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Nerchau begräbt das Kriegsbeil

Nerchau begräbt das Kriegsbeil


Nerchau. Wer gedacht hätte, nach dem Bürgervotum pro Grimma sei in Nerchau die Luft raus, sieht sich getäuscht.

. Dicke Luft herrschte in der jüngsten Ratssitzung – nicht nur der Hitze wegen. Obwohl die Fusion mit der Großen Kreisstadt zum 1. Januar 2011 ansteht, lehnen sich die Nerchauer Räte nicht etwa zurück. Um noch möglichst viele Projekte anzuschieben, ließen sie ihre Köpfe rauchen.

In der Einwohnerfragestunde kritisierten Werner Eißner und Wolfgang Langer, dass einige Stadträte nach dem Bürgerentscheid mit Sekt angestoßen hatten. Schließlich sei das Ergebnis denkbar knapp ausgefallen und hätte sich die Kernstadt mehrheitlich gegen die Fusion ausgesprochen, betonten die beiden Nerchauer, die selbst aktiv Unterschriften für den Bürgerentscheid sammelten. Fragwürdig empfanden sie auch die Bemerkung des Bürgermeisters, wonach der Verstand über die Emotionen siegte. Cieslack stellte klar: „Es gibt keine Sieger oder Verlierer. Und ich war auch nicht tanzend durchs Rathaus gelaufen. Alle miteinander sollten wir das Kriegsbeil begraben." Spekulationen über eine mögliche Spaltung in zwei Lager bezeichnete er als Schwachsinn. Auch Ute Klocke appellierte, die gegenseitigen Schuldzuweisungen zu beenden. Gesagt, getan.

Als Wirtschaftsförderung wertete die Mehrheit die geplante Asphaltierung der Zufahrten zu den Firmen Güttner-Sicherheitstechnik und Richter-Containerdienst. Die Unternehmen beteiligen sich zu je einem Drittel an den Kosten in Höhe von 7000 Euro. Kritik äußerte lediglich Frank Mehnert. Er hätte das Geld lieber in der Schule verbaut.

Wie berichtet, bekommt Nerchau für den Schulumbau vorerst keine weiteren Fördermittel. Die sich so ergebenden Änderungen im Zahlenwerk machten einen Nachtragshaushalt notwendig.

Um mit der Schule voranzukommen, lenkten die Parlamentarier 375 000 Euro frei. Doch damit nicht genug der Wohltaten. Der Bauhof kann sich auf neue Autos freuen. Der Ersatz für die in die Jahre gekommenen Multicar und Iseki schlägt mit 100 000 Euro zu Buche. Auf Initiative von Andreas Hans und Verena Mannschatz könnte zudem der immer wieder verschobene und bislang für 2013 eingetaktete Neubau der Trauerhalle auf dieses Jahr vorgezogen werden. Die geplanten Arbeiten am Fremdiswalder Festplatz (28 000 Euro) stünden dem nicht entgegen, meinte Kämmerer Alexander Hein. Gewehr bei Fuß stehe die Stadt nach Aussage von Bausachgebietsleiter Daniel Voigt auch bei der für 360 000 Euro geplanten Gestaltung des Bahnhofsplatzes. „Wir warten nur noch auf das Signal der Oewa und den in Aussicht gestellten Fördermittelbescheid über 270 000 Euro."

Rosemarie Haus sprach den Wunsch vieler Nerchauer nach einer Tankstelle an. Stadtrat und Omnibusunternehmer Rudolf Naundorf: „Das lohnt sich nicht. Ich habe es selber durchrechnen lassen." Ortschef Cieslack kündigte an, zwar über eine eigene Postfiliale im künftigen Bürgerbüro nachzudenken (die bisherige Filiale im Getränkemarkt wird zum 31. Juli geschlossen) – mit Augenzwinkern ergänzte er: „Eine Tankstelle können wir am Bürgerzentrum aber nicht auch noch betreiben."

Abgeordnete Susanne Hellmund übermittelte dem Bürgermeister aus Anlass seines 20-jährigen Dienstjubiläums den Dank des gesamten Rates. Es gab Blumen und Beifall. Cieslack revanchierte sich mit einer guten Nachricht: „Der DRK-Kreisverband verabschiedete jetzt eine Absichtserklärung, in Nerchau eine altersgerechte Anlage mit betreutem Wohnen zu bauen. Vielleicht entsteht sie ja in der Muldenstraße. Wir wären natürlich bereit, den Grund und Boden zu einem moderaten Preis zu verkaufen."

Haig Latchinian

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