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Nach der Flut sitzt Fährmann auf dem Trocknen

Nach der Flut sitzt Fährmann auf dem Trocknen

Fenster und Türen des Fährhauses stehen in diesen Tagen weit offen. Die Kinder spielen am Ufer, wo sonst der Anlegesteg der Höfgener Fähre liegt. Der Ort hat trotz des Hochwassers nichts von seiner Romantik eingebüßt.

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Fähre liegt im Gras: Weil die Seilanlage weggespült wurde, kann Fährmann Sven Biegel mit seinem Kahn nicht auf der Mulde übersetzen.

Quelle: Birgit Schöppenthau

Zwei riesige Bäume ragen ihre Äste über das denkmalgeschützte Fährhaus. Wiesen säumen das Ufer der Mulde, die sich wieder friedlich in ihrem Flussbett schlängelt. "Wir haben Glück gehabt", stellt Biegel fest. Nicht wegen der wenigen persönlichen Sachen, die sie mitnehmen können. Sondern weil die fünfköpfige Familie das Drama wohlbehalten übersteht.

Denn eher als alle anderen Grimmaer muss der Fährmann flüchten. Als in der Muldestadt die Evakuierung vorbereitet wird, da reißt der 33-Jährige seine Frau Ina (32) und die Kinder Sofie (11), Leon (9) und Felix (5) aus dem Schlaf und verlässt in aller Eile das Ufer. Kurz darauf ist nicht nur das Haus überflutet. Auch der Weg über die Muldewiesen ist bereits unpassierbar. "Wir haben in den folgenden Stunden im Hotel Schiffsmühle geholfen, das Inventar hochzuräumen", erzählt Ina, die in der Anlage arbeitet. Aber auch hier hätten sie mit den Betreiberfamilien den Kampf gegen die Fluten verloren. Dennoch ist die gegenseitige Hilfe groß. Weil ihre Wohnung im Fährhaus unter Wasser stand, können die Biegels vorerst eine Ferienwohnung im Hotel Schiffsmühle nutzen.

Wie es weitergeht, das wissen Ina und Sven Biegel derzeit noch nicht. "Das hängt von den Schäden in der Muldenschifffahrt ab", sagt der Fährmann. Dass diese immens sind, bestätigt Volker Kaltofen, einer der drei Gesellschafter. "Wir haben zwar die Schiffe gerettet, aber die Anlegestellen sind unterspült beziehungsweise zerstört", sagt er. Eine Spezialfirma habe gestern unter anderem geprüft, ob die Winde der Fähre noch zu reparieren ist. "Wir wollen möglichst schnell zurück aufs Wasser", so Kaltofen. Auf diese Weise werde ein Zeichen gesetzt, dass die Region wieder aufsteht.

Trotz der dramatischen Ereignisse will auch der Fährmann mit seiner Familie das Haus an der Mulde nicht verlassen. "Ich bin mit der Fähre groß geworden", erinnert sich Ina. Die Enkelin der legendären Fährfrau Brigitte Müller kennt das Leben an der Mulde von Kindesbeinen an. Als ihr Mann die 4,50 lange Stange aus Lärche, mit der die Boote über den Fluss gestakt werden, übernimmt, geht für sie ein Lebenstraum in Erfüllung. Seit 2005 leben sie mit dem Fährbetrieb, der 1638 seine erste urkundliche Erwähnung findet. "Wir gehen hier nicht weg", sagt Biegel entschlossen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Birgit Schöppenthau

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