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Naunhof: Ein Sieg für die Demokratie

Naunhof: Ein Sieg für die Demokratie

Egal, für wen sich die Naunhofer am 2. September entscheiden, eines wurde beim Wahlforum vorgestern Abend in der Parthelandhalle bereits deutlich: Die Demokratie siegt.

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Diskussionsrunde: Heinrich Lillie, Regionalchefredakteur der Leipziger Volkszeitung, auf dem Podium im Gespräch mit den Bürgermeister-Kandidaten Hermann Kinne, Torsten Wanke, Carsten Graf, Matthias Ruf und Mario Schaller (v.l.n.r.).

Quelle: Klaus Peschel

Naunhof. Rund 500 Besucher kamen, um zu erfahren, welche Ziele sich die Bürgermeister-Kandidaten setzen. Von Politikverdrossenheit keine Spur.

Die Wahlprogramme der fünf Männer gleichen sich in vielen Punkten. So musste Heinrich Lillie, Regionalchefredakteur der LVZ, in seiner Moderation den Kandidaten mächtig auf den Zahn fühlen, um Unterschiede herauszukitzeln. Schnell wurde klar: Mit Plattheiten kam ihm niemand durch. So gab es durchaus Neues zu erfahren, was bisher in der Summe noch nicht zur Sprache gekommen ist. Einige Ausschnitte:

Hermann Kinne (CDU) will, dass die Stadt intensiver die Sorgen und Nöte der Unternehmer in den Blick nimmt; beide Seiten sollten sich turnusmäßig treffen. Städtische Ausgaben will er senken, ohne sie unbedingt zu kürzen. „Wir können aber das Tempo aus unseren Investitionen herausnehmen", sagte er. Eine Eingemeindung von Naunhof nach Leipzig oder Grimma möchte Kinne auf alle Fälle vermeiden und dafür Gespräche über einen engeren Kontakt mit Belgershain, Großsteinberg und Großpösna führen. Kinne ist für einen „menschlichen Umgang im Rathaus" und regt eine Einwohnerversammlung an, auf der erörtert werden könne, wo Naunhof in 20 Jahren stehen soll. 

Für ein starkes Mittelzentrum zwischen Leipzig und Grimma tritt Torsten Wanke (parteilos, nominiert durch die Linke) ein. Deshalb will er die Verwaltungsgemeinschaft mit Parthenstein und Belgershain enger zusammenführen: „Ich befürchte, dass Naunhof zusammenbricht, wenn es nicht gelingt, dass die finanzielle Last möglichst viele tragen." Ein „Weiter so wie bisher" dürfe es wegen der Haushaltslage nicht geben. Gewerbetreibende will Wanke entlasten. Er bezeichnete sich als „Freund des Gymnasiums", das die Linke ursprünglich ablehnte, und hätte gern Ruf-Busse und Ruf-Taxis privater Unternehmen zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Im Gegenzug dazu sieht Carsten Graf (parteilos, von zwei Unabhängigen Wählervereinigungen und FDP unterstützt) „Naunhof verkehrsmäßig gut angeschlossen". Wenn es beim Schülerverkehr Probleme gebe, müssten sie besprochen werden. Graf verwies auf Erreichtes, das erhalten werden solle. Gegenüber Formen direkter Bürgerbeteiligung zeigte er sich skeptisch. „Beteiligung ist monatlich möglich in den Sitzungen des Stadtrates und in den Ortschaftsräten", sagte er. Da Leipzig die Gewerbeflächen ausgehen würden, solle Naunhof seine in den kommenden Jahren verstärkt anbieten. Eine Eingemeindung der Stadt befürchtet Graf nicht.

Matthias Ruf (parteilos) denkt hingegen: „Naunhof wird irgendwann eingemeindet." Die Stadt hätte da keine Entscheidungsmöglichkeit. Der Einzelkan-

didat möchte das Potenzial der Seen ausschöpfen und dort den Tourismus entwickeln. Er ist gegen eine Industrieansiedlung, würde aber gern eine Forschungseinrichtung nach Naunhof holen. Die Abläufe in der Stadtverwaltung möchte er optimieren, „damit sie nicht mehr so viel Zeit in Anspruch nehmen." Er sieht jede Menge anderer Einsparmöglichkeiten, „über die ich mich allerdings heute Abend nicht äußern kann." Ruf will langfristig die Einwohner entlasten. „Die Stadt muss überlegen, wie das geht", sagte er.

Mario Schaller (parteilos) denkt an die Errichtung einer Seniorenresidenz in der Innenstadt, „damit die ältere Generation nicht abgehängt wird." Für künftige Großprojekte schlug er einen Dachverband vor, in dem sich Bürger, Unternehmen, Vereine und Stadträte im Vorfeld über die Vorhaben unterhalten. Er will mehr Handel, Gewerbe und Dienstleistungsfirmen nach Naunhof ziehen und an den Seen einen sanften Tourismus entwickeln. Von der Stadt forderte Schaller, sie müsse ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gewerbetreibenden nachkommen, was bislang nicht in ausreichender Form geschehe, und Kindergärtnerinnen angemessen entlohnen.

Frank Pfeifer

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