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Grimma Netto will in Colditz neu bauen – Stadtrat stellt Bedingungen
Region Grimma Netto will in Colditz neu bauen – Stadtrat stellt Bedingungen
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00:31 05.05.2018
Netto möchte in Colditz moderner werden. Auf dem benachbarten Grundstück des bestehenden Marktes soll neu gebaut werden. Quelle: Foto: ddp
Colditz

Hochfliegende Pläne bei Netto. Projektentwickler Jürgen Morgenstern aus Oelsnitz hat sich an die Stadt Colditz gewandt: Am Wettiner Ring möchte sein Unternehmen ein etwa 8000 Quadratmeter großes Grundstück kaufen, um dort einen „neuen, modernen, hochwertigen und technisch speziell ausgestatteten“ Netto Marken-Discount zu bauen. Der benachbarte jetzige Netto, so Morgenstern weiter, entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen eines wettbewerbsfähigen Konzepts.

Der neue Markt soll eine Verkaufsfläche von über 1000 Quadratmetern haben, dazu einen Außenbereich mit rund 80 Autostellplätzen. Morgenstern bittet die Stadtväter um Unterstützung des Vorhabens. Sollte der Vorstoß scheitern, heißt es in dem an die Stadt gerichteten und der LVZ in Kopie vorliegenden Schreiben, werde Netto den aktuellen Standort in absehbarer Zeit verlassen.

Bürgermeister will kurze Wege für Anwohner

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) will im Neubaugebiet Wettiner Ring auch künftig einen Lebensmittelmarkt vorhalten. Allerdings möchte er sich nicht unter Druck setzen lassen: „Mir ist egal, welcher Discounter hier kommt, Hauptsache die Wege für die Anwohner werden nicht zu weit.“

Die Fläche, auf der der neue Discounter entstehen soll, gehört der Colditzer Wohnungsbaugesellschaft (CWG). Noch gilt der Beschluss aus dem Jahre 1999, wonach das derzeit brachliegende Areal als Sondergebiet „Freizeit und Erholung“ ausgewiesen ist. Sollte es zum vorgesehenen Ersatzneubau kommen, müsste die Fläche zum Mischgebiet umgewidmet werden. Darüber haben die Stadtväter zu befinden.

Stadtrat verlangt Gutachten und Nachnutzungskonzept

Noch ist nichts entschieden. Auf seiner jüngsten Sitzung verlangte der Stadtrat vom Projektentwickler zunächst ein Einzelhandelsgutachten zur Marktverträglichkeit, eine Bebauungsskizze und das Nachnutzungskonzept für den bestehenden Netto-Markt. Schmiedel: „Herr Morgenstern will zwar bei dessen Vermietung behilflich sein, führt zum Beispiel eine große Drogeriekette an, aber das ist uns viel zu vage.“

Konkurrenz zwischen den großen Märkten

Jan Gumpert (Für unsere Heimat) erinnerte daran, nicht nur an die Supermärkte am Stadtrand zu denken, sondern auch an die Einzelhändler in der Ortsmitte: „Es sind schließlich diejenigen, die vor allem regionale Produkte vermarkten, was ja auch Sinn macht.“ Manfred Heinz (FDP) sieht weniger einen Wettbewerb zwischen Supermarkt und Tante Emma, als vielmehr eine Konkurrenz zwischen den großen Märkten: „Entweder wir kommen den Wünschen der Kunden nach oder sie werden auch künftig in Rochlitz, Geithain und Bad Lausick einkaufen. Dann fließt weiter Kaufkraft aus Colditz ab.“ Zwar tragen sie die Linie der Stadtverwaltung mit, doch bezeichneten es Gumpert und Heinz als fragwürdig, ausgerechnet vom Produktentwickler ein Einzelhandelsgutachten zu verlangen: „Da wird natürlich drin stehen, dass Colditz einen neuen, größeren Netto-Markt braucht. Machen wir da nicht den Bock zum Gärtner?“

Der jetzige Netto befindet sich auf der Fläche des einstigen, 1896 gegründeten Silikatwerkes Eismann & Stockmann und späteren VEB Schamottewerkes Fema. Nach Angaben von Heimatforscher Andreas Müller galt das Unternehmen bis 1945 als größtes Spezialwerk Deutschlands für Töpferschamotte, zudem als leistungsfähigstes Dachsteinwerk Sachsens für Tonbiberschwänze. Nach der Enteignung produzierte der Betrieb Töpferschamotte für Kachelöfen und Herdbau sowie Schamottesteine für Stahlwerke. Die Fema (Feuerfeste Materialien) galt zeitweise als größtes Werk seiner Art in der DDR. Nach der Wende wurde der Betrieb geschlossen und 1996 abgerissen. Kurz darauf eröffnete der Netto-Markt.

Von Haig Latchinian

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