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Naunhof pocht auf Erhalt der öffentlichen Telefonstellen

Stadtrat einig Naunhof pocht auf Erhalt der öffentlichen Telefonstellen

Sechs öffentliche Telefonstellen möchte die Deutsche Telekom in Naunhof und mehreren Ortsteilen abbauen. Das Unternehmen bat die Stadt um eine Zustimmung, doch diese verweigerte sie. Sowohl Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) als auch die Abgeordneten lehnen sich gegen eine Ausdünnung der Infrastruktur.

Abbauen möchte die Telekom die öffentlichen Telefonstellen in Naunhof. Doch da macht die Stadt nicht mit. (Symbolfoto)

Quelle: André Kempner

Naunhof. Sechs öffentliche Telefonstellen möchte die Deutsche Telekom in Naunhof und mehreren Ortsteilen abbauen. Das Unternehmen bat die Stadt um eine Zustimmung, doch diese verweigerte sie. Sowohl Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) als auch die Abgeordneten lehnen sich gegen eine Ausdünnung der Infrastruktur.

Bereis im vergangenen Jahr hatte die Telekom angefragt, ob sie in Albrechtshain, Ammelshain, Erdmannshain und Lindhardt die öffentlichen Apparate abbauen darf. Die betroffenen Ortschaftsräte und Zocher sprachen sich dagegen aus. Nun ging eine erneute Liste der Telekom ein, erweitert um zwei Standorte in der Kernstadt, und zwar am Markt und in der Eichaer Straße.

Laut Mario Goldmann von der Telekom wurde eine Vollversorgung mit privaten Telefonanschlüssen erreicht; durch die weit verbreitete Handynutzung sei außerdem die Nutzung der öffentlichen Apparate stark zurückgegangen. „Dies hat zur Folge, dass der Betrieb der Mehrzahl der derzeit bestehenden öffentlichen Telefonstellen extrem unwirtschaftlich geworden ist“, ließ er wissen. Deshalb müssten kaum bis überhaupt nicht mehr genutzte Telefonstellen abgebaut werden.

In der Tagt darf die Telekom, die zur Grundversorgung mit öffentlichen Münz- und Kartentelefonen verpflichtet ist, dann einen Abbau beantragen, wenn der Umsatz des betreffenden Apparats unter 50 Euro pro Monat liegt. Der Deutsche Städte und Gemeindebund warnt jedoch die Kommunen vor voreiligen Zustimmungen. „Trotz mangelnder Wirtschaftlichkeit kann ein öffentlicher Fernsprecher zur notwendigen Grundversorgung gehören“, teilte Ralph Sonnenschein vom Referat Post und Telekommunikation der Stadt mit. Sei irrtümlich das Okay zum Abbau gegeben worden, wäre die Telekom nicht zum Wiederaufbau der Telefonstelle verpflichtet, es sei denn, es wird ein Bedarf nachgewiesen. Will heißen: Was fort ist, kommt nicht wieder. Im Zweifelsfalle sollte also die Zustimmung verwehrt werden.

Und Zweifel haben die Naunhofer Stadträte genügend. „Viele ältere Menschen haben kein Handy und können auf eine Telefonzelle angewiesen sein“, sagte Heike Barthel (Bürgerinitiative Naunhof). „Manchmal brauchen wir sie vielleicht auch selber, wenn der Handyakku leer ist.“

Michael Eichhorn (Linke) berichtete von einem persönlichen Erlebnis am Naunhofer Bahnhof. „Ich kam gerade dazu, als einem jungen Mädchen die Tasche mit Handy geklaut worden war. In diesem Moment hätte sie eigentlich den öffentlichen Apparat gebraucht“, sagte er. „Nur durch Zufall konnte ich ihr mit meinem Handy helfen.“ Für den Stadtrat hinreichende Argumente, dem Ansinnen der Telekom zu widersprechen. Damit bleibt vorerst alles beim Alten.

Dass seit Jahren die öffentliche Telefonstelle in Lindhardt nicht mehr funktioniert, darauf machte Ortsvorsteher Bernd Pohl von der Freien Wählervereinigung aufmerksam. Zocher versprach zu prüfen, ob sich damit wenigstens noch ein Notruf absetzen lässt.

Da es in dem Ortsteil mit dem Handyempfang hapert, bat Michael Schramm (CDU) die Stadt zu prüfen, ob sie ähnlich wie Zwenkau der Telekom ein Grundstück für einen Mobilfunkmast zur Verfügung stellen kann. „Wir hatten schon versucht, einen Funksender auf dem Windrad installieren zu lassen, das Haba-Beton in Großsteinberg bauen wollte“, erklärte Zocher. „Aber das scheiterte leider.“ Auch auf dem ehemaligen Kinderheim in Lindhardt sei es nicht möglich gewesen, solche Technik unterzubringen.

Von Frank Pfeifer

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