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Nerchauer Turner feiern

Nerchauer Turner feiern


Nerchau. Was haben der längst verstorbene Olympiateilnehmer Hans Ziegner und der Junioren-Vizeweltmeister Lars Pansa gemein? Ihre Wege kreuzen sich auf der am Dienstag beginnenden Festwoche „125 Jahre Turnsport in Nerchau" zumindest imaginär.

. Ziegner, einst erfolgreicher Nerchauer Turner, der später kegelte. Pansa, aktueller Kegler beim TSV Zwickau, der zu Ehren der Turner gegen Nerchaus Erste in die Vollen gehen wird.

 Eine Institution im Nerchauer Turnsport war auch Rudolf „Rudi" Geiser. Viele Jahre koordinierte er als Oberturnwart die Übungsstunden und Wettkämpfe. Der Kriegsheimkehrer begründete die Turnbewegung 1946 wieder neu. Innerhalb der BSG Chemie Nerchau engagierte er sich als Sektionsleiter bis 1986(!) für den Turnsport. Nachfolgerin wurde Ingrid Ellrich, die wie Sigrid Güttner und Karin Heer in den 60-er Jahren der letzten erfolgreichen Nerchauer Frauen-Riege angehörte. Alle drei treffen sich noch heute einmal in der Woche zu gemeinsamen Übungen. Trainiert werden die insgesamt 26 Damen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren von Elke Langer und Jacqueline Störer. „Bis voriges Jahr hatten wir innerhalb unseres Vereines auch noch eine allgemeine Kinderturngruppe. Doch das Training ist inzwischen Bestandteil des Ganztagsangebots der Grundschule Nerchau. Verantwortlich dafür ist unsere Sektionsleiterin Elke Langer, gleichzeitig Sportlehrerin an der Einrichtung", sagt Manfred Reibestein, Präsident des Nerchauer SV.

Reibestein, mehrfacher DDR-Meister im Kunstradfahren, wird bei den bevorstehenden Feierlichkeiten die Festrede halten. Er erinnert an die Jubiläen in der Vergangenheit: „1905, zum 20. Stiftungsfest, wurde die heute unter Denkmalschutz stehende Turnhalle eingeweiht. Kaum zu glauben, aber wahr: Das Gebäude wurde unter Baumeister Schwalbe in nur zwei Monaten hochgezogen. Das Baugeschäft Franz Schuster errichtete für 7300 Mark die eigentliche Turnhalle, die Firma Otto Pfütze zeichnete für den 6100 Mark teuren Wohnhaus-Anbau verantwortlich." Darin ist noch heute der einstige Turner und langjährige Hausmeister Gerhard Müller zu Hause. Reibestein recherchierte auch zum 50-jährigen Jubiläum des Turnvereins. „Damals wurde eine ganze Woche gefeiert. Über 1000 Sportler aus Nerchau und Umgebung boten Massenübungen. Auch einzeln wurde an Reck, Pferd und Barren geturnt. Auf dem Sportplatz versuchten sich die Turner als Leichtathleten und bestritten Handballspiele auf Großfeld. Ein riesiger Festumzug führte durch die Stadt."

Zum 125-Jährigen bleibt der Nerchauer SV ganz bewusst auf dem Teppich beziehungsweise auf der Turnermatte. Längst fühlen sich die

verbliebenen Turnfrauen nicht mehr als Leistungssportler wie früher, vielmehr als Breitensportlerinnen, ein Ausdruck, der natürlich nicht auf ihre Figur anspielt. Und so erlauben sich die Damen um Elke Langer, zum Vereins- und Stadtsportfest am 21. August auch selbstgebackenen Kuchen anzubieten. Das ganztägige Sportfest in Turnhalle und angrenzendem Garten ist der Höhepunkt der Feierlichkeiten: Da zeigen die Turnfrauen, was sie auf dem Kasten haben. Da werden Fußball und Radball gespielt. Und da besteht am Abend beim Sportlerball im Festzelt ausgiebig Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen. Für das leibliche Wohl ist auch am Morgen darauf bestens gesorgt. Beim Frühschoppen mit Schalmeienkapelle Nerchau und Schwein am Spieß kann dann die am Vortag mit Spannung erwartete Kegel-Partie zwischen den Nerchauer Aufsteigern in die 3. Bundesliga und dem Zweitligisten TSV Zwickau (mit Lars Pansa!) ausgewertet werden. Wie gesagt: Wann sieht man in Nerchau schon mal einen Vize-Weltmeister in die Vollen gehen?

 

Bereits am Sonntag, 14 Uhr, wird im Heimathaus die vom Heimatverein gestaltete Ausstellung zur Festwoche eröffnet. Alle Nerchauer und Interessierten sind dazu schon jetzt herzlich eingeladen. An gleicher Stelle kommen am Mittwoch die Turner zum Ehemaligentreffen zusammen. Im Blickpunkt stehen werden unter anderem der Teilnehmerausweis und die Berufungsurkunde des unvergessenen Hans Ziegner, verspricht Rosemarie Haus vom Heimatverein: „Der Turner wirkte bei den Massenübungen im Rahmen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin mit. Er war Friseurmeister in Nerchau und führte am Saumarkt einen eigenen Salon, den es noch heute gibt. Bis ins hohe Alter hielt er sich mit ausgedehnten Spaziergängen durch den Ort fit."

Haig Latchinian

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