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Grimma Naunhof handelt auf eigene Faust: Besserer Unfallschutz für Feuerwehrkameraden
Region Grimma Naunhof handelt auf eigene Faust: Besserer Unfallschutz für Feuerwehrkameraden
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16:59 11.03.2018
Löschfahrzeuge der Naunhofer Feuerwehr im Depot an der Wiesenstraße. Ihre Besatzungen sind jetzt vollumfänglich abgesichert, wenn im Dienst ein Unfall geschieht. Quelle: Andreas Döring
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Naunhof

Vorbei an allen gängigen Landes- und Bundesregelungen fand Naunhof einen eigenen Weg, um seine Feuerwehr-Einsatzkräfte besser nach Unfällen zu versorgen. Für sie gilt jetzt ein vollumfänglicher Schutz, wenn ihnen ein Missgeschick im Dienst widerfährt. Stadtwehrleiter Thomas Conrath sieht darin einen Schritt in die richtige Richtung. Jugendwart Michael Wurzbach beurteilt das genauso, er wünscht sich nichtsdestotrotz eine Lösung des Problems auf höherer politischer Ebene.

Eine lange gängige Praxis, die kaum öffentlich zur Kenntnis genommen worden war, erregte in den ersten Wochen dieses Jahres plötzlich deutschlandweit die Gemüter. Es kam zu mehreren Unfällen bei Feuerwehreinsätzen, auch tödliche, bei denen die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung eine Zahlung an Betroffene beziehungsweise Hinterbliebene ablehnte. Sie berief sich auf das Kausalitätsprinzip, wonach nur dann Leistungen erbracht werden, wenn der Unfall Ursache für auftretende körperliche Beschwerden ist, nicht aber, wenn die Beschwerden anlässlich des Unfalls zum ersten Mal spürbar werden, also wenn eine bisher unbekannte Vorerkrankung vorgelegen hat.

In der LVZ geißelte Wurzbach diese Unterscheidung als „Scheinheiligkeit“, mit der Geld gespart werden solle. Die Gesetzliche Unfallversicherung müsse seiner Ansicht nach immer zahlen, wenn ein Unfall beim Dienst oder im Einsatz geschieht, und zwar bis zur vollständigen Genesung des Kameraden. Notfalls sollte sie die Hinterbliebenen versorgen.“

Stadtwehrleiter Conrath kontaktierte derweil Bürgermeister Volker Zocher (parteilos). „Er fand schnell eine Lösung und setzte sie zügig um“, erklärt der Chef der Blauröcke. Mit dem Kommunalen Schadensausgleich, kurz KSA, schloss Zocher über einen Entschädigungsfonds einen Versicherungsschutz, der jene Unfälle der Naunhofer und Belgershainer Floriansjünger im Dienst abdeckt, für die es keine Versicherungsleistung gibt.

„Mit dieser individuellen Lösung wurde das Restrisiko von unseren Kameraden genommen. Inwieweit sie alle Eventualitäten abdeckt, kann ich zwar noch nicht beurteilen. Aber wir sind auf einem guten Weg“, urteilt Conrath. „Ohne die Lösung, die der Bürgermeister fand, wäre es schwerer geworden, neue Mitglieder zu finden. Ich bin zufrieden.“

Zocher haben nach eigener Aussage seine Anfragen bei der Unfallkasse und beim Sächsischen Städtetag zu seinem Schritt veranlasst. Bereits 2014 hatte die Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ angeraten, einen Entschädigungsfonds einzurichten, der die Versicherungslücke schließt – geändert hatte sich seitdem allerdings nichts. Noch länger zu warten, bis das sächsische Innenministerium die Empfehlung umsetzt, wollte Zocher nicht. „Das sind wir unseren Kameraden einfach schuldig“, betont er.

Der Jugendwart der Feuerwehr freut sich ebenso, dass Naunhof eine schnelle Lösung fand. „Die Praxis wird zeigen, ob das Modell funktioniert“, meint Wurzbach. Wichtig wäre ihm, dass es die Stadt nun nach außen trägt, damit auch andere Kommunen davon erfahren und es vielleicht übernehmen. „Mehrere Bürgermeister zusammen sind stärker und könnten dafür sorgen, dass die Lethargie im sächsischen Innenministerium überwunden wird“, denkt er. „Denn letztlich geht es nicht nur um Feuerwehren, sondern auch um Rettungsdienste und die Polizei, die das Problem ebenfalls betrifft.“

Ziel bleibt für Wurzbach, sich bundesweit auf Richtlinien zu einigen, die Hilfskräften einen kompletten Unfallschutz bieten. „Es ist nicht sinnvoll, dass jedes Bundesland seine eigenen Gesetze auf diesem Gebiet erlässt“, sagt er.

Von Frank Pfeifer

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