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Nerchauer trauern um ihren Ekki Göpelt – Erinnerungstafel geplant

Schlagerszene Nerchauer trauern um ihren Ekki Göpelt – Erinnerungstafel geplant

„Begrabt mich in der Kneipe“ – 17 Wochen war sein erfolgreichster Titel die Nummer 1 in den Schlagerparaden. Der in Nerchau geborene Ekki Göpelt galt als das Stehaufmännchen der deutschen Schlagerszene, sprang dem Tod mehrfach von der Schippe – am Donnerstag starb er mit 71 Jahren.

Ekki Göpelt ist am Donnerstag 71-jährig verstorben.

Quelle: Andreas Döring

Berlin/Grimma/Nerchau. Er hatte Nierenkrebs, Wasser in der Lunge, war alkoholkrank, trug die zweite Herzklappe und hatte eine Gallenblasen-OP – Ekkehard „Ekki“ Göpelt sprang dem Tod sehr oft von der Schippe und kehrte immer wieder zurück auf die Showbühne. Ende vorigen Jahres ließ er es sich nicht nehmen, auf der Weihnachtsfeier der Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH zu singen. Geschäftsführer Steffen Richter tief traurig: „Ekki war bereits geschwächt, konnte nicht mehr laufen. Also haben wir ihn in den Rollstuhl gesetzt und auf die Bühne geschoben.

Im Sitzen hat er sie alle gesungen, seine größten Hits. Stimmlich perfekt, geistig noch hell wach.“ Nicht fehlen durfte dabei sein legendäres Nerchau-Lied ,Hallo alte Straße’: „Da drüben war der Keller, sie war erst neun, ich schon zehn, Augen zu und Lippen spitzen, der erste Kuss war wunderschön.“ Es sollte sein letzter Auftritt gewesen sein, ausgerechnet in Nerchau, seiner Vaterstadt.

Bei einem seiner letzten Besuche im Heimatort Nerchau war die LVZ noch dabei

Bei einem seiner letzten Besuche im Heimatort Nerchau war die LVZ noch dabei. Im Januar 2015 war Ekki Göpelt guter Dinge, besuchte Freunde, sein Elternhaus und das Familiengrab.

Quelle: Repro: LVZ

Der Tod von „Ekki“ Göpelt“ hat in seinem Geburtsort Nerchau für Bestürzung gesorgt. Er starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 71 Jahren auf der Intensivstation des Krankenhauses Berlin-Marzahn. Nach Angaben seines Partners, Michael Niekammer, erlag der neben Frank Schöbel, Achim Mentzel und Olaf Berger bekannteste ostdeutsche Schlagersänger kurz nach 18 Uhr einem Organversagen.

„Ekki“ hatte es faustdick hinter den Ohren

Der einst schmale Kantorensohn hatte es faustdick hinter den Ohren. Mit seinem Hühnerschreck rief der Hans Dampf in allen Gassen sogar den ABV auf den Plan. Der 15-Jährige meldete sich hinter dem Rücken seines Vaters zum Talentewettbewerb an. „Einer wird bei dir bleiben“, so hieß der Schlager von Fred Frohberg, den er sich aussuchte. Er war stolz wie Oskar, als er gewonnen hatte und ihm Günter Hapke den Präsentkorb überreichte ... sogar sein Vater, der nicht so auf Schlager stand, schüttelte ihm die Hand. Der Vater starb, da war Ekkehard gerade 19. Göpelt fing als Deutsch- und Musiklehrer in Grimma an und wurde bei „Herzklopfen kostenlos“ von Heinz Quermann für die Bühne entdeckt.

Rolf Hecht (68) ging mit Ekki Göpelt in Nerchau zur Schule, seitdem war er mit dem Sänger, der fortan in Berlin lebte, befreundet: „Wie sehr hat ihm der Pflaumenkuchen meiner Gisela geschmeckt. Den Rest hatten wir ihm immer eingepackt. Ach, ich kann es gar nicht fassen, dass Ekki nicht mehr lebt. Im vergangenen Jahr hatte er uns noch besucht. Und nun das!“ Er hätte sich bereits große Sorgen gemacht, sagt Rolf Hecht: „Ekki sagte mir noch am 4. Dezember, dass er Schmerzen am Knie hat und alle Auftritte absagen musste, nur noch in Nerchau singen werde. Normalerweise telefonieren wir alle zehn Tage miteinander. Aber zuletzt bekam ich ihn nicht mehr an die Strippe.“

Das einstige Elternhaus befindet sich in der Grimmaischen Straße in Nerchau

Das einstige Elternhaus befindet sich in der Grimmaischen Straße in Nerchau. Hier wohnte der junge Lehrer Ekki Göpelt noch, als er seine ersten Fernsehauftritte hatte.

Quelle: Andreas Döring

Doris Gerbinski, eine gemeinsame Wegbegleiterin von Ekki Göpelt und Michael Niekammer, weiß warum: „Ekki wurde ein neues Kniegelenk eingesetzt. Der Eingriff war sehr erfolgreich, er konnte sogar schon wieder laufen. Doch dann kam der Rückschlag. Er musste von der Orthopädie auf die Intensivstation verlegt werden. Als die Blutwerte immer schlechter wurden, alarmierte uns das Krankenhaus.“ Sie und Ekkis Partner Michael Niekammer zögerten keine Minute, fuhren sofort in die Klinik: „Wir hielten ihm die Hand, als er würdevoll und ohne Schmerzen einschlief“, so Niekammer, Ekkis Texter, Manager und Co-Moderator. Mit ihm lebte der Sänger seit 37 Jahren im Prenzlauer Berg.

„Zwischen uns, das ist eine Freundschaft, die man gar nicht beschreiben kann. Es ist mehr als Liebe“, sagte Göpelt zuletzt. Beide lernten sich im Warnemünder FDGB-Ferienhotel „Neptun“ kennen. Der damals beinahe noch jugendliche Fischkopp Michael schrieb gern Geschichten und Gedichtchen. Sofort stimmte die Chemie zwischen beiden.

Mitte Februar erschien seine aktuelle Single

Nach anfänglichen Achtungserfolgen in den Studios des DDR-Rundfunks erschien 1987 Göpelts erste Langspielplatte „Ich bleib am Ball“. Sein größter Hit in der DDR war „Frag Frau Schmidt“. 1989 fiel die Mauer – und Göpelt lag im Krankenhaus. Um das Stehaufmännchen der deutschen Schlagerszene wieder auf die Beine zu bekommen, nahm Niekammer Kontakt zum Berliner Star-Produzenten Gregor Rottschalk auf. Der Moderator der Rias 2-Berlin-Charts, der Texte für Harald Juhnke („Barfuß oder Lackschuh“) schrieb, der Marianne Rosenberg entdeckte und sich „Tabaluga“ ausdachte, fand Ekki sofort sympathisch – auch mit Bauch: „Jung biste nich, schön biste nich, ich hab das richtige Lied für dich.“

Der Titel „Begrabt mich in der Kneipe“ war wochenlang die Nummer eins. Es folgten Jahre im Radio. Mit gigantischen Einschaltquoten und einem doch so einfachen Erfolgsrezept: Dem Volk aufs Maul schau’n! Zuletzt moderierte er bei Radio B2. Seine aktuelle Single „Und immer noch stehst du an meiner Seite“ veröffentlichte der Nerchauer Mitte Februar. Es war die Liebe zu seinem Beruf und den Fans, die ihm die Kraft gab, so lange durchzuhalten.

Das Foto zeigt ihn mit seinen Eltern Eliane und Franz

Das Foto zeigt ihn mit seinen Eltern Eliane und Franz.

Quelle: Privat

Radio B2-Chef Oliver Dunk: „Mit Ekki verlieren wir einen sehr herzlichen, humorvollen Menschen, der sein Herz stets auf der Zunge trug.“ Ihm zu Ehren wird der Berliner Radiosender ab Sommer einmal jährlich den „Ekki-Göpelt-Preis“ für den talentiertesten Schlagernachwuchs verleihen. Dunk: „Ekki lag der Nachwuchs besonders am Herzen. Mit dem Preis wollen wir unserem Kollegen ein würdiges Andenken bewahren.“ Im B2-Funkhaus in Berlin-Wilmersdorf liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich seine Fans von Montag bis Freitag eintragen können.

In der alten Heimat planen unterdessen Steffen Richter und Rolf Hecht, eine Erinnerungstafel am Nerchauer Geburtshaus in der Grimmaischen Straße anzubringen: „Wir kümmern uns!“ Der einstige Bürgermeister Uwe Cieslack erinnerte daran, dass sich Ekki Göpelt vor Jahren nach einem Auftritt in Nerchau im Goldenen Buch der Stadt verewigte: „Gut, dass wir das veranlasst hatten.“

Begräbnis findet am 18. März statt

Wo der liebe Gott eine Tür zuschlägt, macht er auch wieder eine auf. An diesen weisen Satz seiner Mutter Eliane erinnerte Ekki Göpelt jedes Mal, wenn er den Nerchauer Friedhof betrat. Bei seinem letzten Besuch im Muldental, sagen Freunde, habe er die elterliche Grabstelle weiter verlängert. „Es war für Ekki eine verdammt harte Zeit, damals, als seine demenzkranke Mutter in Zschadraß lag. Sie erkannte ihn nicht mehr, Ekki trank zwischenzeitlich sehr viel“, erinnert sich Michael Niekammer.

Ekkis Mutter ist irgendwie auch seine Mutter: „Jedes Weihnachtsfest verlebte ich damals in Nerchau. Das erste Mal gingen Ekki und seine Mutter noch alleine zum Krippenspiel – die Leute könnten ja tuscheln. Und so hütete ich artig das Haus. Aber schon beim zweiten Mal sagte Ekkis Mutter: ,Michael, Junge, komm’ doch mit.’ Sie war eine tolle Frau.“

Statt wie von ihm selbst besungen in der Kneipe wird Ekki Göpelt am 18. März, 9 Uhr, in Berlin-Weißensee begraben, auf dem Auferstehungsfriedhof.

Von Haig Latchinian

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