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Nachhilfe für Macherner Bürgermeisterin

Nachhilfe für Macherner Bürgermeisterin

Die Rechtsaufsicht greift zu drastischen Maßnahmen, um die Funktionsfähigkeit des Macherner Rathauses sicherzustellen: Bürgermeisterin Doreen Lieder wurde zu einem Coaching, einer Art Nachhilfe in Sachen Mitarbeiterführung, verdonnert.

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Rathaus am Macherner Schlossplatz: Das Landratsamt sieht inzwischen die ordnungsgemäße Erledigung der Verwaltungsaufgaben gefährdet und greift zu drastischen Mitteln.

Quelle: Andreas Röse

Machern. Außerdem muss die 41-Jährige, die erst im April ihr Amt antrat, eine Konfliktberatungsstelle aufsuchen.

Während die Gemeindechefin in ihren Neujahrsgrüßen auf der kommunalen Homepage die Gemeinde Machern auf gutem Wege sieht und die Umsetzung etlicher Vorhaben verkündet, sorgt sich das Landratsamt ums banale Alltagsgeschäft. Die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung am Schlossplatz ist nach Einschätzung der Kreis-Behörde inzwischen stark eingeschränkt. Mitarbeiter erheben gegen die Bürgermeisterin seit Monaten Mobbingvorwürfe (die LVZ berichtete). Einige befinden sich in psychiatrischer Behandlung. Die Amtsführung der parteilosen Juristin und ihr Umgang mit den Angestellten stehen zunehmend in der Kritik.

Dass das Rathaus kaum noch handlungsfähig zu sein scheint, drückt die Rechtsaufsicht folgendermaßen aus: "Ein hoher krankheitsbedingter Personalausfall sowie das angespannte Arbeitsklima gefährden aktuell die sach- und ordnungsgemäße Erledigung der Aufgaben beziehungsweise den Gang der Gemeindeverwaltung in Machern", erklärte Behördensprecherin Brigitte Laux auf LVZ-Anfrage. Man habe deshalb bereits am 18. Dezember einen Verwaltungsakt erlassen. "Die Bürgermeisterin", so Laux weiter, "ist als Behördenleiterin für die Erfüllung der Verwaltungsaufgaben verantwortlich und hat die Fürsorgepflicht gegenüber den Behördenangehörigen." Nach einer Reihe von Gesprächen, in denen die Probleme gemeinsam mit der Rathauschefin sowie dem Personalrat erörtert wurden, habe die Rechtsaufsicht nunmehr Maßnahmen festgelegt. Ziel sei, "das Arbeitsklima im Rathaus zu verbessern, bestehende Lösungsansätze zu festigen und eine konstruktive Zusammenarbeit zu fördern".

Wie inzwischen bekannt wurde, lehnte es die Rathauschefin ab, sich freiwillig einem Coaching zu unterziehen, obwohl ihr die Kreisbehörde dringend dazu geraten hatte. Die Rathauschefin, heißt es intern, sehe die Defizite eher bei den Mitarbeitern. Das Landratsamt sah sich daraufhin noch vor Weihnachten gezwungen, seiner Bitte in Form eines Verwaltungsaktes Nachdruck zu verleihen. Gegen diesen kann Doreen Lieder noch bis 18. Januar in Widerspruch gehen.

"Die kommunale Selbstverwaltung ist zwar ein hohes Gut, aber in Machern ist inzwischen ein Punkt erreicht, wo wir einschreiten müssen", begründete Laux die Anordnung. Der Kreis habe Lieder aufgefordert, unverzüglich eine Fortbildung beziehungsweise ein Coaching "zum gesundheitsförderlichen Umgang mit den Gemeindebediensteten zu besuchen", erläuterte sie weiter. Außerdem müsse Lieder "die Hilfe einer professionellen Konfliktberatungsstelle in Anspruch nehmen". Auch diese Forderung sei Inhalt des Verwaltungsaktes vom 18. Dezember. Anliegen sei, so Laux, im Macherner Rathaus "eine konstruktive Konfliktbewältigung und Deeskalation zu erreichen".

Vorgaben zum fachlichen und zeitlichen Umfang des Coachings machte das Landratsamt nicht. "Der Bürgermeisterin steht es frei, auf professionelle Angebote, die es auf dem Markt gibt, zurückzugreifen." Vom Umfang her sollten sie sich laut Rechtsaufsicht "im Rahmen des Üblichen" bewegen.

Die Nachhilfe für die Ortschefin geht auf Kosten der Macherner Bürger. "Da es sich um eine notwendige Fortbildung für die Bürgermeisterin handelt, trägt die Kosten ihr Arbeitgeber - und das ist die Gemeinde."

Es sei schon vorgekommen, dass das Landratsamt Gemeindeoberhäupter zu Fortbildungslehrgängen geschickt und dies auch angeordnet habe. "Zugegebener Maßen ist das aber eher die Ausnahme", erklärte Brigitte Laux.

Auf die Erfolge eines Coachings von Doreen Lieder will zumindest Bürgeramtsleiter Ronny Reichel nicht vertrauen. Wie Daniel Jurochnik, sein Anwalt, gestern informierte, habe Reichel seine Kündigung eingereicht. "Auf Grund seiner Erfahrungen und seiner bisherigen Arbeitszeugnisse hat sich mein Mandant in einer anderen Kommune erfolgreich um eine neue Stelle bemüht." Dort habe sich Ronny Reichel gegen 30 andere Bewerber durchgesetzt. "Aus gesundheitlichen Gründen", so Anwalt Jurochnik, sei es für den Amtsleiter angeraten gewesen, "dem Macherner Rathaus den Rücken zu kehren und die Reißleine zu ziehen".

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.01.2014
Simone Prenzel

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