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Naunhofer Behinderte arbeiten mit Künstlerin zusammen

Dr.-Rinsche-Haus der Lebenshilfe Naunhofer Behinderte arbeiten mit Künstlerin zusammen

Ein Aufruf der Lebenshilfe Sachsen stand am Anfang der Zusammenarbeit des Naunhofer Dr.-Rinsche-Hauses mit der Künstlerin Kerstin Globig. Entwickelt haben sich seitdem Werke, die sich sehen lassen können. Zum Sommerfest der Wohnstätte für geistig behinderte Menschen im August wird das erste Postkartenheft angeboten, das einige der Bilder vorstellt.

Frauen mit viel Kreativität: Die Naunhofer Künstlerin Kerstin Globig (2.v.l.) erarbeitet mit Behinderten des Dr.-Rinsche-Hauses Werke, die sich sehen lassen können.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Ein Aufruf der Lebenshilfe Sachsen stand am Anfang der Zusammenarbeit des Naunhofer Dr.-Rinsche-Hauses mit der Künstlerin Kerstin Globig. Entwickelt haben sich seitdem Werke, die sich sehen lassen können. Zum Sommerfest der Wohnstätte für geistig behinderte Menschen im August wird das erste Postkartenheft angeboten, das einige der Bilder vorstellt.

„Eine große Ausstellung hatte vor zwei Jahren unser Landesverband geplant, und jeder Ortsverband sollte ein Werk dazu beitragen, das gemeinsam mit einem ansässigen Künstler entstand“, blickt Hausleiter Lars Petzold zurück. Aus der Exposition sei dann zwar nichts geworden, aber das Kunstwerk des Dr.-Rinsche-Hauses kam zustande. Kerstin Globig, die ihr Atelier an der Lessingstraße betreibt, hatte es mit Bewohnern angefertigt.

Und sie blieb der Wohnstätte treu. Jeden Mittwochnachmittag kommt sie vorbei, um mit fünf Frauen weiter künstlerisch zu arbeiten. „Zu Beginn fragten sie, ob sie dies oder jenes durften“, schildert sie. „Ich ließ ihnen aber freien Lauf, musste nur manchmal lenkend eingreifen, ohne ihnen etwas aufzuzwingen.“ Auf Acrylbasis schufen die Bewohnerinnen Bilder im Stil des abstrakten Expressionismus.

Die Behinderten lernen nicht nur von ihr, sondern sie auch von ihnen. „Wenn wir etwas tun, fragen wir uns, was es nützt, wem es gefällt und was dabei herauskommt. Diese Fragen kennen die Frauen nicht. Sie gehen frei und ohne Vorurteile an die Sache ran. Diese eigenwillige Losgelöstheit, die sich in den Bildern widerspiegelt, ist sehr wichtig; ich finde sie bereichernd“, sagt die 55-jährige Künstlerin. „Wir bekommen immer eingetrichtert, was schön ist. Doch das entspricht nicht der Wirklichkeit, sondern ist nur Schein.“

Das Personal des Dr.-Rinsche-Hauses zeigt sich von der Entwicklung fasziniert. „Einer von uns ist Schwimmer und nimmt die Bewohner mit zum Schwimmen. Ein anderer Radfahrer und fährt mit ihnen Rad. Aber mit der Künstlerin kommt ein Potenzial zu Tage, das wir als Betreuer nie entdeckt hätten“, gesteht Petzoldt. „Kerstin Globig hat ein unglaubliches Gespür für die Behinderten. Sie lernen Techniken, die wir überhaupt nicht kennen.“

Eine erste Ausstellung im Naunhofer Turmuhrenmuseum verblüffte alle. Es war bewusst darauf verzichtet worden zu kennzeichnen, hinter welchen Arbeiten die Behinderten und hinter welchen die Künstlerin steckt. Bei vielen Werken ließ sich der Unterschied nicht erkennen. Zwei Auktionen im Stadtgut brachten einen Erlös, der eingesetzt wurde, um Material für weitere Bilder zu kaufen.

Zum Sommerfest des Dr.-Rinsche-Hauses am 20. August soll nun die erste eigene Ausstellung der Einrichtung gezeigt werden. Die Besucher können dann auch das Heft kaufen, das auf zehn Postkarten Bilder der Bewohner zeigt. Und ein weiteres künstlerisches Projekt wird vorgestellt. Jeden Dienstag gestaltet Gisela Biehne aus dem Ortsteil Fuchshain mit Bewohnern Plastiken, Fliesen und Schmuck aus Ton. „Diese Werke werden wir ebenfalls unseren Besuchern zeigen“, kündigt Lars Petzoldt an. Für ihn ist es wichtig, dass seine Schützlinge auf diese Weise Wertschätzung erfahren. „Solche Ausstellungen sind Anerkennung für ihre freie und anspruchsvolle Arbeit“, urteilt er.

Im Dr.-Rinsche-Haus leben 36 geistig behinderte Frauen und Männer im Alter von 20 bis 70 Jahren, einige sind zusätzlich körperlich behindert. Von 17 Mitarbeitern werden sie rund um die Uhr betreut, hinzu kommen acht Wirtschaftskräfte. Ein Teil verbringt den Tag in der Einrichtung, sie unternehmen gemeinsame Spaziergänge, Einkäufe und Ausflüge in die Umgebung. Andere gehen in die Grimmaer Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt oder in die Lindenwerkstatt der Diakonie in Panitzsch arbeiten, wo sie einen Acht-Stunden-Tag zu absolvieren haben. Wer hinterher noch Lust hat, kommt mit ins Waldbad oder in die Schwimmhalle Grimma beziehungsweise zu Radtouren.

Ziel ist die größtmögliche Selbstständigkeit. Wer nicht mehr in der Einrichtung leben muss, darf in eine der beiden Außenwohngruppen in der Stadt wechseln, wo derzeit neun Menschen leben. Sie werden nur noch nachmittags betreut. Drei Leute haben auch diese Stufe schon durchlaufen, im ambulant-betreuten Wohnen kommt ein Mitarbeiter nur noch zweimal pro Woche vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Von Frank Pfeifer

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