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Grimma Nerchauer Paar steht mit leeren Händen da
Region Grimma Nerchauer Paar steht mit leeren Händen da
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09:00 12.06.2018
Die Stadt Grimma verkauft die freien Flächen links und rechts der Rathenaustraße in Nerchau. Die Hoffnungen einer jungen Familie, hier bauen zu können, haben sich wohl zerschlagen. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Nerchau

Wie Hohn muss es für Annette und Tim Berger klingen, wenn die Stadt Grimma sich regelmäßig mit dem ländlichen Bauboom, neuen Eigenheim-Standorten und steigenden Zuzugszahlen brüstet. Das junge Ehepaar möchte in seinem Heimatort Nerchau ein eigenes Häuschen bauen, steht aber immer noch mit leeren Händen da. All ihre Hoffnung und Mühen hatten beide auf ein Grundstück in der Rathenaustraße gelegt. Doch sie lösten sich in Luft auf – und der Ärger ist groß. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) kann nach eigenen Worten die Enttäuschung verstehen. Er wolle versuchen, den jungen Leuten zu helfen, sagte er gegenüber der LVZ.

Kaufantrag im Januar 2017 gestellt

Was ist passiert? Annette (23) und Tim Berger (25) gaben sich vor zwei Jahren das Ja-Wort, das junge Paar lebt unterm Dach ihrer Eltern. „Es ist unser Herzenswunsch, hier zu bleiben und hier zu bauen“, erzählt die 23-Jährige. Bauland ist rar in Nerchau. Als die Eheleute auf eine Baulücke in der Rathenaustraße aufmerksam wurden, ergriffen sie die Initiative. Das Grundstück rechts und links der Fahrbahn gehört der Kommune. Nach einer ersten Anfrage hieß es aus dem Rathaus, die Fläche sei bebaubar und könne verkauft werden, erzählt Tim Berger. Also stellten die Nerchauer im Januar 2017 den Kaufantrag für eine 1000 Quadratmeter große Teilfläche. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß, als die Ablehnung im Briefkasten lag. Der darin von der Stadt dargelegten Begründung, es handele sich um einen Außenbereich und Baurecht sei nicht gegeben, habe das Landratsamt auf Nachfrage widersprochen, erläutern die jungen Leute. An der nördlichen Straßenseite könnten drei Grundstücke genehmigt werden.

Baufirmen signalisieren Bereitschaft zur Erschließung

Es folgte im Juni 2017 ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Die Stadt habe den Erwerb von 2400 Quadratmetern in Aussicht gestellt, „wenn wir für die zwei gleich großen Nachbargrundstücke weitere Parteien fänden“, so der 25-Jährige. Bei 25 Euro je Quadratmeter ein Unterfangen, das sich als aussichtslos erwies. Die jungen Leute ließen nicht locker und holten – mit dem Ziel einer Beplanung – ihren Bauträger, die Geithainer Bellmann Immobilien GmbH & Co. KG, ins Boot. Einer deren Partner wiederum, die Grundstück & Haus Winkler GmbH mit Hauptsitz in Mannheim, erklärte seine Bereitschaft zur Erschließung des Areals. Im Rathaus stieß das auf offene Ohren, die Kommune drängte aber darauf, die Brachflächen rechts und links der Rathenaustraße zu vereinen und darüber einen Bebauungsplan zu legen – summa summarum rund 1,8 Hektar mit einem Mindestkaufpreis von 470 000 Euro. Die Firmen stimmten zu.

Mitbewerber bietet mehr für die Fläche

Die Vermutung, die Mannheimer seien der einzige Interessent, erwies sich jedoch als falsch. Ein Mitbewerber bot nach der Ausschreibung im Januar 16 000 Euro mehr als Grundstück & Haus und würde den Zuschlag erhalten. Ob der potenzielle Erwerber die Brache erschließen und Grundstücke verkaufen wird, ist fraglich. Tim Berger will erfahren haben, dass die Firma nur Häuser baut. Kein Wunder, dass die Enttäuschung beim Ehepaar tief sitzt. „Wir haben alles angeschoben und stehen jetzt mit Nichts da.“ Von der Stadt habe es nur leere Versprechen gegeben.

Stadt Grimma an Ausschreibungsregeln gebunden

Die Sache sei dumm gelaufen, gibt Oberbürgermeister Berger zu. Die Stadt sei aber verpflichtet, auszuschreiben und meistbietend zu verkaufen. Vor einem Jahr, als alles besprochen worden sei, habe es noch nicht so einen Run wie jetzt auf Grundstücke gegeben. „Wir dachten, sie sind die einzigen Bewerber und können dann erschließen und vermarkten.“ Dem Ehepaar will Berger weiter die Hand reichen: „Versprechen kann ich nichts, aber wir wollen sehen, was für die jungen Leute möglich ist. Die haben ja wirklich alles initiiert.“

Bergers stellen neuen Kaufantrag für Bilderrahmenfabrik

Während Olaf Aug von Bellmann Immobilien es zumindest eigenartig findet, dass sich die Absprachen nach der Ausschreibung in Luft auflösten, findet sich die Erschließungsfirma Grundstück & Haus damit ab. „Jemand anderes bot mehr, der Fall ist damit für uns erledigt“, so der für den Leipziger Raum zuständige Harald Fiebig. „Mehr als unser Gebot war uns das Baugrundstück nicht wert.“ Fiebig bestätigt, dass sein Unternehmen das Areal auf die Bitte von Bellmann hin entwickeln wollte, „obwohl es uns nicht vom Hocker riss“. Die Stadt habe klar signalisiert, dass es ausgeschrieben werden müsse. Das sei ein übliches Verfahren.

„Wir wollen nicht weg aus Nerchau“, bekräftigt das junge Paar. Doch die für eine Bebauung vorgesehenen Grundstücke in der Neichener Straße seien extrem teuer und auch zu klein für die eigenen Wünsche. Bergers haben deshalb jetzt einen weiteren Kaufantrag gestellt – für das Grundstück der ehemaligen Bilderrahmenfabrik.

Von Frank Prenzel

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