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Naunhof: Knatsch im Wahlkampf

Naunhof: Knatsch im Wahlkampf

„Das Rathaus ändert die Regeln für den Wahlkampf nach seinem Belieben." Mit diesen harschen Worten kritisiert Bürgermeister-Kandidat Torsten Wanke (Die Linke) einen Richtungswandel in der Naunhofer Stadtverwaltung.

Naunhof. Er sieht sich jetzt in seinen Möglichkeiten eingeschränkt, genügend Wähler für sich zu mobilisieren. Als klar war, dass die Stadt Naunhof ein neues Oberhaupt braucht, ging Torsten Wanke als erster in die Spur und bewarb sich um das Amt. In der Folge fragte er im Rathaus an, ob er öffentliche Einrichtungen nutzen könne, um sich und seine Positionen dem Wahlvolk vorzustellen. Dies lehnte Ordnungsamtsleiter Daniel Brcak zumindest für Gebäude in den Ortsteilen ab. Laut der jeweiligen Benutzerordnungen seien politische Veranstaltungen im Saal des Feuerwehrgerätehauses Ammelshain, im Saal und Vereinsraum des Bürgerhauses Fuchshain und im Dorfgemeinschaftshaus Eicha ausgeschlossen, ließ er Wanke wissen. Zulässig, so Brcak weiter, seien jedoch Wahlwerbeveranstaltungen im Bürgersaal des Begegnungszentrums Naunhof und im Sitzungssaal des Naunhofer Rathauses. So ergriff Wanke die Chance und ließ sich für den Rathaussaal vormerken. Da er häufig abends und nachts arbeitet, so sagt er, blieb ihm nur noch ein Termin an einem Montag. „Wer kommt da zu einer Wahlveranstaltung?", fragt er rhetorisch. Lieber wäre es ihm gewesen, wenn er sich an einem Freitag oder Sonnabend präsentieren hätte können. Nun, da alles fest vereinbart war, hat sich die Situation jedoch verändert. Weitere fünf Männer ließen sich als Bürgermeister-Kandidaten aufstellen. Vier von ihnen sind noch im Rennen. Plötzlich gingen auch von den anderen Bewerbern Anfragen im Rathaus ein, ob sie öffentliche Räume für ihren Wahlkampf nutzen könnten. Amtsverweser Jörg-Dietmar Funke regierte darauf und ließ Ordnungsamtsleiter Brcak allen Kandidaten mitteilen, dass nun auch die Säle und Bürgerhäuser in den Ortsteilen für Wahlveranstaltungen genutzt werden könnten, sofern sie nicht schon belegt seien. Brcak sieht darin kein Problem. „Zunächst waren allen Kandidaten Veranstaltungen verboten worden; jetzt sind sie allen erlaubt", erklärt er. „Damit werden alle gleichbehandelt." Doch Wanke kontert: „Dem ist mitnichten so." Eine so erhebliche und kurzfristige Änderung der Bedingungen im letzten Drittel des Wahlkampfes stelle einen erheblichen Eingriff in seine Planungen dar. Als Schichtarbeiter müsse er seine Termine lange im Voraus festlegen. Gegenüber seinen Mitbewerbern sieht er sich deshalb jetzt im Nachteil. Da sich Torsten Wanke außerdem bereits auf den Rathaussaal festgelegt hat, stehen andere Räume sowieso nicht mehr für ihn zur Debatte. Denn aus Brcaks Schreiben an alle Kandidaten geht hervor, dass jeder von ihnen nur eine kommunale Einrichtung für eine Veranstaltung nutzen darf. Der Linke ist damit quasi auf Naunhof gebucht. „Ich wäre aber auch gern in die Ortsteile gegangen", beteuert er. Daniel Brcak räumt ein: „Wenn man versucht, sich allen Bedürfnissen zu nähern, dann wirft das Fragen auf." Dass sich die Rathausspitze umentschieden hat und nun Wahlveranstaltungen in den Ortsteilen erlaubt, sieht er aber als positives Zeichen an. „Weil mehrere Kandidaten angefragt haben, sind wir ihnen entgegengekommen und haben unsere Benutzerordnungen gelockert", sagt er. „Wie nun Torsten Wanke seinen Wahlkampf organisiert, ist nicht mein Bier." Unterdessen hat Wanke nach Wegen gesucht, sich ohne die Hilfe des Rathauses den Bürgern zu nähern. An einem Info-Stand erläuterte er seine Ideen. Mehrere dieser Aktionen musste er jedoch abbrechen, weil ihn selbst das Wetter wortwörtlich im Regen stehen ließ.

Frank Pfeifer

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