Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Naunhof: Teamarbeit statt Diktatur / Ex-Amtsverweser Funke im Interview

Naunhof: Teamarbeit statt Diktatur / Ex-Amtsverweser Funke im Interview

Zwei bis vier Monate wollte Jörg-Dietmar Funke (UWV) die Geschicke der Stadt Naunhof lenken, als er am 16. Januar als erster Verhinderungsstellvertreter die Aufgaben des damaligen Bürgermeisters Uwe Herrmann übernahm.

Voriger Artikel
Gipfelzaun von Heiligendamm steht jetzt in Borsdorf
Nächster Artikel
Ammelshain: Biker stellen sich Brummis in die Quere

Ich versuche, Probleme in Teamarbeit zu lösen: Jörg-Dietmar Funke im Gespräch über seine Zeit als Verhinderungsstellvertreter und Amtsverweser von Naunhof.

Quelle: Klaus Peschel

Naunhof. Daraus wurden neuneinhalb Monate, bis er zum 31. Oktober seinen Posten als Amtsverweser abgab. Wie beurteilt er heute diese Etappe und was wünscht er Naunhof für die Zukunft? Die LVZ sprach mit ihm.

Frage: Welche Gefühle kommen bei Ihnen auf, wenn Sie auf dieses dreiviertel Jahr zurückblicken?

Jörg-Dietmar Funke: Gespaltene. In elf Jahren als erster Stellvertreter hatte ich viele von den politischen Abläufen in der Kommune mit begleitet und mit entschieden. So war es nicht schwer, Verwaltungsakte auf den Weg zu bringen. Was einen aber kirre machte, waren die vielen Schauplätze von Kleinkriegen. Jeder versuchte in seinem Ressort das Süppchen so zu kochen, wie es ihm schmeckte.

Sie waren also nicht zufrieden mit der Stadtverwaltung?

Die Verwaltung erwartete, dass sie von mir die gleichen inhaltlichen Vorgaben erhält wie vom alten Bürgermeister. Ich versuchte aber, in Teamarbeit die Probleme zu lösen. Das war offensichtlich ein neuer Touch. Die einzelnen Ämter wählten verschiedene Lösungswege. Ich kann linksherum und rechtsherum gehen, um zum Ziel zu kommen. Der eine Weg ist aber einen, und der andere 15 Kilometer lang. Es wurde nicht immer der einfache Weg gesucht; manche Dinge wurden verkompliziert. Eigenverantwortung und -entscheidungen habe ich manchmal vermisst.

Manche Naunhofer meinen, seit Bürgermeister Herrmann weg ist, fehle Naunhof ein Kopf, der durchgreift...

Das sehe ich nicht so. Wie gesagt: Jedes Amt wollte seine Belange durchgesetzt sehen. Ich setzte aber mehr auf Teamwork als auf Diktatur. Dafür hatte ich zwei Gründe. Zum einen kenne ich mich in verwaltungstechnischen Feinheiten nicht perfekt aus und brauchte also die Mitarbeit der Amtsleiter. Zum anderen versuche ich grundsätzlich, Probleme gemeinsam zu lösen.

Wo hat es zum Beispiel gehakt?

Wir hätten früher intensiv damit beginnen müssen, das neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen Doppik vorzubereiten. Ab 1. Januar fängt der reine Rechenvorgang an. Wir mussten nun, weil wir zu wenig Leute haben, mit dem Landkreis einen Deal schließen, dass die Eröffnungsbilanz erst 2014 erfolgt. Das Feststellen des Vermögens, also die Beurteilung, wie viel jedes öffentliche Gebäude und jede kommunale Straße kostet, also was in die Bücher geht, ist aber das wichtigste und sehr zeitintensiv. Weiterhin haben wir noch keinen bestätigten Wirtschaftsplan 2012 des Eigenbetriebes Wasserwirtschaft.

Setzte Ihnen auch die Finanzkraft Naunhofs Grenzen?

Die Liquidität war ein permanenter Haken. Wir haben ein Vermögen, das durch Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent und Fördermittel von 70 bis 80 Prozent entstanden ist: zum Beispiel Kindergärten, Sportstätten, kommunale Straßen. Das macht Naunhof so smart. Wäre aber in der Vergangenheit nicht so rasant auf Fördermöglichkeiten zugegriffen worden, hätten wir in der Liquidität mehr Spielraum. Der Haushalt wird sich aber nun entspannen, vorausgesetzt, Steuereinnahmen und Konjunktur bleiben auf ihrem Niveau. Es steht zunächst nur noch eine große Investition an. Fassade und Fenster der Mittelschule sollen nächstes Jahr erneuert werden. Der Förderbescheid liegt schon vor.

Was sehen Sie als Höhepunkt Ihrer Amtszeit?

Die Einweihung des Gymnasiums. Damit erhielt Naunhof ein zusätzliches Bildungsangebot mit kurzen Wegen für die Kinder. Sie sind nicht mehr täglich anderthalb Stunden mit dem Bus nach Brandis oder Grimma unterwegs, sondern können sich in dieser Zeit zum Beispiel dem Vereinsleben widmen. Das fördert die Lebensqualität. Das Gymnasium ist aber auch im Zweikampf zwischen Naunhof und Brandis um den Rang eines Grundzentrums ein wichtiger Faktor. Wenn wir ihn verlieren, würden wir sicherlich einige Einrichtungen verlieren. Eine Entscheidung wird voraussichtlich zwischen 2017 und ‘19 fallen.

Sollte sich Naunhof weiter stärken?

Ja. Ich gehe davon aus, dass unsere Verwaltungsgemeinschaft mit Parthenstein und Belgershain 2015/‘17 zu einer Fusion führt. Auch Großpößna wäre besser bei uns aufgehoben. Die territoriale Neuordnung würde gegen eine Eingemeindung nach Leipzig oder Grimma wirken.

Was empfinden Sie als Tiefpunkt Ihrer Amtszeit?

Die Absage der für den 2. September vorgesehenen Bürgermeisterwahl zwei Tage im Voraus war ein Schlag ins Kontor. Damit hat man der wählenden Bevölkerung keinen Gefallen getan. Im Moment haben viele die Schnauze voll. Man muss sie motivieren, beim nächsten Mal zur Wahl zu gehen. Sinnvoll wäre es, wenn die Sache so geklärt werden könnte, dass ein Gesetzestext entsteht, der eindeutig klärt, wer wie Wahlwerbung betreiben darf, und keine Interpretationen zulässt.

Nach der Wahlabsage kochten die Emotionen hoch...

Das war ein großes Hickhack, bei dem sich viele – entsprechend ihrer politischen Position – auf Pferde schwangen und los ritten. Egal ob der Einzelkandidat Matthias Ruf mit seiner Karikatur im Amtsblatt, die UWV mit Rechtfertigungsversuchen, ob die Presse, die aufgriff, was populistisch ist, oder die Linke mit ihrer Forderung nach einer Kostenerstattung für den Wahlkampf – das alles führte zu Irritationen in der Bevölkerung. Mir wurde öfter gesagt: Habt ihr nichts besseres zu tun, als euch mit solchem Mist zu befassen?

Der Stadtrat zeigte sich zerrissen. Spielt er noch als gutes Team?

Die gebotene Lockerheit für sachliche und inhaltliche Diskussionen ist ein bisschen verloren gegangen. Nicht erst jetzt. Schon als es um das Gymnasium ging, war die Linke gegen jegliche Beschlüsse. Trotz aller politischen Gegensätze gilt für mich aber der Mensch als Nonplusultra und nicht die Partei.

Die UWV, die Sie gründeten, wirkt aber im Stadtrat zurzeit auch wie eine Partei. Eine Diskussion mit ihr ist nicht für alle leicht...

Das stimmt in der Hinsicht, dass sie im Vorfeld zu einer Meinung gefunden hat und damit als Block auftritt. Das machen andere ebenso, und das ist auch legitim.

Ist das in der gegenwärtigen Situation förderlich?

Von allen Mitgliedern des Stadtrates, egal welcher Partei oder Vereinigung sie angehören, sollte jetzt das Gift aus den Diskussionen herausgenommen werden. Die Abgeordneten sollten zu einem sachlichen und menschlichen Miteinander übergehen. Es gilt jetzt, sich mehr um die Belange der Stadt als um das Wahl-Hickhack zu kümmern. Und zwar so, dass es die Bevölkerung nachempfinden kann und dass es zum Wohl von Naunhof und der Ortsteile ist.

Schon sorgt aber ein neues Gerücht für Aufruhr. Demnach sollen Sie ihren Posten abgegeben haben, damit sich ein neuer Amtsverweser etablieren kann, der dann Bürgermeister der Stadt werden soll...

Ich bin nur aus gesundheitlichen Gründen gegangen und nicht, um jemandem eine gute Ausgangslage zu verschaffen. Den neuen Amtsverweser, Karsten Rottstätt, habe ich erst am 22. November kennengelernt, um ihm alles Gute zu wünschen und ihm zu sagen, dass ich ihm bei Fragen zur Verfügung stehe. Aber ich möchte mich ihm nicht aufdrängen. Ob er Naunhofer Bürgermeister werden will, weiß ich nicht.

Frank Pfeifer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma
Grimma in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

Luftbildaufnahme des Zentrums von Grimma.
Ein Spaziergang durch die Region Grimma
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

18.11.2017 - 17:25 Uhr

Vier Tore, zwei Elfmeter, eine Rote Karte: Die Partie bei Bayer Leverkusen bot jede Menge Unterhaltung, aber für RB Leipzig keine zufriedenstellende Punkteausbeute.

mehr
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr