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Naunhofer Fitnessstudio soll Asylunterkunft werden

50 Flüchtlinge Naunhofer Fitnessstudio soll Asylunterkunft werden

Wieder erfahren Stadt und Öffentlichkeit über Umwege, dass Naunhof eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge erhalten soll. Gerüchte waren schon seit Tagen im Umlauf, im Stadtrat am Donnerstagabend bestätigte sie Bürgermeister Volker Zocher (parteilos). Aus dem Fitnessstudio am Waldbad soll eine Herberge für Asylbewerber werden.

Das Fitnessstudio in Naunhof. Der Eigentümer der Immobilie möchte daraus eine Flüchtlingsunterkunft machen.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Wieder erfahren Stadt und Öffentlichkeit über Umwege, dass Naunhof eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge erhalten soll. Gerüchte waren schon seit Tagen im Umlauf, im Stadtrat am Donnerstagabend bestätigte sie Bürgermeister Volker Zocher (parteilos). Aus dem Fitnessstudio am Waldbad soll eine Herberge für Asylbewerber werden.

Noch zu Wochenbeginn gab sich das Landratsamt bedeckt. “Bitte haben sie Verständnis, dass nicht jedes der Gerüchte zu neuen Gemeinschaftsunterkünften, die uns teils im Zwei-Drei-Stundentakt hier erreichen, dementiert oder kommentiert werden kann“, teilte Sprecherin Brigitte Laux der LVZ auf Anfrage mit. Die Recherchen der Zeitung nahm Zocher, wie er sagte, zum Anlass, direkt in der Ausländerbehörde nachzubohren. „Und dort wurde mir versichert, dass Verhandlungen mit dem Eigentümer des Fitnessstudios laufen“, erklärte er und kritisierte: „Ich erfuhr, dass sogar schon das Bauordnungsamt im Fitnessstudio war, ohne dass wir als Stadt informiert worden wären.“

Eigentümer des Fitnessstudios ist Jens Nussbaum. Er hat es an Ronny Schmidt verpachtet. Beide betonten am Freitag unisono, es gebe noch keinen unterschrieben Vertrag, dass der Pächter zum 31. Dezember die Immobilie verlassen muss. Allerdings, so Nußbaum, könne in den Räumen kein Sport mehr getrieben werden, wenn dort Asylbewerber wohnen.

50 Flüchtlinge sollen einziehen

Für 50 Flüchtlinge soll das Gebäude nach Nußbaums Worten eine Herberge bieten. Ein Betreiber aus der Region habe sein Interesse bekundet, das Gebäude mit einem hohen baulichen und finanziellen Aufwand entsprechend umzugestalten. „Sein Konzept der Integration, des Austauschs zwischen Mensch und Mensch, fand ich gut“, sagte der Eigentümer. Der Landkreis habe ein hohes Interesse an dem Gebäude angemeldet.

Zocher hingegen sieht noch erheblichen Klärungsbedarf. „Für die Immobilie gibt es eine Zweckbindung, die im Notarvertrag festgeschrieben ist“, meint er. „Sie sieht vor, dass der Eigentümer die gastronomische Versorgung des Waldbads übernimmt.“ Als die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) diesen Sommer im Waldbad feiern wollte, sei ihr vom Eigentümer verboten worden, dafür einen Caterer zu engagieren. „Im Gegenzug erinnere ich den Besitzer jetzt an seine Pflicht“, so Zocher. Das Vertragswerk lasse er derzeit prüfen.

„Als ich die Immobilie kaufte, befand sie sich in einem erbärmlichen Zustand. Deshalb bot mir die Stadt als Sicherheit die gastronomische Versorgung des Waldbads an“, erklärte Nußbaum. „Das Recht der Bewirtschaftung besteht nur laut Kaufvertrag. Es gibt keine Zweckbindung.“ Den Streit mit der DLRG habe es gegeben, weil er, Nußbaum, nur zufällig über ein Plakat von der Fremdbewirtschaftung des Festes erfahren habe.

Zocher fordert Stadtratsentscheidung

Für Zocher ist auch aus baulicher Hinsicht nicht mit einem zügigen Einzug von Flüchtlingen ins Fitnessstudio zu rechnen. Hierzu bedarf es einer Baunutzungsänderung, die erst vom Stadtrat bewilligt werden muss“, sagte er. „So etwas wie mit der Pension Paulchen passiert mir nicht noch einmal.“ Die Pension war im Frühjahr mit 30 Flüchtlingen belegt worden, doch erst im Oktober lag dem Stadtrat das Bauverfahren dazu vor. Das hatte vor allem die CDU kritisiert. „Bei jedem Holzschuppen macht das Bauordnungsamt Theater, und hier werden uns die Unterlagen nachträglich vorgelegt“, sagte damals der Naunhofer Parteichef Michael Schramm. Und sein Fraktionskollege Hermann Kinne legte nach: „Ein verheerendes Signal an die Öffentlichkeit!“

Schon als die Pension im Frühjahr bezogen werden sollte, war die Information nicht übers Landratsamt erfolgt, sondern nach und nach durchgesickert. Genauso wie ein Vorfall in der Erdmannshainer Straße in dieser Woche. Dort waren um die 20 Asylbewerber eingetroffen. Wie Zocher und der Linken-Stadtrat Michael Eichhorn sagten, hätten Schlüssel nicht gepasst, und in einigen Wohnungen sei der Strom abgeklemmt gewesen. „Sie wurden einfach abgesetzt und mussten zusehen, wie sie klarkommen. Das schaffte auch Frust bei den anderen Mietern“, erklärte Zocher.

Im Verein Vielfalt-Leben-Naunhof herrscht ebenso Entsetzen. „Wir erfahren zuletzt, wenn neue Unterkünfte geplant sind“, sagte Heike Barthel auf Anfrage. „Die schlechte Informationspolitik des Landratsamtes schadet allen Engagierten, die sich bei uns für Flüchtlinge einsetzen.“

Von Frank Pfeifer

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