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Grimma Neue Sporthalle für Nerchau? Grimma sagt: Nicht vor 2021
Region Grimma Neue Sporthalle für Nerchau? Grimma sagt: Nicht vor 2021
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10:53 05.06.2018
Die Sporthalle in Nerchau, hier während des Gewerbepokal-Wettkampfes im Kunstradfahren am 2. Juni, ist in die Jahre gekommen. In Nerchau werden Rufe nach einer neuen Halle lauter. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Nerchau

Die Nerchauer Sporthalle macht von außen etwas her, ist aber in die Jahre gekommen. Schon lange steht im Ort der Wunsch nach einer neuen Halle auf der Agenda und wurde 2011, als sich Nerchau der Stadt Grimma anschloss, auch im Eingemeindungsvertrag verankert. Jetzt bekommt er neuen Auftrieb und Stimmen werden lauter, dass die Stadtverwaltung das Thema endlich aktiv angehen soll.

Weil die alte Sporthalle in die Jahre gekommen und der Bedarf an Trainingszeiten von Vereinen größer geworden ist, fordern die Nerchauer ein Bekenntnis zum Eingemeindungsvertrag von der Stadt Grimma.

Zur Ortschaftsratssitzung hatten sich auf Einladung von Ortsvorsteher Thomas Glaser (SPD) sowohl Vertreter des Nerchauer SV 90 als auch Grundschulleiterin Kerstin Lohrmann eingefunden und formulierten handfeste Argumente für einen Neubau, dessen Standort und Ausmaße noch umstritten sind. Verein und Schule sind die Hauptnutzer der Halle.

Schul- und Vereinssport müssen berücksichtig werden

„Es muss was passieren“, bekräftigte eingangs der Ortschef. Das gehe aber nur gemeinsam. Beim Standort sei sicher ein Kompromiss vonnöten. „Es ist schon lange überfällig, etwas für die Turnhalle in Nerchau zu tun“, bekräftigte auch die Vorsitzende des Sportvereins, Elke Langer – egal ob eine Modernisierung der über 100 Jahre alten Halle oder einen Neubau. „Die jetzigen Gegebenheiten entsprechen nicht mehr den geforderten Bedingungen.“ Sollte es um einen Neubau gehen, müsse er für Verein wie Schule von Nutzen sein, sagte sie. Der Sportverein favorisiere in diesem Fall aber eine Zweifeldhalle. Er belege mit seinen Abteilungen Radsport, Turnen, Volleyball und Fußball die Halle täglich ab 15 oder 16 Uhr bis weit in den Abend hinein. Langer verwies auch auf das Trainingszentrum der Radsportler. „Unsere Trainer bringen unsere Sportler regelmäßig auf Höchstleistung, das verpflichtet auch.“ Etwa, in Nerchau auch mal eine Deutsche Meisterschaft auszurichten. Doch die jetzige Halle gebe das nicht her für die Kunstradsportler und Radballer.

Platzmangel in der Halle stellt Trainer vor Herausforderungen

Es gebe auch kaum Möglichkeiten die Räder unterzustellen, die Sanitäranlagen und Umkleideräume „reichen bei weitem nicht mehr aus“, nannte Langer weitere Argumente. Die Volkshochschule etwa wolle nach 16 Uhr mit einem Kurs in die Halle, „doch das geht nicht“. Der Platz reiche auch nicht, um eine Kindergruppe im Turnen zu bilden. Der Jugendtrainer blies ins gleiche Horn. Er bekomme Herzklopfen, wenn sich die Kinder wegen des Platzmangels zu nahe kommen. Auch Radsport-Abteilungsleiter Jürgen Eschke klagte über Platzmangel. Beim Gewerbepokal kämen rund 70 Sportler mit Anhang, die seien nur schwer unterzubringen.

„Mein Problem ist der sichere Weg“, erklärte Schulleiterin Lohrmann. Der jetzige Weg sei lang und eine Gefahrenquelle. Die Schule wünsche eine Halle so nah wie möglich am Schulhaus und so schnell wie möglich. Und: „Wir würden mit einer Einfeldhalle klar kommen, aber in Gemeinsamkeit mit dem Sportverein ist eine Zweifeldhalle sinnvoller.“ Die Sportler favorisieren bei einem Neubau den Standort der früheren Bilderrahmenfabrik Rommel in der Fabrikstraße. Das wäre auch für die Schule machbar, so Langer.

Eingemeindungsvertrag sieht Investition vor

Ortschaftsrat Frank Mehnert erinnerte, dass die Hochzeitsprämie von 750 000 Euro auch für den Bau einer Einfeldhalle gedacht war. Das Geld sei weg, eine Halle stehe nicht. Viele Sachen aus dem Eingemeindungsvertrag seien nicht erledigt: „Jetzt sind wir mal wieder dran. Wir wollen wissen, wann es losgeht und wer es finanziert.“ Rätin Rosemarie Haus meinte entrüstet, dass sich Nerchau nicht mit einem Bau ab 2021 zufrieden geben dürfe. Ein Termin, der vom Rathaus als frühestmöglicher genannt wird.

Letztlich legte der Ortschaftsrat fest, erneut an die Stadt heranzutreten. Er schlägt die Schule und das Rommel-Gelände als mögliche Standorte eines Neubaus vor und bittet um zeitnahe Prüfung. Glaser: „Wir müssen die Halle mit Vehemenz einfordern.“

Stadt tritt auf die Bremse – illusorische Vorstellungen

Von einer Zweifeldhalle war bislang nie die Rede, verdeutlicht die Leiterin des Amtes für Schulen, Soziales und Kultur, Jana Kutscher. Noch der alte Stadtrat Nerchau habe 2009 einen Standort für eine Einfeldhalle festgelegt – hinter dem jetzigen Hortgebäude. Im aktuellen Sportentwicklungsplan der Stadt Grimma sei für Nerchau der Bau einer Halle verankert, jedoch nicht terminlich untersetzt. „Bei einer maximal eineinhalbzügigen Schule gehen wir von einer Einfeldhalle aus“, so Kutscher. Bis 2021 werde nichts möglich sein, zumal die alte Halle trotz einiger Mängel betriebsfähig sei.

Das bekräftigt auch Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Derzeit läge der Schwerpunkt auf den Neubau der Oberschule Böhlen, wir müssen auch ein politisches Zeichen für die Grundschule Mutzschen setzen. Alles vor 2021 sei eine Illusion. „Ich verstehe das Ansinnen nach einer Zweifeldhalle, man muss aber auch Realist bleiben“, so Berger. Und es sei falsch, sich auf den Eingemeindungsvertrag zu berufen. Nach der Eingemeindung seien für die Oberschule Böhlen zugesagte 400 000 Euro nach Nerchau umgelenkt worden, um die Grundschule fertig zu sanieren. „In die Schule floss mehr Geld, als es Hochzeitsprämie gab.“

Von Frank Prenzel

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