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Nährmittelwerk Anona will ehemaligen Baumarkt nutzen – Colditz hofft auf 100 Jobs

Stadtrat Nährmittelwerk Anona will ehemaligen Baumarkt nutzen – Colditz hofft auf 100 Jobs

Der ehemalige Hagebaumarkt am nordwestlichen Ortsrand von Colditz, östlich der Bundesstraße 107, soll zur Standorterweiterung des im Norden angrenzenden Betriebsteiles der Anona Nährmittel GmbH genutzt werden. Der Stadtrat hatte im März die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Anona Werk 3“ beschlossen.

Blick über die Bundesstraße auf den ehemaligen Bau- und Gartenmarkt und das dahinter angrenzende Werk 2 von Anona.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Der ehemalige Hagebaumarkt am nordwestlichen Ortsrand von Colditz, östlich der Bundesstraße 107, soll zur Standorterweiterung des im Norden angrenzenden Betriebsteiles der Anona Nährmittel GmbH genutzt werden. Der Stadtrat hatte im März die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Anona Werk 3“ beschlossen. Der vom Colditzer Ingenieurbüro Schlender und Heiser erstellte Entwurf lag Mitte April bis Mitte Mai zur Einsichtnahme im Rathaus aus. Parallel wurden die Träger öffentlicher Belange einbezogen. In seiner jüngsten Sitzung wog der Stadtrat deren Empfehlungen ab, teils wurden sie übernommen, teils abgelehnt, wie die vom Landratsamt geforderte Pufferzone zum Wohngebiet, weil das die örtlichen Gegebenheiten nicht erlaubten. Seitens der Bürger gab es keine Einwende.

Der Plan ist nicht der erste, der über das Gebiet gelegt wird. Anfang der 1990er wurde das Gebiet per Vorhaben- und Erschließungsplan als Sondergebiet für Handel festgesetzt. 2013 wurde der bestandssichernde Bebauungsplan „Leipziger Straße“ genehmigt, denn laut Landesentwicklungsplan ist in Grundzentren wie Colditz großflächiger Einzelhandel eigentlich nicht zulässig. Als 2015 Hagebau als größter Nutzer im 18 119 Quadratmeter großen B-Plangebiet schloss, sollte eine schnelle Wiedernutzung der frei gewordenen Fläche und Bausubstanz erfolgen. Durch die spezifische Ausweisung als „Sondergebiet Bau- und Gartenmarkt“ war die jetzt erfolgte Überplanung in „Gewerbegebiet“ erforderlich. Die zukünftige Ansiedlung großflächigen Einzelhandels wird damit auf lange Zeit ausgeschlossen. Der Status erlaubt die „Unterbringung von nicht erheblich belästigenden Gewerbebetrieben“. Das Plangebiet ist bereits umgeben von diversen anderen gewerblichen Nutzungen – Autohaus mit angegliederter Werkstatt und Farbspritzerei, Tankstelle, Gemüsehandel.

Die Stadt schlägt mit der Umwidmung mehrere Fliegen mit einer Klappe. Sie berücksichtigt die Belange des ortsansässigen Unternehmens und trägt zur Sicherung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze beim größten Arbeitgeber der Region bei – „perspektivisch profitiert die Region von der Schaffung von voraussichtlich über 100 Arbeitsplätzen“, heißt es in der Planung. Sie ermöglicht die Nachnutzung einer leer stehenden Immobilie und verhindert, da anona ohnehin Erweiterungsflächen gesucht hat, dadurch einen Neubau auf grüner Wiese. Mehr noch: Durch die unmittelbare Nachbarschaft des neuen zum bestehenden Anona-Standort werden größere verkehrstechnische Erschließungen und zusätzliche Verkehrsströme vermieden. Erschlossen wird das Areal durch die Straße Flurteil Eule. Aufgrund des ausgebauten Knotens B 107/Flurteil Eule/Grimmaische Straße mit extra Abbiegespur aus Richtung Grimma ist nach Ansicht der Planer ein reibungsloser Verkehrsfluss gegeben. Auch ansonsten sehen Schlender und Heiser „keine anderen oder erhöhten infrastrukturellen Anforderungen“. Der Stellplatzbedarf wird durch vormalige Kundenparkplätze ausreichend gedeckt. Die bestehenden Gebäude und Nutzungen innerhalb des B-Planbereiches genießen Bestandsschutz. Aber durch Entsiegelung wird die Grundflächenzahl von 0,9 auf reguläre 0,8 zurückgesetzt. Die maximale Traufhöhe beträgt entsprechend des Bestandes 7,5 Meter, in einem Teilbereich sind mit Blick auf abzusehende technologische Einbauten 10,5 Meter möglich. Angesichts dessen, dass das Gelände fast komplett versiegelt ist, gibt es eine Reihe grünordnerischer Festsetzungen: Nicht überbaute und nicht bebaubare Flächen sind zu begrünen, pro zehn Stellplätze ein Laubbaum zu pflanzen. Die Hecke im Nordosten und Osten ist zu erhalten, ebenso der Gehölzsteifen und Wiesensaum im Süden.

Wichtig für die Wohnbebauung Färberberg sind die Festlegungen zur Schallemission. Zulässig sind nur Anlagen, die weder tags (6–22 Uhr) 59/59/60 dB (je nach Teilfläche) noch nachts (22– 6 Uhr) 40/43/47 dB überschreiten. „Schädliche Umweltauswirkungen im Sinne des Paragrafen 3 Bundes-Immissionsschutzgesetz sind nicht zu erwarten“, so das Ingenieurbüro. Die schon im Rahmen des B-Planes „Leipziger „Straße“ durchgeführte Umweltprüfung wird aber „in Bezug auf die zukünftige Nutzung präzisiert“.

In der nächsten Stadtratssitzung, so Silka Gläser vom Bauamt, soll der B-Plan mit den eingearbeiteten Empfehlungen als Satzung beschlossen und beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht werden. Im noch mit Anona zur Finanzierung der Planung und Durchführung zu schließenden Städtebaulichen Vertrag wolle man auch das Thema Flurteil Eule ansprechen, reagierte sie auf einen Hinweis von Stadtrat Gottfried Ulbricht (Für unsere Heimat), dass schon jetzt die zum Werk 2 führende Straße unter anderem durch die hier auf Be- oder Entladung wartenden Lkw in Mitleidenschaft gezogen sei.

Von Ines Alekowa

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