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Grimma Naunhof: Schilder statt Umgehungsstraße
Region Grimma Naunhof: Schilder statt Umgehungsstraße
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13:50 13.02.2019
Eng geht es oft zu am Stadtgut (links), wenn Lastwagen durchs Zentrum fahren. Matthias Mietz hat eine Idee, wie dieser Verkehr um Naunhof herumgeleitet werden kann, ohne die Osttangente zu komplettieren. Quelle: Frank Pfeifer
Naunhof

Geklärt schienen bislang die Fronten: Anwohner der Leipziger und Bahnhofstraße wünschen sich die Komplettierung der sogenannten Osttangente als Entlastungsachse für die Naunhofer Innenstadt, mehrere Unternehmer lehnen diese ab. Matthias Mietz durchbricht jetzt diese Grenze mit neuen Ideen. Die Stadtverwaltung ruft er auf, endlich das Gespräch mit den Bürgern zu suchen.

Naunhof plant Straßenneubau

Naunhof möchte gern den letzten Teil eines Verkehrskonzepts von 2003 umsetzen. Nach dem Bau der Straße des 9. November vom Autobahnzubringer bis zur Wurzender Straße fehlt nur noch der Abschnitt von dort bis zur Großsteinberger Straße, um eine Geradeaus-Verbindung herzustellen, ohne dass die Bahnlinie gekreuzt werden muss. Aus Sicht der Kommune eine ideale Lösung, um Schwerlastverkehr aus dem Zentrum zu nehmen.

Matthias Mietz sieht Lösung in Schildern

Doch dieses grundsätzliche Ziel ließe sich nach Meinung von Matthias Mietz, der in der Bahnhofsstraße wohnt und ebenso gern weniger Belastungen durch Lärm und Abgas ausgesetzt wäre, auch ohne das Millionenprojekt erreichen. „Kommunen dürfen Schwerlastverkehr raushalten, indem sie Schilder an den Ortseingängen aufstellen, die diesem die Durchfahrt verbieten – mit Ausnahme des Öffentlichen Personennahverkehrs, ansässigen Gewerbetreibenden und Zulieferern“, argumentiert er. „Verkehrsinseln und künstliche Fahrbahndellen könnten zusätzlich die Lust am Durchfahren mindern.“

Naunhof braucht Einwohnerversammlung

Weit gehen die Meinungen der Naunhofer auseinander, wie am besten der Schwerlastverkehr aus ihrer Innenstadt verbannt werden könnte. So, wie die Diskussion derzeit läuft, werden sie sich nicht zusammenführen lassen. Wichtig ist deshalb, dass Argumente frei und fair ausgetauscht werden können.

Als Volker Zocher im Wahlkampf antrat, um 2013 Bürgermeister zu werden, versprach er vollmundig, jedes Jahr eine Einwohnerversammlung zu wichtigen Themen abzuhalten. Kaum saß er im Amt, war davon keine Rede mehr. Erst vergangenes Jahr lud er die Bürger zum Gespräch – allerdings nur, weil ihn der Stadtrat dazu nötigte. Um die Verlängerung der sogenannten Osttangente ging es allerdings nicht.

Laut Sächsischer Gemeindeordnung sollen mindestens einmal im Jahr allgemein bedeutsame Gemeindeangelegenheiten mit den Einwohnern erörtert werden. Genau solch eine wichtige Angelegenheit ist der Bau eines weiteren Teils der Ortsumgehung. Doch Zocher weigert sich, mit dem Volk darüber zu reden, bevor die Planungen stehen.

Gezwungen werden kann er zu einem anderen Kurs. Denn laut Gemeindeordnung obliegt es dem Stadtrat, von ihm Bürgerversammlungen zu fordern, wenn er nicht von sich aus sein Versprechen einlöst. Und noch einen zweiten Weg lässt das Gesetz zu: Auch einem Antrag, den mindestens zehn Prozent der Einwohnerschaft unterzeichnen, hätte Zocher stattzugeben. Es müsste nur einer die Initiative ergreifen, dem an einer offenen und ehrlichen Diskussion liegt.

Bei so einem Antrag geht es zunächst nicht darum, ob jemand für oder gegen eine neue Straße ist. Und es geht erst recht nicht darum, politisch Handelnden das Heft aus der Hand zu nehmen. Aber Verwaltung, Abgeordnete und Bürger könnten in einer Einwohnerversammlung ihre Beweggründe darlegen, es ergäbe sich ein Stimmungsbild, und jeder hätte das Gefühl, gehört zu werden. Im besten Falle werden neue Ideen geboren, die vielleicht doch noch zu einem Kompromiss führen, den mehr Menschen mittragen können. Demokratie bedeutet Gespräch.

Als Alternativroute für Lastwagen aus Großsteinberg, die durch Naunhof nach Störmthal und Großpösna fahren, schlägt Mietz die Autobahnen vor. „Es existiert jetzt eine Infrastruktur, die es noch nicht gab, als das Verkehrskonzept erstellt wurde“, erklärt er. Die Fahrer könnten die A-14-Auffahrt Klinga nutzen und über das Dreieck Parthenaue und die neue A 38 an ihr Ziel gelangen. „Der Mehraufwand in Form zusätzlicher Fahrminuten und Kilometer ist aus meiner Sicht gering und zumutbar“, denkt Mietz.

Gewerbetreibende fürchten um ihre Existenz

Naunhof möchte sein Zentrum mit Frequenzbringern beleben, führt er weiter aus. Solche seien ebenfalls die schon bestehenden Gewerbebetriebe Altes Kranwerk und Hotel „Rosengarten“. Diese würden, wie ihre Inhaber mahnten, durch den Straßenneubau in ihrer Existenz gefährdet. Einer von ihnen verklagte inzwischen sogar die Stadt.

Forderung nach mehr Informationen

„Ich habe nicht den Anspruch, mit meinen Vermutungen richtig zu liegen“, schränkt Matthias Mietz ein. „Aber keiner antwortet auf meine Fragen, mit der Kommunikation der Stadtverwaltung bin ich nicht einverstanden. Jetzt, und nicht erst, wenn alles schon feststeht, brauchen wir eine öffentliche Informationsveranstaltung, in der die Menschen ihre Sorgen und Ängste äußern können.“

Für sich selber sorge er sich beispielsweise um spätere finanzielle Belastungen. Im Zuge des geplanten Vorhabens übernahm der Landkreis am 1. Januar die Ortsdurchfahrt vom Freistaat und will sie auf dessen Kosten zügig in Schuss bringen. Danach soll die Strecke in kommunale Hände übergeben werden, weshalb Mietz fürchtet, bei späteren grundlegenden Sanierungen mit Straßenausbaubeiträgen beteiligt zu werden.

Stadt sagt nichts zur Alternative von Mietz

Auf die Frage an die kommunale Verwaltung, ob solche finanziellen Forderungen gegenüber Anliegern dauerhaft ausgeschlossen werden könnten, ging Stadtsprecherin Anja Lohn nicht ein. Sie bestätigte lediglich die vorgesehene Abstufung der Großsteinberger, der Bahnhof- und von Teilen der Leipziger Straße zu Gemeindestraßen, wenn die Osttangente komplettiert ist. Auf die Frage nach einer Einwohnerversammlung hieß es ausweichend: „Grundsätzlich ist es so, dass, wenn eine Straßenbaumaßnahme ansteht, die Anwohner und Gewerbetreibenden in dem betroffenen Bauabschnitt in einer Anwohnerversammlung über alle genauen Bauabläufe informiert werden.“

Zu allen anderen Auskunftsbitten der LVZ in Bezug auf die Ideen von Matthias Mietz ließ Lohn wissen, dass es keine neuen Informationen seit Sommer vergangenen Jahres gibt. Damals hatte sie bestätigt, dass der Stadtrat hinter verschlossenen Türen über Varianten für die Verlängerung der Osttangente gesprochen habe, es aber keine offizielle Vorstellung in einer öffentlichen Sitzung geben werde. Die Planungen würden weiterlaufen.

Von Frank Pfeifer

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