz füllt Wittig die Auftragsbücher. Diesen Gedanken schiebt der aufrechte Handwerker in dem karierten Hemd und der Jeansweste beiseite. "Wenn uns das nur erspart bliebe", sagt er mit einem tiefen Seufzer. Denn schwerer als alle Bauschäden wiegt der Verlust der guten Seele des Unternehmens. Nach der Flut 2002 stirbt seine Frau. "Sie war es, die mich angetrieben hat", zeigt der harte Metallbauer eine verletzliche Seite.

Wenn er sich entscheidet, am innerstädtischen Standort in Grimma weiterzumachen, dann spielen bei Wittig Emotionen eine untergeordnete Rolle. Er hat vom Bauboom nach der Wende profitiert und ist nach der Krise im Baugewerbe um die Jahrtausendwende wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. In guten Zeiten hatte er elf Mitarbeiter in Lohn und Brot. Heute ist er Einzelunternehmer, der einen Gesellen beschäftigt. Er hat einen festen Kundenstamm aus Unternehmen, die für die Automobilindustrie arbeiten und im Tief- und Hochbau tätig sind. 100 000 Euro Jahresumsatz reichen zum Überleben. "Meine Zeit läuft ab", stellt er fest. Noch vier Jahre wolle er machen, dann schließe er die Tore. Ob sein 38-jähriger Sohn mal einsteige, stehe in den Sternen. Um einen externen Nachfolger kümmere er sich momentan auch nicht. "Das schiebe ich vor mir her", sagt der wortkarge Mann. Doch bevor er sich dem Unvermeidbaren zuwendet, geht er zum Tagesgeschäft über. Er schweißt und schmiedet am Hochwasserschutz für Grimma.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2013

Schöppenthau, Birgit

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