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Grimma Naunhofer KulturWerkStadt will Museum für historische Bürotechnik übernehmen
Region Grimma Naunhofer KulturWerkStadt will Museum für historische Bürotechnik übernehmen
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00:19 30.07.2017
Technik zum Anfassen: Norman Käckermann (r.) und Ramona Lange (hinten) erklären den Naunhofer Hortkindern die Funktionsweise von Schreibmaschinen. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Naunhof

In kommunale Hände möchte die KulturWerkStadt das Museum für historische Bürotechnik übernehmen. Damit soll diese deutschlandweit einzigartige Einrichtung gerettet werden, denn der Trägerverein kann sie nicht mehr erhalten. Voraussichtlich im August werden sich die ersten Stadträte mit dem Thema befassen müssen.

„Wir sind nur noch wenige Mitglieder, und diese sind relativ alt“, bedauert Wolfgang Schumann, zweiter Vorsitzender des Museumsvereins. „Außerdem können wir von den wenigen Eintrittsgeldern nicht leben, schließlich haben wir Ausgaben wie Wasser, Strom und Versicherung. Eine schwierige finanzielle Lage.“ Deshalb würde der Verein die Einrichtung am liebsten in der Hand der kommunalen KulturWerkStadt sehen. „Er hat zugesagt, uns seinen Teil der Sammlung zu schenken“, sagt deren Chefin Anja Gaitzsch. „Eine entsprechende Vereinbarung muss nur noch schriftlich fixiert werden.“

Allerdings handelt es sich dabei lediglich um den kleineren Teil der knapp 3000 Exponate. Die meisten gehören den Erben von Lutz Kaufmann, der das Museum gegründet hatte. „Sie haben keine Ambitionen, hier aktiv zu werden, wollen aber, dass das Museum bestehen bleibt“, erklärt Gaitzsch. „Wir als Stadt können jedoch nur in eine Einrichtung investieren, wenn es um eigenes Eigentum geht. Deshalb reden wir darüber, wie sich dieser Bereich der Sammlung an uns überführen lässt.“ Das Gebäude selbst, das den Namen Haus der Vereine trägt, besitzt die Kommune.

Wahrscheinlich im August wird sich der nicht öffentlich tagende Ausschuss für Grundsatzfragen mit der Übernahme der Kaufmann’schen Ausstellungsstücke befassen. „Wir werden ihm den aktuellen Stand der Dinge vortragen und darauf verweisen, welche Bedeutung die Sammlung hat“, sagt Gaitzsch. In der Tat existiert bundesweit keine andere so komplexe Zusammenstellung historischer Bürotechnik. Manche Museen haben sich spezialisiert, entweder auf Schreibmaschinen, Rechenapparate, Computer, Drucker, Kopierer, Kommunikationsgeräte oder Kassen, Naunhof bietet all diese Sparten.

„Stadträte, Bürgermeister und KulturWerkStadt hatten sich darauf verständigt, alles zu tun, um diese Sammlung zu retten“, so Gaitzsch. Ihre Mitarbeiter Norman Käckermann und Ramona Lange übernahmen daraufhin schon mal Führungen durch das Museum, und zwar jederzeit, auch an Sonntagen, wenn es die Interessenten wünschen, die bei der KulturWerkStadt nachfragen. Einen festen wöchentlichen Termin gibt es außerdem, und zwar sonnabends von 14 bis 17 Uhr. Dann erläutert der Vereinsvorsitzende Jörg Müller die Ausstellung, der Käckermann und Lange anlernte.

Die beiden schwärmen inzwischen regelrecht von der Technik. „Hier haben wir unser ältestes Modell, eine Schreibmaschine von 1896 aus den USA, die zwei Deutsche entwickelt haben, die dorthin ausgewandert sind“, erklärt Käckermann mit funkelnden Augen, die durch den Raum schweifen bis hin zu den elektronischen Geräten späterer Generationen. „Das Besondere daran ist, dass wir ein Museum zum Erleben sind. Hier kann alles ausprobiert werden.“

Die Hortkinder, die der Einrichtung gerade im Rahmen ihrer Ferienspiele einen Besuch abstatten, machen davon regen Gebrauch. Sie tippen ihre Namen und wundern sich, dass sie falsche Buchstaben nicht, wie vom Computer gewohnt, einfach löschen können, sondern ein neues Blatt Papier eingezogen werden muss. „Manche kennen dieses Museum überhaupt noch nicht. Deshalb wollen wir ihnen zeigen, was unsere Stadt zu bieten hat“, sagt Erzieherin Marina Schubert.

Die Sammlung bekannter zu machen, das hat sich die KulturWerkStadt vorgenommen. „Die Fachwelt ist gut vernetzt und bestens über sie informiert“, konstatiert Käckermann. „Wir suchen jetzt den Kontakt zu anderen Einrichtungen, um deutlich mehr Besucher als bisher herzuholen. Gerade Kinder, die das hier sehen, machen vielleicht ihre Eltern darauf aufmerksam, die sich das Museum dann auch anschauen wollen.“

Einziges Manko: Die Besucher müssen Treppen steigen. „Eine zentrumsnahe barrierefreie Immobilie wäre besser“, meint Anja Gaitzsch. „Wir finden aber leider keine.“ Der Anfang 2016 diskutierten Lösung, die Einrichtung zusammen mit dem Turmuhrenmuseum ins ehemalige Jobcenter zu verlegen, erteilte die Stadtratsmehrheit eine Abfuhr; auch die Landesstelle für Museumswesen lehnte sie ab. Sie ist damit laut Gaitzsch vom Tisch, zumal das Turmuhrenmuseum weiter mit Hilfe der Kulturraumförderung an seinem angestammten Platz existieren kann.

Von Frank Pfeifer

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