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Naunhofer CDU-Chef Schramm: Betrug am Wähler

Naunhofer CDU-Chef Schramm: Betrug am Wähler

Wenn sich der Stadtrat am Donnerstagabend konstituiert, dann voraussichtlich nicht in der Besetzung, in der ihn die Einwohner gewählt haben. Harry Eichhorn (Die Linke) will auf sein Mandat verzichten, was bedeuten würde, dass sein Sohn Michael nachrückt.

Naunhof. Das stößt zum Teil auf Unverständnis.

Offiziell will Eichhorn wegen seines Alters nicht antreten. Er ist 74 und hatte, wie er sagt, zunächst vor, in der Mitte der kommenden Legislaturperiode aus dem Stadtrat auszuscheiden. Der Entschluss, sofort einen Schlussstrich zu ziehen, sei erst in den vergangenen Wochen gefallen, wobei auch gesundheitliche Aspekte eine Rolle gespielt hätten. "Ich möchte nicht in der Waagerechten aus dem Rathaus getragen werden", erklärt er gegenüber der LVZ.

Michael Schramm (CDU) spricht hingegen von einem "Betrug am Wähler". Rechtlich gesehen, sei so ein Schritt zwar in Ordnung; aus moralischer Sicht finde er ihn aber total daneben. "Dass Herr Eichhorn so alt ist, hat er schon vor der Wahl gewusst", so der Vorsitzende des Ortsverbands der Christdemokraten, der nachschob: "Es ist wohl gängig bei den Linken, so zu verfahren - wie der Fall Bennewitz zeigt." Dort war, wie berichtet, Bürgermeister Bernd Laqua für die Liste der Linken zur Kommunalwahl angetreten, obwohl von vornherein feststand, dass er sein Mandat für den Gemeinderat nie annehmen wird.

Auch Uwe Kulisch von der Unabhängigen Wählervereinigung der Parthestadt sieht Eichhorns Handlungsweise kritisch. "Ich respektiere gesellschaftliches Engagement im hohen Alter. Herrn Eichhorn war aber bereits vor der Wahl bekannt, wie alt er nach der Wahl sein wird", erklärt er. "Deshalb ist das hohe Alter als Grund nun nicht nachvollziehbar. Man muss zwangsläufig zu der Auffassung gelangen, dass er nur auf Stimmenfang gegangen ist, um jetzt einen jüngeren Verwandten im Stadtrat zu platzieren. Wo bleiben dabei seine stets herausgestellten hohen Ansprüche an die Demokratie und an den zu respektierenden Bürgerwillen?"

Etwas zurückhaltender formuliert Mario Schaller von der Bürgerinitiative Naunhof: "Es hat schon ein Geschmäckle, da sich seine Wähler bewusst für Herrn Eichhorn ausgesprochen haben. Er war schließlich in den vergangenen Jahren derjenige im Stadtrat, der viele Dinge kritisch hinterfragt hat." Wenn es die Gesundheit aber nicht hergebe, Stadtrat zu sein, dann müsse das respektiert werden. Sie stehe an erster Stelle.

Eichhorn selbst weist den Vorwurf des Betrugs am Wähler zurück, da er nicht von vornherein beabsichtigt habe, sein Mandat zurückzugeben. "Ich erwarte dafür zwar kein Verständnis, bitte aber, dass meine Entscheidung respektiert wird", sagt er. In Naunhof, wo er seit 1981 wohnt, möchte er sich trotzdem weiter engagieren. Nachdem er dort zunächst Leiter der Hans-Beimler-Oberschule, der heutigen Grundschule, und 1986 bis '90 Bürgermeister war, hatte er ab 1999 im Stadtrat gesessen. Jetzt möchte er sich für einen Sitz im Aufsichtsrat der kommunalen Naunhofer Wohnbau GmbH anbieten. Und dem Vorstand der Ortsgruppe seiner Partei will er weiter angehören.

Von seinem Sohn, der aus seiner Sicht im Stadtrat nachrücken sollte, sagt er: "Er ist nicht in so einer parteipolitischen Enge gefangen wie ich. Der 25-jährige Michael Eichhorn arbeitet in der Markenkommunikation eines großen deutschen Automobilherstellers und studiert zeitgleich Anglistik in Leipzig. "Kommunalpolitisch bin ich meinem Vater sehr nahe", betont er. Er stamme aber aus einer anderen Generation und sei deshalb weltoffener.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2014
Pfeifer, Frank

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