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Neue Heimat Pension Paulchen - Naunhof will Flüchtlingen helfen

Neue Heimat Pension Paulchen - Naunhof will Flüchtlingen helfen

Mit dem Schiff kam Achmed Benamer von Libyen nach Italien. Weitere Stationen waren München und Chemnitz. Jetzt wohnt er mit 28 anderen Asylbewerbern in der ehemaligen Pension Paulchen, die im Mai zur Flüchtlingsunterkunft umgewandelt wurde.

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Nach dem gemeinsamen Training in der Clade: Fußballer der ersten Mannschaft des SV Naunhof 1920 und Flüchtlinge aus der Unterkunft in der ehemaligen Pension Paulchen posierten für ein Gruppenfoto.

Quelle: Privat

Naunhof. Eine neue Herausforderung für die Stadt, der sich beherzte Einwohner stellen. Sie haben einen Unterstützerkreis gebildet, der den Fremden helfen will, Fuß zu fassen.

Sie kommen aus Libyen, Tunesien, Palästina, Syrien, dem Irak, Afghanistan, Indien, Myanmar, Georgien und Albanien - viele sind auf sich allein gestellt wie Achmed Benamer. "Mein Vater war Polizist in Bengasi", berichtet der 21-Jährige. Die Terrormilizen von IS und Al Kaida hätten ihn als Feind angesehen. Deshalb seien er, sowie Achmeds Mutter und Schwester bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Seine drei Brüder wären bei einem Onkel untergekommen, während er allein floh.

An der Parthe sollen Asylbewerber wie Achmed willkommen sein, sagten sich Stadträte der Linken, der Unabhängigen Wählervereinigung und der Bürgerinitiative Naunhof, aber auch Vertreter von Kirche, Jugendclub, Altem Kranwerk und Sachsenklinik - zusammen 20 Leute, die den harten Kern des Unterstützerkreises bilden. Zusätzlich laufen in Schulen und Vereinen Aktionen.

So wurden die Neuankömmlinge bereits durch die Stadt und zu den Seen geführt. Die Helfer haben Spenden zusammengetragen und wollen die Sammlungen monatlich fortsetzen. Dass Integration besonders im Sport großgeschrieben wird, Name und Herkunft keine Rolle spielen und Begriffe wie Berührungsängste Fremdwörter sind, bewiesen die Fußballer der ersten Männermannschaft des SV Naunhof. Eingeladen vom Präsidenten Rainer Lisiewicz, besuchten neun Flüchtlinge das Heimspiel gegen Geithain, später wurde in der Clade gemeinsam trainiert. "Ausgestattet mit Fußballsachen und -schuhen unserer Kicker, hatten die Gäste, die zwischen 21 und 31 Jahren alt sind, und die Naunhofer Akteure sichtlich Spaß. Mit Englisch sowie Händen und Füßen verständigte man sich untereinander, der ein oder andere Lacher blieb dabei selbstverständlich nicht aus", informierte Marco Weichert vom Sportverein.

In den neunten Klassen der Oberschule Naunhof behandelte der Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig die Themen Flucht und Asyl im Rahmen eines Workshops. Die Schüler erfuhren vier Schicksalsgeschichten junger Migranten. Sie diskutierten unter anderem darüber, welche Probleme am häufigsten bei Asylbewerbern auftauchen und wie sie sich in Deutschland fühlen. Ziel war es, sie für die Thematik zu sensibilisieren sowie Verständnis und Toleranz gegenüber gleichaltrigen asylsuchenden Jugendlichen zu erlangen.

Das alles sind Anfänge, die Unterstützer haben weit mehr vor. Nach ihrem Willen sollen die Asylbewerber direkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Sie holten sich diese Woche den Bornaer Verein Bon Courage zu einer öffentlichen Diskussion in den Naunhofer Bürgersaal, um unter anderem abzuklären, welche Möglichkeiten in dieser Hinsicht bestehen. "Wir hätten keine Probleme, die Flüchtlinge zu beschäftigen. Aber inwieweit sind sie dann versichert?", fragte Stadtrat Michael Eichhorn (Linke). Sandra Münch von Bon Courage dazu: "Sie können einem Verein beitreten, wenn sie dort mithelfen möchten, und sind dann über diesen versichert. Ansonsten sollte ein Ehrenamtsvertrag geschlossen werden, dann sind sie über den jeweiligen Träger versichert."

Nun sollen Qualifikationen und Hobbys der Flüchtlinge abgefragt werden, um zu klären, wo sie aktiv werden könnten. Denkbar wäre eine Integration ins Weltenorchester des Kranwerks. Oder es ließen sich Kleingärten pachten, um sie den Asylbewerbern gegen monatliche Beiträge zu überlassen. Ins Auge gefasst werden Schwimmkurse im Becken der Sachsenklinik. Sogar persönliche Patenschaften zwischen Naunhofern und Flüchtlingen werden angestrebt.

Dass es in der Bevölkerung Vorbehalte gibt, darauf machte Rudolf Knacke aus Naunhof in der Veranstaltung im Bürgersaal aufmerksam. "Ich bin gegen die Rechten", sagte er, "aber ich kritisiere, dass alle Flüchtlinge pauschal aufgenommen werden. Dieser Asylmissbrauch kann bei uns zu Unruhen führen." Günter Motsch vom Hundeclub erwiderte: "Es sind sicher Leute dabei, die falsch hier sind. Aber Pauschalisierungen sollten vermieden werden. Die meisten kommen nicht aus Spaß zu uns."

So auch Achmed Benamer. Er wünscht sich, in Deutschland sein Studium der Kommunikationswissenschaften fortsetzen zu können. Dazu muss er zunächst Deutsch lernen. Im Juli soll sein Kurs beginnen. Er hat Glück, denn, so Sandra Münch, wer älter als 27 ist, hat keinen Anspruch auf einen solchen Lehrgang.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2015
Frank Pfeifer

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