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Grimma Naunhofer Gymnasium sieht Stadt in der Pflicht
Region Grimma Naunhofer Gymnasium sieht Stadt in der Pflicht
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13:49 19.05.2015

Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) hatte kürzlich nochmals das ehemalige Kinder- und Jugendheim Lindhardt als zweites mögliches Standbein erwähnt, was bereits vom Förderverein und der Stiftung des Gymnasiums als Alternative zurückgewiesen worden war. Nun meldete sich auch Campus-Geschäftsführerin Irene Petrovic-Wettstädt zu Wort, die aus dem Urlaub zurückgekehrt ist.

"Es existiert ein Schulstandort in der Wiesenstraße 36 in Naunhof", konstatiert sie. 2011 sei zwischen Stadt und Träger einvernehmlich und bewusst diese Lage in der Kernstadt gewählt worden, und zwar wegen der naturnahen Anbindung, der Nähe zur Sporthalle, zum Schwimmbad und zum geräumigen Parkplatz. Die Einbindung in den Öffentlichen Personennahverkehr sei ebenfalls unproblematisch gewesen. Nunmehr gebe es ein modernes Schulgebäude mit zwei vorgerichteten Fachräumen. Petrovic-Wettstädt: "Dieser Standort steht für den Schulträger nicht zur Disposition und muss erweitert werden."

Warum, fragt die Geschäftsführerin, favorisiere Zocher das ehemalige Lindhardter Kinderheim? Die Stadt sei weder Eigentümer, noch kenne sie die Sanierungskosten. Von der Kommune, so Petrovic-Wettstädt, erwarte sie "namens der Schüler, Eltern und Lehrer zeitnah Lösungsangebote, die dem Geist und den Worten des Fördervertrags aus dem Jahr 2011 entsprechen." Naunhof als Stadt und Region profitiere von dem Bildungsangebot aller Bildungsgänge inklusive dem, der zum Abitur führt. Die ausgesprochen positive Entwicklung, die große Nachfrage und der gute Ruf des Gymnasiums seien unangefochten.

Wie berichtet, lässt der Fördervertrag zwischen Stadt und Träger Spielraum für Interpretationen zu. In ihm heißt es: "Der Schulträger verpflichtet sich, ein Gymnasium innerhalb des Stadtgebiets im Ortsteil Naunhof zu errichten und zu betreiben. Die Stadt wird dem Schulträger bei der Suche nach geeigneten Grundstücken und Räumlichkeiten behilflich sein. Dem Schulträger werden ab dem ersten Schuljahr kommunale Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt."

Carlo Wenzel vom Förderverein des Gymnasiums leitet daraus den Schluss her, die Kommune müsse für Räume in ausreichender Anzahl sorgen. Die Stadt hingegen sieht den Träger der Bildungsstätte in der Pflicht. Sie stelle vertragsgemäß Räume zur ortsüblichen Miete bereit. Darüber hinaus werde sich Naunhof nicht an der Finanzierung der weiteren Bauabschnitte beteiligen.

Nach Ansicht des Rathauses handelt es sich um eine Privatschule, und diese sei nicht Pflichtaufgabe der Stadt. Zocher sieht im Vorschlag, das ehemalige Lindhardter Heim als Erweiterungsstandort für das Gymnasium zu nutzen, nur ein Angebot ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Wenzel vom Förderverein der Bildungsstätte hält dagegen, das Gebäude sei rein baulich nicht für eine Schule geeignet. Dieses Urteil hätten Experten nach einer Begehung eindeutig ausgesprochen.

Möglicherweise kann die Auslegung des Fördervertrags nur in einem Rechtsstreit geklärt werden. Denkbar wäre auch, eine Mehrheit im Stadtrat spricht sich gegen Zochers Ansicht aus und besteht auf eine städtische Finanzierung eines zweiten Bauabschnitts an der Wiesenstraße. In diesem Falle wäre abzuwarten, ob dem die Kommunalaufsicht angesichts der momentanen Haushaltskonsolidierung zustimmt.

Gemeinsam wäre beiden Wegen, dass sie Zeit kosten. Zeit, die das 2012 eröffnete Gymnasium nicht hat, in dem jedes Jahr eine Klassenstufe mehr unterrichtet werden muss. Es ist jetzt voll ausgelastet. Wenn in einem Jahr zwei oder drei neue fünfte Klassen hinzukommen, muss es mehr Räume geben. Laut Hans-Dieter Ulm von der neu gegründeten Partheland-Campus-Stiftung ist schon jetzt absehbar, dass es vorübergehend eine Containerlösung auf dem Gelände an der Wiesenstraße geben muss.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2014
Pfeifer, Frank

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