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Naunhof: Eine anregende Knolle

Naunhof: Eine anregende Knolle

Auf den ersten Blick haftet der Kartoffel eher wenig künstlerische Substanz an. Doch wer sich näher mit dem Erdapfel beschäftigt, stellt schnell fest, dass sich so mancher Maler von diesem wichtigen Nahrungsmittel anregen ließ.

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Extra für die Ausstellung gemalt: Der frühere Geschäftsführer der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft, Bernd Radestock, mit seinem Werk.

Quelle: Bert Endruszeit

Naunhof. Der Kunsthistoriker Gerd Fiedler lud mit seinem Eröffnungsvortrag zur neuen Ausstellung in der Galerie Kugel am Mittwochabend in launiger Art zu einer künstlerischen Reise auf den Spuren der Knolle ein. "Wir haben vorher sogar Kartoffelpuffer gegessen", meinte er mit Blick auf die Vorbereitung.

Künstler seien bei ihren Streifzügen übers Land mit der Feldfrucht in Kontakt gekommen. "Wenn draußen an der Staffelei gearbeitet wurde, bekam so mancher Maler einen Beutel voller Kartoffeln", so Fiedler. Dem Leipziger Johannes Burkhardt sei es ähnlich ergangen. "Ich war im ganzen sieben Wochen in Großsteinberg am See, davon drei Wochen als Lehrgangsleiter und vier Wochen als Maler", schrieb er 1957 in sein Tagebuch. Eigens für die Ausstellung hatte er in seinen alten Aufzeichnungen geblättert. "Die LPG-Frauen lasen die Knollen aus den Furchen auf. Hatte eine von ihnen ihren 'Bähnert' gefüllt, dann musste ein Abholer schnell mit dem großen Korb zur Stelle sein und den fast randvoll Geladenen huckepack zu dem Pferdewagen bringen, der am Ende des Ackers bereit stand. Diesen Dienst übernahmen vorübergehend wir."

Wir, damit war neben Burkhardt der Maler Günter Rackwitz gemeint. Die Ausbeute dieses Einsatzes war jedoch nicht nur knollenförmig. Entstanden ist dabei auch manche Zeichnung, drei davon hat Burkhardt für die Naunhofer Ausstellung ausgewählt. Sie zeigen einen Bauer aus Großsteinberg und Beobachtungen am Feldrand.

Eigens für die jetzige Exposition hat sich Bernd Radestock mit dem Thema beschäftigt. "Die Kartoffel auf dem Teller hat er selbst geschält, damit alles auch dekorativ ist", erklärte Fiedler mit Blick auf das Gemälde. "Und die Kartoffelpflanze im Hintergrund sieht wie eine Lilie, eine Bauernlilie aus."

Einen direkten Bezug zu Naunhof wählte Klaus König. Der gebürtige Leipziger zeigt einen Jungen, der einen älteren Herrn direkt vor dem Turmuhrenmuseum nach der Uhrzeit fragt. Der Mann hält kurz inne und sagt dann im tiefsten Sächsisch, dass er doch erst mal auf seine Gardoff'l schauen müsste - damit ist seine Taschenuhr gemeint.

Während diese Arbeit "taufrisch" ist, stammen weitere ausgestellte Werke aus früheren Jahrzehnten. So die Holzschnitte von Conrad Felixmüller, die 1948 entstanden und Kartoffelstoppler in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit zeigen, oder Arbeiten von Gunter Böttger, Günter Rackwitz, Constanze Zorn, Heinz Mutterlose, Erwin Ounapu, Adam Würtz, Roland Beier, Lothar Sell, Malle Leis und Joachim Rolle sowie Monika und Rolf Krause. Letzterer erinnerte mit seinem 1971er Holzschnitt "Kartoffelfeuer brennen" an die einst überall präsenten Erntefeuer. "Ende September wurde das Kraut gleich auf dem Acker verbrannt, so etwas kennt man heute gar nicht mehr", sagte Fiedler. Und dankte anschließend den Künstlern oder deren Kindern, die für die ungewöhnliche Schau Werke beisteuerten.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Ingrida Funkner und Ingolf Schwarze. Funkner stammt aus Litauen. Und da schließt sich der Kreis zu einer der nächsten Ausstellungen in der Galerie Kugel. "Wir werden dann Werke von litauischen Künstlern zeigen", kündigte Stefanie Teichmann von der Naunhofer Stadtbibliothek an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2014
Endruszeit, Bert

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