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Naunhof und sein Sportverein schließen Frieden

Naunhof und sein Sportverein schließen Frieden

Die Lage galt als hoffnungslos verfahren. Zwischen dem Sportverein Naunhof 1920 und Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) war das Porzellan zerschlagen. Es kam kein Gespräch mehr darüber zustande, zu welchen Bedingungen das Sportgelände in der Clade genutzt werden kann.

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Per Handschlag besiegelt: Friedensschluss zwischen Bürgermeister Volker Zocher (links) und Vereinspräsident Rainer Lisiewicz (rechts). In der Mitte: Moderator Gerold Meyer.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Beide Seiten ließen ihre Anwälte sprechen - ohne Erfolg. Erst das Eingreifen von Gerold Meyer, Chef der CDU-Fraktion im Stadtrat, brachte jetzt den Durchbruch.

Dieser Tage unterzeichneten SV-Präsident Rainer Lisiewicz und sein Vize Hubert Zeising eine Nutzungsvereinbarung mit der Kommune, daraufhin gab auch Zocher seine Unterschrift. Damit trat das Dokument rückwirkend zum 1. Juli in Kraft.

Ausgehandelt und formuliert hat den Vertrag Meyer, der von einer Win-Win-Situation für beide Seiten spricht. Der Verein profitiert, weil für ihn die seit diesem Jahr geltende Benutzungs- und Entgeltordnung der Stadt keine Anwendung findet, deren Inhalte er stets kritisiert hatte. Die Kommune erreicht im Gegenzug, dass die Sportler die Anlagen nicht mehr kostenlos nutzen können, wie es ihnen eine Vereinbarung von 2008 zugesichert hatte.

Nach dem jetzigen Kontrakt bleibt die Clade im Eigentum der Stadt. Rasensportplatz, Kunstrasenplatz, Sportlerheim und Sanitärgebäude (außer dem vom Tennisclub benutzten Bereich) überlässt sie den Fußballern zur Nutzung. Diese können die Anlagen im Einvernehmen mit der Stadt selbstständig vermarkten, zum Beispiel durch die Vermietung der Gaststätte "Zum Heidekrug", durch Bandenwerbung und Veranstaltungen. Die erzielten Einnahmen stehen dem Verein zu.

Im Gegenzug erstattet der Verein der Kommune die Hälfte der Betriebskosten, also der Ausgaben für Wasser, Strom und Leerung der Klärgrube. Selber bezahlen muss der Verein das Bewässern, die Düngung sowie die Pflege des Rasens, des Kunstrasens und der Grünflächen. Die Technik dafür geht in das Eigentum der Sportler über.

Der Bauunterhalt obliegt weiterhin der Stadt. Kleinreparaturen muss aber der Sportverein bis zu einer Höhe von 1000 Euro pro Jahr begleichen. Er ist auch dafür verantwortlich, die Gebäude zu reinigen sowie im Winter Schnee und Eis zu beseitigen. Dafür muss er selbstständig eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Alle bisher zwischen den zwei Parteien geschlossenen Vereinbarungen sind außer Kraft getreten. Dazu zählt auch die Abmachung von 2008, die im Februar zur Eskalation des Streits geführt hatte (die LVZ berichtete). Das Papier, das dem Verein eine kostenlose Nutzung der Clade zusicherte, kündigte Zocher zum Ende des Jahres. Auch dieser Brief von ihm ist nun vom Tisch.

"Der Bürgermeister bat mich - wie im Konflikt mit dem Freien Gymnasium - um eine Vermittlung", erklärt Meyer. "Und ich sagte, mit mir gibt es kein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Juristen." Er nahm Kontakt zum Verein auf, führte mehrere Gespräche mit dem Vorstand, brachte beide Seiten zusammen. "Als Bürger sehe ich mich in der Pflicht, zu einem guten Verhältnis zwischen Stadt und Vereinen beizutragen, gerade weil in den Vereinen das Gemeinschaftsleben stattfindet", so Meyer.

SV-Präsident Lisiewicz lobte das Verhandlungsgeschick Meyers: "Er ist ein erfahrener Politiker, schuf eine offene und ehrliche Atmosphäre. Seine klaren Worte schätze ich an ihm." In den Verhandlungen sei jeder einen Schritt zurückgegangen. "Ich denke, dass der Kampf jetzt beendet ist", so Lisiewicz.

Für den Sportverein erfordert der Kompromiss nach seinen Worten einen zeitlichen Mehraufwand. "Die Pflege der Anlagen ruht jetzt auf unseren Schultern. Das heißt, es werden freiwillige Arbeitseinsätze notwendig, um die Clade in Ordnung zu halten", sagt er. "Das müsste aber zu leisten sein."

Nach den Worten von Bürgermeister Zocher ist der Vertrag nicht im Stadtrat oder in einem Ausschuss zustimmungspflichtig, weil es um unter 25 000 Euro gehe und es sich damit um eine reine Verwaltungsarbeit im Zusammenhang mit der Haushaltskonsolidierung handle. "Ich finde es richtig, dass die Vereine mehr Verantwortung für die Sportstätten übernehmen", sagt er und nennt als Beispiel den SV Fuchshain, mit dem es seit langem Nutzungsverträge gebe. "Außerdem haben die Albrechtshainer Füchse und der Verein Dorfleben in Ammelshain den richtigen Schritt zu mehr Eigenverantwortung gemacht. Eine gute Entwicklung. Durch die Förderrichtlinie ist es der Stadt möglich, zu bestimmten Punkten positiv einzugreifen. Ich hoffe, das wird den Vereinen weiter den Rücken stärken", so Zocher.

Zu Meyers Verhandlungen zitiert er einen ehemaligen Schweizer Minister, der sagte: "Auf 100 Besserwisser kommt ein Bessermacher." Der Abgeordnete habe mehrfach bewiesen, dass er zu den Bessermachern gehört und sein Geschick in den Dienst der Stadt stellt. Zocher: "Dafür bin ich ihm außerordentlich dankbar."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2015
Frank Pfeifer

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