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Naunhof fehlt alternatives Gebäude für geschlossenes Jobcenter

Naunhof fehlt alternatives Gebäude für geschlossenes Jobcenter

Naunhof/Borsdorf. Miese Aussichten für Langzeitarbeitslose aus Naunhof und der näheren Umgebung. Sie werden voraussichtlich dauerhaft längere Wege zu einem Kommunalen Jobcenter in Kauf nehmen müssen.

Die Außenstelle, die seit heute wegen einer zu hohen Schadstoffbelastung der Raumluft geschlossen ist, kann ihren Service wohl nicht mehr im Stadtgebiet fortführen.

Wie Stadtsprecherin Anja Lohn gestern auf Anfrage mitteilte, vermag Naunhof kein alternatives Haus anzubieten. Und für eine erneute Altlastensanierung des bisherigen Gebäudes fehle der Kommune das Geld. Deshalb dürften als Ausweg nur noch zwei der drei Varianten in Frage kommen, die Landrat Gerhard Gey (CDU) genannt hatte: Entweder wird der Borsdorfer Bahnhof als Ausweichstelle geprüft, oder die Arbeitslosen werden von den Jobcentern in Grimma und Wurzen weiter betreut, wie das ab heute der Fall ist.

Stark kontaminiertes Gelände

Die Naunhofer Außenstelle wurde 2012 auf dem Areal des ehemaligen Unternehmens Sachsenpelz eröffnet. Das Betriebsgelände ist laut Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) eines der am stärksten mit Altlasten kontaminierten Flächen des Landkreises. 2011 wurden in dem Gebäude, in das im Folgejahr die Behörde einziehen sollte, fünf Raumluftproben genommen. Im Ergebnis, so Lohn, seien höhere Werte für flüchtige organische Verbindungen gemessen worden als jetzt. Allerdings habe es seinerzeit noch keine Grenzwerte für sie gegeben, so dass lediglich Vergleichswerte herangezogen worden seien. Lohn: "Die ermittelten Gehalte wurden im Ergebnis als unkritisch eingestuft."

Krebserregende Stoffe in Raumluft

Inzwischen würden aber Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO und Orientierungswerte der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute vorliegen. Sie sprechen von einer Nulltoleranz beim krebserregenden Stoff Trichlorethan. In Naunhof wurden jetzt 19 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen - gegenüber 64 Mikrogramm vor drei Jahren. Diese Werte könnten laut Landratsamt in Zusammenhang stehen mit Beschwerden von Beschäftigten über eine Geruchsbelästigung in den Arbeitsräumen. Deshalb sei eine weitere Nutzung nicht zumutbar. Eine Einschätzung, die Zocher teilt. "Ich bin der Meinung, dass nach dem aktuellen Kenntnisstand ein Gesundheitsrisiko für die Mitarbeiter im Jobcenter Naunhof nicht ausgeschlossen werden kann", sagte er. Von daher müsse die fristlose Kündigung des Landratsamtes anerkannt werden.

Kauf mit Entwicklungsziel

2008 hatte die Stadt das Sachsenpelz-Gelände aus einer Zwangsversteigerung heraus für 30 000 Euro erworben und ein Entwicklungsziel vor Augen. Die nutzbare Substanz sollte vermietet werden, was auch geschah; Unternehmen und das Jobcenter, dessen Räume seinerzeit für 570 000 Euro saniert wurden, zogen ein. Die anderen Gebäude sollten abgerissen werden, um der Parthenaue und damit dem Grün mehr Raum zu geben. Daneben war vorgesehen, vor allem Wohnungen für Senioren zu errichten.

Um diese Pläne weiter zu verfolgen, fehlte bislang allerdings das Geld. Die Entsorgung der Altlasten würde, so Zocher kürzlich, bis zu eine halbe Million Euro kosten. Im Juni 2012 ordnete der Landkreis Untersuchungen des Grundwassers und Bodens an, als Eigentümerin steht die Stadt in der Pflicht. Sie führt laut Lohn aber derzeit Verhandlungen mit einem möglichen Interessenten, der das komplette Gelände erwerben möchte und somit auch die Kosten der Entsorgung übernehmen würde.

Losgelöst davon soll das ehemalige Bürogebäude des Pelzherstellers verkauft werden. Im Juni hatte es der Stadtrat zum Mindestgebot von 40 000 Euro ausgeschrieben. Wie Lohn mitteilte, ist das Verfahren abgeschlossen, es gebe mehrere Bewerber. Das Grundstück samt Gebäude sei unbelastet.

Borsdorfer Bahnhof wieder im Blick

Durch die neue Entwicklung sieht Borsdorf eine zweite Chance, das Jobcenter in sein Gemeindegebiet zu ziehen. Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) sagte gestern: "Wir haben weiter ein Interesse und müssen jetzt mit dem Landkreis verhandeln." 2011 hatte die Kommune ihren Bahnhof für die Behörde angeboten, der Kreisausschuss entschied sich aber für das Naunhofer Angebot. Kritik kam daraufhin von CDU-Kreisrat Klaus Sommer, weil beim Votum der damalige parteilose Naunhofer Bürgermeister Uwe Herrmann als Befangener seinen Stellvertreter Wolfgang Hiensch mit abstimmen ließ, obwohl er selbst anwesend war. Die Landesdirektion erachtete dies jedoch als rechtmäßig. Martin äußerte damals, das Vergabeverfahren sei für seine Begriffe nicht sauber gelaufen. Es hätte eine richtige Ausschreibung geben müssen, Vorlagen seien kurz vor Ultimo geändert worden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2014
Pfeifer, Frank

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