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Naunhof: Erst das Licht erzeugt die Strukturen

Naunhof: Erst das Licht erzeugt die Strukturen

Er malt mit glasklarer Flüssigkeit auf weißem Untergrund. Und dennoch zeigen seine Bilder Strukturen. Wer das nicht glaubt, kann sich in der Galerie Kugel im Naunhofer Rathaus davon überzeugen, dass das möglich ist.

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Einzigartige Technik: Uwe Schürmann erläuterte den ersten Besuchern der Vernissage anhand seines Bildes "Mikrokosmos", wie er mit Fotochemikalien malt. In diesem Falle hat er eines der ansonsten typischen Schwarz-Weiß-Bilder im Nachgang eingefärbt.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof. Dort eröffnete Uwe Schürmann aus Leipzig vorgestern Abend eine Ausstellung, die einen umfassenden Überblick über sein Schaffen gibt.

Oxydationsmalerei nennt er die von ihm entwickelte Technik, sein Alleinstellungsmerkmal. Er malt in der Dunkelkammer auf Fotopapier. Mit zeitversetzten Belichtungen bringt er schwarz-weiße Arrangements zum Vorschein, denen er mit Hilfe längerer Standzeiten der Chemie Brauntöne hinzufügen kann. Nachträgliche Korrekturen sind nicht möglich. "Manchmal dauert es Tage oder sogar Wochen, bis das gewünschte Bild herauskommt", erklärte der Künstler und gestand: "Da entsteht viel Ausschuss."

Besonders ist an Schürmann nicht nur dieses eine Verfahren, sondern auch die Bandbreite seines Tuns. Mit Öl, Akryl und Aquarellfarben geht der Fotografenmeister genauso um wie mit einer Kamera, deren Objektiv er so zusammengebaut hat, dass, wie er sagte, "alle optischen Fehler, die Jena in den vergangenen über 100 Jahren beseitigt hat, wieder zum Tragen kommen." Durch eine bewusste Unschärfe erzeugt er Dreidimensionalität, die ins Bild zieht. Ob Landschaften oder Details wie Spinnweben, Tautropfen oder Getreideähren, der Betrachter sieht die Welt mit anderen Augen.

Nicht beim Gegenständlichen bleibt der 52-Jährige in seiner Malerei. Auch hier sprechen beispielsweise seine Leipziger Ansichten und die von ihm kreierten lustigen Ballbirds zwar eine leicht verständliche Sprache. Manche Motive abstrahiert er aber mit dem Pinsel in einer Weise, die der Digitalfotograf Verpixelung nennen würde. Dem Betrachter lassen sie weit mehr Spielraum für die eigene Interpretation.

Als Beigabe am Rande stellte der Künstler sein Würfelspiel "Napoleon ärgere Dich nicht" vor, das er vor sechs Wochen entworfen hat und unter anderem im Souvenirshop am Völkerschlachtdenkmal erhältlich ist. "Die Alliierten Figuren müssen nach Leipzig rein, die Franzosen aus der Stadt raus", erklärte er. Viel liegt ihm daran, dass es sich um eine "pazifistische Variante" handle, bei der jeder seine Soldaten in Sicherheit bringen müsse. Frei von politischen Aussagen sind auch manche seiner Werke nicht, die nun bis zum 10. Januar während der Öffnungszeiten des Rathauses in der Galerie zu sehen sind.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013
Pfeifer, Frank

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