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Neue Regisseurin bei Fremdiswalder Laienspiel

Neue Regisseurin bei Fremdiswalder Laienspiel

Andrea Lauchstädt bekam am Wochenende den donnerndsten Beifall. Als langjähriges Mitglied der Fremdiswalder Laienspielgruppe schlüpfte sie im „Verlorenen Märchenbuch“ in ihre bislang allergrößte Rolle – in die der Regisseurin.

Nerchau/Fremdiswalde. Dabei inszenierte sie sich nicht etwa als übermächtiger Riese. Im Gegenteil: In einer der insgesamt fünf Vorstellungen half sie sogar als frecher Zwerg aus.

Überhaupt macht sie sich selber gern kleiner. Groß heraus kommen bei ihr all die vielen Helfer: Texterin Inge John, die ihrer Phantasie wieder einmal freien Lauf ließ. Klaus Mundus und Franz Veik, die das zwei Meter hohe Märchenbuch und den fliegenden Adler werkelten. Katrin Schulze, die das Bärenfell für den begeisternden Prinzen Fabian Tronicke nähte. Maxi Reiche, die nicht nur Meister Lampe, sondern auch Gretel und Wichtel Willi gab. Na und nicht zu vergessen Heike Pfütze, die in ihrem zehnten Jahr als Souffleuse einmal mehr arbeitslos war. Dafür packte sie in den Umbaupausen tatkräftig zu – da musste die mit Schaukelstuhl gemütlich eingerichtete Bauernstube in Windeseile Platz machen für den aus Foliensäcken gestalteten Flusslauf samt Schloss im Hintergrund.

Die Regisseurin kann gar nicht genug Theater bekommen. Und das, obwohl die voll berufstätige, zweifache Mutti obendrein noch ihrem Mann René im Büro zur Hand geht. Die 31-Jährige winkt ab: „Andere gehen joggen, ich gehe eben einmal die Woche zur Probe.“

Andrea Lauchstädt ist ein Glücksfall für die Laienspielgruppe. Seit mindestens 1927 studiert die Dorfgemeinschaft jährlich Märchenstücke ein. Als die Schule des Ortes im Jahr 2000 geschlossen wurde, drohte die Tradition zu sterben. Einstige Lehrerinnen wie Inge John und Gisela Vetter-Woldt stemmten sich gegen das Todesurteil, trommelten Kinder zusammen und hielten Ausschau nach möglichem Regisseurnachwuchs. Mit Erfolg. Andrea Lauchstädt stieß als 22-Jährige zur Truppe dazu. Ihren Einstand gab sie als Starker im Stück „Sechse kommen durch die ganze Welt“.

In den Folgejahren mimte sie die böse Stiefmutter in „Schneewittchen“ und den Winter in den „Vier Jahreszeiten“. Für das Jubiläumsstück zur 675-Jahrfeier des Dorfes malte sie damals hochschwanger Kulissen, wählte Musik aus und brachte nur wenige Tage nach der Premiere ihr erstes Töchterchen Elenor zur Welt. Das Mädchen ist inzwischen fast fünf Jahre alt und wird sicher bald auf der Bühne stehen. Vielleicht sogar zusammen mit ihrer Mama – genauso wie das schon jetzt Mutter Anja und Tochter Lara Lehmann oder Oma Inge und Enkel Jan Mundus praktizieren. Pia Heidamke, die das Rosenbäumchen spielte, bedauert sehr, wegen Prüfungsstress nun erst mal kürzer treten zu müssen: „Andrea Lauchstädt musste uns zwar ab und zu in den Hintern treten, aber nur so kommen wir eben voran. Es hat riesig Spaß gemacht.“

Vor Spielfreude sprühte der kleine wilde Jonathan Schulze. Der freche Zwerg, der sich beim Holzhacken mit der Axt im Bart verfing, musste von Schneeweißchen und Rosenrot gerettet werden. Doch statt sich zu bedanken, tobte der Schreihals, weil ihm die Mädchen seinen ach so stolzen Bart abgeschnippelt hatten. Wie ein Großer wütete der Kleine: „Hässliche Kröten“, „Garstiges, ungehobeltes Volk“. Ein Genuss! Ausgerechnet ihn musste Andrea Lauchstädt in der Adventszeit wegen einer Grippe vertreten. Was für eine Herausforderung! Nun überlegt die Regisseurin, was sie als nächstes einstudiert. „Das tapfere Schneiderlein“ vielleicht, sagt sie. Wenn man dem Jonathan die richtige Rolle auf den Leib schneidern möchte, müsste es aber schon „Rumpelstilzchen“ sein.

Haig Latchinian

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