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Grimma Naunhofer Wohnprojekt: „Das alles stinkt“ – Nein zu Roßnagels Erschließungsplänen
Region Grimma Naunhofer Wohnprojekt: „Das alles stinkt“ – Nein zu Roßnagels Erschließungsplänen
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11:05 27.04.2016
Das Gelände an der Parthenstraße. Der Stadtrat hat die Erschließung abgelehnt, doch die Diskussion setzt sich fort. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof

Was die Stadtratsmehrheit bewogen hat, sein Wohnprojekt an der Parthenstraße abzulehnen, interessiert Investor André Roßnagel aus Wendelstein bei Nürnberg. Nach seiner Lesart gab es im Parlament keine offenen Fragen mehr, wie später behauptet wurde. Sollten doch welche existieren, würde er sie gern erfahren und beantworten. Die LVZ hörte sich um.

Mario Schaller (Bürgerinitiative Naunhof), der sich beim Votum der Stimme enthielt, will auf das Problem der offenen Fragen nicht mehr eingehen. „Der Auftritt Roßnagels im Internet seit der Ablehnung des Projekts und vor allem in jüngster Zeit ist kein seriöses Geschäftsgebaren und auf keinen Fall eine vertrauensbildende Maßnahme, um sich künftig mit diesem Vorhaben noch einmal auseinanderzusetzen“, erklärt er.

Michael Schramm (CDU) bestätigt, dass er in nichtöffentlicher Sitzung auf die Frage, ob es noch offene Fragen gibt, nicht mehr die Hand gehoben hat. „Das geschah aber, weil für mich zu diesem Zeitpunkt feststand, dass ich wegen mehrerer Punkte nicht zustimmen kann“, sagt er. „Roßnagel legte uns zum Beispiel nicht die geforderten Referenzen von seiner Firma vor, die wir gefordert hatten, sondern die von Terraplan, der Firma seines Vaters.“ Diese hatte 2006 schon einmal versucht, das Gelände an der Parthenstraße zu erschließen, war aber damals auch am Parlamentsvotum gescheitert. Nach Auskunft Roßnagels ist jetzt sein Bruder der Terraplan-Geschäftsführer.

Firmengeflecht des Bayern wirke suspekt

Schramm hält das gesamte Firmengeflecht des Bayern für suspekt. „Er erwähnte im Stadtrat seine Firma Grundbesitz. Doch die ging laut Handelsregister des Amtsgerichts Nürnberg 2012 in Insolvenz, nachdem sie seit 2009 mehrmals den Namen gewechselt und mit Bratwürsten gehandelt hatte“, erklärt er. Auf diesen Problemkreis geht Roßnagel gegenüber der LVZ nicht ein. „Wir sind seit 1991 als eingetragener Kaufmann mit unserer Gesellschaft aktiv, dann ab 2006 mit der Kompetenz GmbH, seit 2007 ergänzend mit der bulgarischen Gesellschaft überwiegend für den Rewe-Konzern am Markt“, teilt er mit.

Die Kompetenz Int. Consulting und Assekuranzmakler GmbH von Roßnagel sollte nach letztem Stand die Erschließung des Wohngebiets an der Parthenstraße übernehmen. „Laut Gesellschaftervertrag und Handelsregister des Amtsgerichts Nürnberg sind aber die Vermittlung von Versicherungen sowie die Übernahme der Geschäftsführung und persönliche Haftung bei Kommanditgesellschaften Gegenstände des Unternehmens“, moniert Schramm. „Wie kann es Grundstücke erschließen?“ Roßnagel meint dazu, dass seine deutsche Firma in diesem Ausnahmefall die Aufgabe auch absichern könne. Er erinnert an den Werdegang, wonach zunächst seine bulgarische Firma, die Kompetenz Bulgaria EOOD, die Erschließung übernehmen sollte. „Erst Teile des Stadtrates mit seiner latenten Ausländerfeindlichkeit haben als Bedingung für die Zustimmung zum Erschließungsvertrag die alleinige Beteiligung der deutschen Gesellschaft gefordert“, erklärt er.

Schramm stieß auf ein Vorhaben in Pleinsfeld bei Nürnberg und sagt: „So ein Scheitern muss ich in Naunhof nicht haben.“ Im Auftrag von Roßnagels Kompetenz Bulgaria EOOD wollte dort die Hawo-Vertriebs GmbH 2012 Ferienwohnhäuser für Roma-Familien aus EU-Staaten bauen. „Es handelte sich um ein sehr verworrenes Firmengeflecht, es wurden immer wieder Firmen dazwischengeschaltet“, sagt Robert Maurer, der als Redakteur des Weißenburger Tagblatts damals über das Geschehen berichtete. Er verstehe die Unsicherheiten des Naunhofer Stadtrats. Der damalige Pleinsfelder Bürgermeister Josef Miehling (Freie Wähler) und sein Nachfolger Markus Dirsch (CSU) hätten bis heute nichts mehr von der Sache gehört. „Wenn man Kontakt aufnehmen wollte, erreichte man niemanden“, so Maurer. „Das Schild, auf dem das Projekt angekündigt wurde, fiel irgendwann um und liegt heute im Rasen.“

„Ein völlig reguläres Geschäft“

„Nicht jedes Projekt, was man beginnt, klappt bis zu Ende“, sagt Roßnagel, der durch die bisherige Berichterstattung der LVZ seine bulgarische Firma verunglimpft sieht. In Pleinsfeld habe er ein Grundstück gekauft mit gegenseitigem Rücktrittsrecht für den Fall, dass Genehmigungen nicht erteilt werden oder wenn dem Verkäufer die Entwicklung zu lange dauert. „In diesem Fall ist der Grundstückseigentümer vom Vertrag zurückgetreten, weil er wohl einen höheren Verkaufspreis schneller realisieren wollte. Er hat uns, wie vertraglich vereinbart, gekündigt und entschädigt. Ein völlig reguläres Geschäft“, so Roßnagel. Im übrigen versteuere sein bulgarisches Unternehmen alle Gewinne in Deutschland.

„Der gesamte Werdegang führte zu meiner Entscheidung, mit Nein zu stimmen“, sagt Stadtrat Jörg-Dietmar Funke (Unabhängige Wählervereinigung). „Das alles stinkt. Schon zur ersten Vorlage des Projekts wurde uns verschwiegen, dass bereits 2006 ein Erschließungsantrag vorliegt.“ Und Schramm erinnert: „Erst durch mehrmaliges Nachfragen erfuhren wir, dass André Roßnagel noch nicht mal im Grundbuch für die Fläche an der Parthenstraße steht, also noch kein Eigentümer ist. Ein Schreiben des Landkreises an die Stadt, wonach dieser der Erschließung zustimmt, haben wir bis heute nicht zu Gesicht bekommen.“

Für Roßnagel ist die Beurteilung der Kreisbehörde einer der wesentlichen Fakten. „Wir haben ein schuldenfreies Grundstück, haben eine Bürgschaft über 500.000 Euro sowie ordentliche Bonitätsauskünfte beigebracht; die Kommunalaufsicht und der städtische Anwalt Feick haben den Vertrag und unsere Bonität als annehmbar beurteilt. Dazu haben wir einen Kapitalnachweis über 200.000 Euro geführt“, betont er.

Ab Oktober hatte der Naunhofer Stadtrat über die Erschließung des Gebietes diskutiert, auf dem 25 bis 27 Eigenheime entstehen sollten. Mehrmals zog Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) die Beschlussvorlage zurück, weil Abgeordnete dem Vertrag nicht zustimmen wollten. Im Januar lehnte das Gremium mehrheitlich das überarbeitete Papier ab.

Von Frank Pfeifer

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