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Naunhofer Feuerwehr: Zwei Gründungen in 140 Jahren

Naunhofer Feuerwehr: Zwei Gründungen in 140 Jahren

Auf eine 140-jährige wechselvolle Geschichte blickt die Naunhofer Feuerwehr zurück. Feiern will sie das, wie berichtet, am 1. Juni. Und zwar am heutigen Gerätehaus, von dem die Gründungsväter noch nichts ahnten.

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Kurz vor der Auflösung: Dieses Foto entstand 1908 und zeigt die Männer, die ihren Dienst quittierten, weil es zum Streit mit der Stadtverwaltung gekommen war. Wenig später gründete sich eine neue Freiwillige Feuerwehr.

Quelle: Archiv Ekkehard Schmidt

Naunhof. "Schon lange versuchten die Menschen ihr Hab und Gut vor Bränden zu schützen", sagt Ekkehard Schmidt, der sich tiefgründig mit der Historie der Naunhofer Wehr befasst hat. Er ist Mitglied der Altersabteilung, wohnt aber in Trebsen. "Laut Feuerverordnung mussten die männlichen Bürger ausrücken und Brände bekämpfen", erklärt er weiter. Zumeist hätten sie Eimerketten gebildet. Löschgeräte seien neben dem Rathaus und der Brauerei untergebracht gewesen. Erst 1860, so Schmidt, wurde ein Spritzenhäuschen an der Ungibauerstraße gebaut. Über eine Spritze verfügte die Stadt seinerzeit noch nicht.

Während anderswo zumeist Turner eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben riefen, gründeten in Naunhof 30 Bürger, zumeist Handwerker, unter Leitung von Klempnermeister Michael am 17. August 1873 eine solche Truppe. "In den ersten 25 Jahren griff die Wehr bei 28 Bränden hilfreich ein", sagt Schmidt. "Ihr zur Seite stand die Kommandostelle Erdmannshain." Die dortigen Bauern hatten sich 1897 eine Pferdespritze angeschafft, während die städtische Wehr seit 1874 nur über eine sogenannte Abprotzspritze verfügte, die per Hand gezogen wurde.

Im Zuge der Erweiterung, Mechanisierung und Motorisierung wurde auf dem Areal der heutigen Grünanlage an der Gartenstraße nach 1900 ein Feuerwehrgerätehaus errichtet. Zu ihm gehörte ein Steigerturm zur Trocknung der Schläuche und um das Abseilen üben zu können. In der Fahrzeughalle stand das erste Auto der Wehr, ein zum Mannschaftswagen umgebautes Mobil der Firma Elite, neben einer hölzernen Anhängeleiter. Schmidt: "Auf engstem Raum fand auch die Schutzbekleidung ihren Platz."

Weil die Stadtverwaltung nach Ansicht der Wehr die Verdienste der Einsatztruppe nicht genügend würdigte, löste sich die Wehr 1908 auf - verletzte Eitelkeiten. Der Bahnhofswirt Koch gründete noch im gleichen Jahr mit 31 Mitgliedern die Nachfolgeorganisation, die sich als Bewahrer der Tradition sah. Sie feierte 1913 den 40. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr.

Ab 1933 mussten die Kameraden zusätzlich Polizeidienste leisten. "Das war das Übel in der Nazi-Zeit", kommentiert Schmidt. Im April 1945, die Amerikaner hatten Naunhof schon besetzt, konnte die Wehr nur fast tatenlos zusehen, wie das damals größte Etablissement der Stadt, der Sternhof hinter der heutigen Sternen-Apotheke, abbrannte. Das Löschfahrzeug war vorher zu Kriegszwecken abgezogen worden. Nun überließen die Amerikaner der Naunhofer Wehr einen Chevrolet, mit dem sie lange Zeit den Dienst versah. 1952 kam ein Tragkraftspritzenanhänger aus DDR-Produktion dazu, in den 60er-Jahren ein Löschfahrzeug der Marke LO, ergänzt durch eine 18 Meter lange Anhängeleiter.

Als ein weiterer LO gekauft wurde, reichte der Platz nicht mehr aus. Eine Lagerhalle an der Leipziger Straße sollte in Eigenleistung umgebaut werden. Betriebe und Handwerker unterstützten das Vorhaben tatkräftig. Der Umzug ins neue Domizil erfolgte 1972. Erweitert werden musste das Gebäude zur Zeit des Umbruchs in der DDR Ende der 80er-Jahre, als eine 30 Meter lange Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug angeschafft wurden.

Eine neue politische Ära begann, und in Naunhof kam es zu einem der größten Brände der Stadtgeschichte - 1990 wurde das Rathaus ein Raub der Flammen. 2001 herrschte ein noch größeres Inferno, als auf dem Gelände des Betonwerks eine Halle zerstört wurde, in der Briketts lagerten.

Inzwischen kam die Forderung nach einem normgerechten Neubau auf, in dem auch ein Einsatzleitwagen Platz finden sollte. Im März 2011 erfolgte die festliche Einweihung des Hauses an der Wiesenstraße. "Eine enorme Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Feuerwehrangehörigen wurde unter anderem mit Umkleide- und sanitären Räumen erreicht, die von der Altersabteilung betreut werden", so Schmidt. "Unter dem großzügig eingerichteten Schulungsraum mit Küche hat die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes ihren Standort."

Wie wichtig die Wehr mit ihren heute 69 Mitgliedern ist und bleibt, bewiesen ihre häufigen Einsätze allein in diesem Jahr. So zum Beispiel am 5. April, als eine Halle in der ehemaligen Lindhardter Kaserne in Flammen aufging, in der Bücher lagerten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2013

Pfeifer, Frank

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