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Neuanfang nach der Flut: Ziegler offeriert feine Lebensart im Hofcafé

Neuanfang nach der Flut: Ziegler offeriert feine Lebensart im Hofcafé

Eine morgendliche Brise weht in den Hof und rauscht durch die Blätter des Flieders. Auf den Holzbänken hat Uschi Ziegler beigefarbene Kissen drapiert.

Um Stühle und Tische, die aus den legendären Kaffeehauszeiten der 20-er Jahre stammen könnten, ranken sich grüne Büsche und Sommerblumen. "Das Hofcafé war bereit für die Saison", sagt Ziegler. Sie habe lediglich auf sommerliche Temperaturen gewartet. Doch die Mulde sei schneller gewesen. "Aber mir ist das neue Geschirr erhalten geblieben", sagt sie in ihrer unvergleichlichen Art, jeder Situation ihre Berechtigung abzugewinnen. Das Porzellan hatte sie eine Woche vor dem Hochwasser in Frankreich geordert. Es stand noch eingepackt in der Werkstatt und blieb so von den Fluten verschont.

Der Innenhof ist derzeit der einzige Ort, wo die 62-Jährige kreativ sein kann, denn das Ladengeschäft mit seinen 400 Quadratmetern Verkaufsfläche ist völlig unbrauchbar geworden. Die nackten Mauern, die derzeit trocknen müssen, legen zwar die historische Besonderheit der unter anderem aus dem Jahr 1832 stammenden Gebäude bloß, aber für feine Lebensart sind die Räume im ehemaligen Hotel Kronprinz und dem dahinter liegenden früheren Pferdestall derzeit nicht geeignet. "Für ein Hochwasser haben wir eindeutig das falsche Sortiment", stellte Ziegler fest. Zu diesem gehören unzählige Papiere, Farben, Holz- und Pappartikel, ein Bastelsortiment mit Kleinteilen aller Couleur, Dekorationsartikel, Perlen, Kugeln und vieles mehr. Ein Großteil davon sowie der gesamte Lagerbestand und einiges an Mobilar wurden vernichtet. Dagegen konnten fast alle Stoffe und die Wolle, Wohnaccessoires, Schleifen, Bänder und Knöpfe mit Hilfe vieler Freunde gerettet werden. "Jetzt machen wir erst einmal Inventur" stellt sie fest. Die Computer seien wieder vernetzt, jetzt könne der genaue Schaden ermittelt werden.

Egal, was dabei herauskommt - sie wird bleiben. "Ich habe einen Status Quo und aus dem muss ich etwas machen", sagt die gebürtige Leipzigerin. So testet sie bereits seit Tagen einen Vinyllaminatfußboden in Holzoptik auf seine Wasserbeständigkeit. "Die Heizung bauen wir künftig im Geschäft weit oben auf", sagt sie trotzig. Und die Mauern sollten nackt bleiben. Wie sie die Inneneinrichtung des Ladens gestaltet, darüber grübelt sie noch. "Das Haus wird wasserdicht gemacht", hat sie beschlossen. Da sie am 21. September vor 18 Jahren den Laden geöffnet habe, ist dieser Tag für sie erneut das Ziel. "Das ist ein gutes Datum", sagt Ziegler.

Während sie das so langsam ausspricht, ertappt sie sich fast selbst dabei zu erkennen, dass ihr Plan auch Variablen enthält. Da ist die Befürchtung, andere Händler könnten aufgeben und sich aus der Altstadt zurückziehen. "Grimma braucht ein effektives Stadtmarketing", zieht sie ihre gedanklichen Kreise. Darin webt sie kleine, feine Geschäfte ein und lässt einen Handelsmix entstehen, der eine Alternative zur grünen Wiese ist. Aber künftig schwebt auch permanent die Gefahr über der Stadt, dass ein Hochwasser jederzeit alles zunichte machen könnte. "Wir sind das letzte Glied in der Kette und werden Vorsorge treffen", ist sie sicher. Aber die Verantwortung fange weiter oben an. "Wir brauchen keine neuen Mauern, wir brauchen Flächen.Das Wasser muss weg und nicht durch", entgegnet sie den Stadtvätern, die derzeit über die Höhe der Mauer diskutieren.

Wie sie so plaudert im Schatten der Bäume, sind die Lebenskräfte zurück. Für sie gebe es keinen anderen Standort als jenen in Grimmas Altstadt, sagt Ziegler. Sie ist tief in die Historie der beiden Häuser - sie geben dem Kreativladen seit 2002 Raum - eingetaucht, hat sich mit handelnden Personen aus der Vergangenheit der Immobilien auseinandergesetzt und mit ihrem Mann, dem Holzbauer Günther Ziegler, die Architektur wiederbelebt. Sie hat eine ganz eigene Beziehung zur Stadt aufgebaut. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Stadt mich braucht", gesteht sie. "Aber die Kunden, die zu uns kommen, brauchen uns", so Ziegler. Außerdem sei da die Verantwortung für die vier Angestellten und ein gut gehendes Unternehmen. Ein Versprechen wolle sie keineswegs brechen. Zehn Jahre, so habe sie im Januar einer Mitarbeiterin zu ihrem 10-jährigen Bestehen in dieser Lage versprochen, würden beide noch gemeinsam im Laden sein. "Danach überlassen wir ihn der Jugend", lächelt sie.

Für ihren Traum vom Handel mit Dingen, denen Menschen eine Seele einhauchen sollen, wird das nicht das Ende sein. Die Familie mit zwei Kindern und vier Enkeln verfügt laut Ziegler über ausreichend kreatives Potenzial. "Da ist so viel im Fluss."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.07.2013

Schöppenthau, Birgit

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