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Grimma Naunhofer Mordprozess beginnt mit Geständnis
Region Grimma Naunhofer Mordprozess beginnt mit Geständnis
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16:50 19.05.2015
Prozessauftakt: Verdeckt hielten Mike G. (r.) und sein Bruder Sven G. ihre Gesichter vor Verhandlungsbeginn. Während der nächsten Stunden würdigten sie sich gegenseitig keines Blickes. Verteidigt werden sie von den beiden Leipziger Anwälten Malte Heise (l.) und Stephan Bonell. Quelle: Frank Schmidt

gewaltsam eingedrungen zu sein und auf den querschnittsgelähmten Rentner mit einem Kerzenleuchter eingeschlagen zu haben.

Während sein Bruder Sven G. zum Tathergang zwar grundsätzlich auch aussagen möchte, jedoch erst später, ließ sich der Jüngere der beiden auf die Befragung durch Richter Hans Jagenlauf ein. "Wir hatten uns an diesem Abend darüber unterhalten, dass wir Geld bräuchten", erklärte Mike G. und fuhr fort: "Sven erzählte von einer Kupferkabelrolle an der Feuerwehr in der Wiesenstraße, die sich verwerten lassen würde. Doch sie war aus Aluminium. Wir waren frustriert."

Wer unterwegs zur Wohnung von Sven G. in der Klingaer Straße auf die Idee kam, noch in ein Haus einzubrechen, wisse er nicht mehr. Zunächst seien sie in die Garage eingestiegen, wo sie einen Flachbildschirm und elektrische Handwerksgeräte vorgefunden und auf einen Handwagen geladen hätten, der im Hof stand. "Dann bin ich durchs Badfenster in die Wohnung gelangt und habe von innen die Haustür geöffnet", schilderte Mike G.

Bei der Suche nach Wertgegenständen sei er im Raum, in dem Gunter E. schlief, in einem Schrank auf eine Münzsammlung gestoßen. Der erste Karton sei ihm heruntergefallen, wodurch der Bewohner aufwachte. Mike G.: "Ich habe einen Kerzenständer genommen, der dort stand, und ein-, zweimal auf seinen Kopf eingeschlagen. Dann rannte ich raus, wo mich Sven anschrie, warum ich das gemacht hätte. Er würde mich nicht so kennen." Mike G. beteuerte, dass er Hilfe habe rufen wollen. Doch er hätte kein Handy bei sich gehabt und sein Bruder habe ihm seines nicht geliehen. Sven G. hätte nichts mit der Sache zu tun haben wollen und die erbeuteten Münzen nicht angefasst.

Doch Staatsanwalt Ulrich Jakob sieht im Bruder einen Mittäter, der sich nicht um das Opfer gekümmert habe, das später an den Verletzungen starb. Zumindest leichtfertig habe er den Tod von Gunter E. in Kauf genommen, weshalb er ebenfalls unter Mordanklage stehe. Die Brüder hätten aus Habgier und heimtückisch gehandelt.

Beide sind ungelernt und waren zur Tatzeit arbeitslos. Sven G., der nur zu seiner Person etwas sagte, verwies darauf, dass er täglich sechs bis acht Bier trinke. Mike G. erklärte, er würde ab und zu kräftig zur Flasche greifen und verschiedene Arten von Drogen konsumieren. Auch am betreffenden Abend seien beide nicht nüchtern gewesen, sagte die damalige Freundin von Sven G. im Zeugenstand. Anzumerken wäre ihnen das aber nicht gewesen, als sie gegen 22 Uhr in Richtung Feuerwehrgerätehaus losgezogen seien. "Svens Zustand war fast normal", bemerkte sie. "Er war fast nie nüchtern."

Einen Tatzeugen gibt es nicht. Der Nachbar von Gunter G., der ihn am Vormittag des 21. Oktober gefunden hatte, Rettungssanitäter und Polizeibeamte konnten lediglich wiedergeben, was sie bei ihrem Eintreffen gesehen hatten. Demnach blutete der Niedergeschlagene am geschwollenen Kopf und aus dem Mund. Er konnte nur noch undeutlich seinen Namen nennen und wurde dann bewusstlos. Eingetrocknete Blutspuren deuteten darauf hin, dass es sich nicht um eine frische Tat handelte. Türen und Schränke standen offen. Fotos, die zur Dokumentation angefertigt worden waren, zeigte die Polizei per Projektor im Gerichtssaal.

Mike G. meinte: "Es tut mir leid". Hätte er gewusst, dass der Rollstuhlfahrer Gunter E., den er schon oft in der Stadt gesehen hatte und der sehr freundlich gewesen sei, in dem Haus wohnte, wäre er dort nicht eingebrochen. Während das Opfer im Krankenhaus lag, habe er täglich gebetet, dass sich sein Zustand bessern möge.

Übermorgen sollen weitere Zeugen gehört werden. In der kommenden Woche sind noch zwei Verhandlungstage angesetzt, und zwar auf den Mittwoch und Donnerstag.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

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