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Naunhofer Holzbildhauer verschenkt Figuren – unter speziellen Bedingungen

Günther Schumann Naunhofer Holzbildhauer verschenkt Figuren – unter speziellen Bedingungen

„Ich möchte trotz meines Alters noch Staub aufwirbeln“, sagt Günther Schumann. Der 81-jährige Holzbildhauer hat gerade einen Konflikt mit der Stadt Naunhof hinter sich. Und weil er, wie er denkt, den Kürzeren dabei zog, baut er auf eine Alternative, um seine Werke der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Zwölf Charaktere aus Holz: Günther Schumann möchte sie am liebsten auf Dauer in einem öffentlichen Raum ausstellen, ohne daran zu verdienen.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Es geht um zwölf Skulpturen, die er im vergangenen Jahr erstmals im Ammelshainer Fachwerkhaus ausgestellt hatte. Sie heißen unter anderem Heimatlos, Rastlos, Hüllenlos und sollen menschliche Charaktereigenschaften verkörpern. Wünschen würde sich Schumann, dass ihnen Naunhof auf Dauer einen würdigen Platz schafft, an dem sie jederzeit von jedermann gesehen werden können. „Ich wollte sie der Stadt schenken, erhielt aber eine Absage, weil es keinen Raum und keine Vitrine gebe“, erklärt er.

Da widerspricht Anja Gaitzsch von der KulturWerkStadt. „Ich kann nachvollziehen, dass er seine Werke ordentlich präsentiert haben will. Und auch wir haben ein Interesse daran“, betont sie vorweg. „Aber wir verfügen nicht über die örtlichen Gegebenheiten, die er sich vorstellt.“ Sie, Gaitzsch, habe Schumann das Rathaus für die Schau angeboten. Doch es sei unmöglich, einen ganzen Gang mit Regalen auszustatten. Das verbiete der Brandschutz, denn es würden Fluchtwege verbaut. Außerdem solle der Galerie Kugel keine Fläche weggenommen werden. „Deshalb haben wir vorgeschlagen, einen Schrank für die Figuren in einer Ecke des Flurs aufzustellen. Das hat er nicht akzeptiert“, erklärt die Kulturverantwortliche.

Der Künstler indessen hat sich umgehört und einen neuen Interessenten gefunden. „Es konnten erste Gespräche mit der Partheland-Campus-Stiftung des Freien Gymnasiums Naunhof geführt werden“, sagt er. „Weitere Details müssen aber noch geklärt werden, ob und in welcher Weise es zu einer Übertragung kommt.“ Seine Forderung gilt weiter: Die Werke müssen jederzeit öffentlich zu sehen sein.

Außerdem dürften sie nicht auseinandergerissen werden. Um die Fantasie anzuregen, hat Schumann sie vor kurzem paarweise so zusammengestellt, dass sie seiner Meinung nach gut miteinander kommunizieren könnten. Und diese Konstellationen ordnete er einigen Kommunen der Region zu.

„Jeder weiß, dass an unseren Seen angeschafft wird“, sagt er augenzwinkernd. „Deshalb habe ich für Naunhof das Paar Mittellos-Schamlos gebildet.“ Die Begründungen für andere Orte behält er für sich. Trebsen muss beispielsweise mit dem Charakterpaar Heimatlos-Formlos leben, während in Grimma Geschmacklos auf Skrupellos, in Colditz Ahnungslos auf Furchtlos und in Bad Lausick Fassungslos auf Hüllenlos treffen. „Jeder soll selbst darüber nachdenken“, meint Schumann und lacht.

Über Kunst nachzudenken, kann für ihn nicht früh genug beginnen. „Es ist der falsche Weg, wenn sie in der Schule vernachlässigt wird. Die Kinder werden nicht darin ausgebildet, stattdessen bekommen sie Tablets in die Zuckertüte gesteckt“, kritisiert er.

In jungen Jahren habe er die Karl-May-Bücher verschlungen. „Die waren dreimal besser als Harry Potter.“ Vielleicht hat es Schumann deshalb so schwer getroffen, als dieses Jahr Winnetou-Darsteller Pierre Brice starb. Aus einem uralten Stück Eiche, das sich zum Schnitzen nicht wirklich eignete, hat er ihn als Indianer geformt.

Und wie eine Rothaut keinen Schmerz kennt, so will auch der Naunhofer nicht jammern, wenn es ihm immer schwerer fällt, hinauf in seine Werkstatt zu steigen, die er liebevoll Sperlingslust nennt. „Mir geht‘s gut, ich kann noch arbeiten“, sagt er. „Warum soll ich über Krankheiten reden und darüber, dass alles teurer wird?! Niemand sagt es, wenn er 30 Euro mehr Rente kriegt.“ Nur eben da, wo er sich als Künstler nicht richtig verstanden fühlt, da möchte er den Mund aufmachen.

Frank Pfeifer

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