Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Naunhof erinnert sich an die „Spinne“

Naunhof erinnert sich an die „Spinne“

Im Volksmund war sie die „Spinne“ - die Naunhofer Baumwollspinnerei, die zu DDR-Zeiten mit über 600 Beschäftigten neben dem VEB Sachsenpelz der größte Betriebe in der Stadt war.

Voriger Artikel
Die Grille strahlt im Glanz der vier Sterne
Nächster Artikel
Thümmlitzwalder beobachtet heimische Vogelwelt

Standort des Wandels: Einst stand hier Naunhofs Baumwollspinnerei

Quelle: Ralf Zweynert

Naunhof. Auf fast 50 000 Quadratmetern erstreckte sich das Betriebsgelände an der Parthe. Übrig geblieben sind davon nur einige Mauern und die Erinnerung an eine Industrie, die über ein Jahrhundert Naunhof als Standort der Baumwollspinnerei weithin bekannt gemacht hatte.

Jetzt wollen Naunhofs Stadtchronisten an diese Industriegeschichte mit einer Ausstellung erinnern. Eckehard Schilde: „Für viele ältere Naunhofer ist die Baumwollspinnerei noch ein Begriff, aber vor allem viele Jüngere, die heutzutage zum Beispiel in die Parthelandhalle kommen, um Sport zu treiben, wissen gar nicht, dass dies einst ein Industriestandort war. Nur die Klinkerfassade weist noch darauf hin, dass hier einst ein Industriebetrieb stand.Für viele in Naunhof war die berufliche Entwicklung mit diesem Betrieb verbunden. Leider ist nur wenig übrig geblieben, das an die Entwicklung und an das Ende des Betriebes erinnert. Umso wichtiger ist es, dass noch Vorhandenes bewahrt wird und eben auch für die Öffentlichkeit aufbereitet werden kann.“

Schließlich widerspiegle sich in der Veränderung des ehemaligen Industriestandortes auch Stadtgeschichte, meint Schilde. Wo einst Baumwoll- und synthetische Fasern verarbeitet wurden, sind mittlerweile auch neue Wohnhäuser entstanden. Zurzeit befindet sich hier auch die Baustelle für Naunhofs neue Feuer- und Rettungswache.

Bei der Suche nach Dokumenten und Erinnerungen ist Schilde unter anderem bei Martina Müller in Naunhof fündig geworden. Die 66-Jährige, die hier eine Videothek betreibt, war über 50 Jahre in der Baumwollspinnerei  beschäftigt. 1958 fing sie hier als Textilfacharbeiterlehrling an. Später war sie als Schichtdispatcherin und Meisterin tätig, qualifizierte sich an der Ingenieurschule, arbeitete schließlich im Bereich Technologie und Forschung. Am 9. September 1991 gehörte sie zu den letzten 222 Beschäftigten, denen die Geschäftsführung kündigte. Wenige Wochen zuvor hatte die Treuhand einen Beschluss zur Liquidation des Betriebes gefasst.  „Damit gingen 104 Jahre Textilindustrie in Naunhof zu Ende“ sagt Martina Müller, die auch heute noch der ehemalige Betrieb nicht ganz losgelassen hat.

Die Naunhoferin hat eine Menge  Fotos und andere Dokumente, die Betriebsgeschichte dokumentieren, damals gerettet. Für das Erinnern und das historische Bewerten ist das ein kleiner Schatz, denn viel ist sonst nicht mehr  übrig von der „Spinne“, deren Zwirne in vielen Ländern Europas verarbeitet worden waren und die sich schon vor der Wende in Damen- und Herrenkonfektion wiederfanden, die bei „Quelle“ oder Neckermann in den Katalogen angepriesen wurden.  Aber die Produktion war zu unwirtschaftlich und die Sanierung hätte zu hohe Investitionen erfordert.  So jedenfalls meinte die Treuhand. Der Betrieb wurde abgewickelt. Technik wurde verschrottet oder verkauft, Gebäude nach und nach abgerissen. Martina Müller erinnert sich, dass die Produktionshalle für Handarbeitsgarne 1985 erst ihrer Bestimmung übergeben worden war. Sie hat auch noch die Bilder vor Augen, wie nach der Wende die damals modernen, computergesteuerten Maschinen, die die DDR aus der Schweiz und der BRD importiert hatte, im Regen ohne Rücksicht auf Verluste auf Lastkraftwagen gehievt worden waren. Angeblich sollten sie in der Türkei wieder aufgebaut werden. Martina Müller: „Ob die sich jemals wieder gedreht haben, weiß niemand.“ Eines aber weiß die Naunhoferin: „Die Geschichte der  Baumwollspinnerei ist im Bewusstsein der Stadt verwurzelt, auch wenn äußerlich eben nur noch Mauerreste und die Zwirnereistraße daran erinnern.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 21. Februar will Martina Müller mit einem Vortrag im Begegnungszentrum an ihren ehemaligen Betrieb erinnern, der  übrigens  auch die einzige Buntspinnerei in der DDR war. Naunhof war eben auch schon vor der Wende etwas Besonderes bei Leipzig.

Andreas Läbe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma
Azubi- und Studienmesse Grimma: diese Unternehmen sind dabei:

Aussteller aus Industrie, Handwerk, Handel und der Dienstleistungsbranche informierten auf der Azubi- und Studienmesse  in Grimma  über freie Ausbildungsplätze in ihrem Betrieb. mehr

Von Redakteur Andreas Läbe

Grimma in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

Luftbildaufnahme des Zentrums von Grimma.
Ein Spaziergang durch die Region Grimma
  • Sportlerwahl
    Aktionslogo Sportlerwahl Landkreis Leipzig 2017

    Der Kreissportbund Landkreis Leipzig und die Leipziger Volkszeitung suchten die besten Sportler 2017. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8: Hier gibt es Infos, Hintergründe und Fotos zum Thema. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr