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Nerchauer auf Olympiakurs

Nerchauer auf Olympiakurs

Die gesamte Nerchauer Grundschule machte gestern nach der zweiten Stunde „kältefrei“ und ging baden. Obwohl die Schwimmlehrerin „Frau Eismann“ heißt, stand nicht etwa Eisbaden in der Mulde auf dem Programm.

Nerchau. Vielmehr wurde in der hochmodernen Grimmaer Schwimmhalle geplanscht – bei 31 Grad Luft- und 26 Grad Wassertemperatur. Trotzdem trieben große Eisschollen an der Oberfläche.

Eisschollen in der Schwimmhalle? Die Nerchauer Lehrerinnen machten es möglich. Sie ließen ihrer Phantasie freien Lauf und erteilten dem Eisbrecher freie Fahrt. Während dieser vor Hiddensee gerade noch kläglich versagte, hatte er in der Schwimmhalle mehr Erfolg und zertrümmerte das Packeis. In der Fahrtrinne schwammen nun etliche kleinere und größere Bretter, die die Lehrerinnen zuvor in himmelblaue Bettbezüge eingewickelt hatten und so als Eisschollen fungierten. Die Drittklässler, allen voran Franz Reibestein und Tom Ohme, sprangen nun nacheinander ins warme Nass und fischten sich die Schollen.

Schulleiterin Kerstin Lohrmann war überglücklich, den 100 Nerchauer Kindern kurz vor den Ferien und den Olympischen Spielen so eine feuchtfröhliche und sportlich aktive Party zu ermöglichen. Sie lobte vor allem die beiden überaus kreativen Kolleginnen, Antje Carl und Brigitte Eismann. „Auf spielerische Art gelingt es ihnen, den Kindern die Angst vorm Wasser zu nehmen.“ Schwimmlehrerin Eismann hatte nicht nur das Heft des Handelns, sondern auch das Mikrophon in der Hand. Nur so war es der Schmorditzerin im Schweiße ihres Angesichts möglich, die kleinen Schreihälse zu übertönen. Denn nun wurde die zweite Klasse lautstark angefeuert. Celine Beyer und Tom Richter hüpften besonders mutig ins Wasser. Ihre Aufgabe: Ordnung in den Zahlensalat zu bringen, den Zahline und Zahlix zuvor angerichtet hatten. Fast so viele Zahlen wie sonst Buchstaben in Omas Nudelsuppe trieben im Wasser und sollten an Land gebracht werden. Doppelte Punktzahl gab es dabei für die ertauchten Zahlen.

Was Frau Eismann sagt, das zählt. Schließlich ist sie nicht irgendwer. Die Kinder wissen: Ihre Schwimmlehrerin hat sogar einen echten Olympioniken hervorgebracht. Er heißt Benny Eismann, war früher auch Schüler in Nerchau und ist der Sohn der Schwimmlehrerin: „Ja, es stimmt. Benny ist seit dem 14. Januar in Vancouver“, verriet die Lehrerin mit dem wohl längsten Zopf der ganzen Schule. Benny bleibe noch bis zum 28. März in Kanada und sei für die Technik im Eishockeystadion zuständig. „Er ist also nicht als Sportler dort – aber wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles. Gerade bei Olympia.“

Von Benny zu Benno. Kinderbuchautor Benno Pludra lieferte die Vorlage für den mit Spannung erwarteten Wettstreit der vierten Klasse. Und zwar versuchten sich Maik Schönfelder, Rico Brückner und all die anderen als Lebensretter. Zwei gestrandete Delfine mussten so schnell wie möglich zurück ins tiefe Wasser befördert werden. Sie wurden sozusagen als Bootsmann auf die Scholle gesetzt und von jeweils zwei Schleppern zurück ins Meer gebracht.

Die Erstklässler, die erst noch so groß wie die aufblasbaren Delfine werden müssen, hatten es mit kleineren Fischen zu tun. Im Nichtschwimmerbecken angelte sich die eine Mannschaft Eisklumpen (blaue Bälle), die andere Grasbatzen (grüne Bälle). „Damit sich die Wasserkrebse und Wasserläufer wieder wohlfühlen können“, erklärten die Lehrerinnen und anwesenden Muttis.

Die Zeit verging wie im Delfinfluge. Pünktlich standen nach der sechsten Stunde die Busse zur Abholung bereit. „Das sind die von meinem Vati“, erklärte der kleine Oliver Naundorf stolz. Obwohl es ihm super gefallen habe, will er kein Bootsmann, sondern Busfahrer wie sein Papi werden.

Haig Latchinian

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