Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Neuer Naunhofer Bürgermeister Zocher: Da werden Fetzen fliegen

Neuer Naunhofer Bürgermeister Zocher: Da werden Fetzen fliegen

Ein frischer Wind weht im Rathaus der Stadt. Offen gibt sich Bürgermeister Volker Zocher (parteilos), der am 1. April sein Amt angetreten hat. Er kommt sympathisch rüber, redet frei heraus, was er denkt.

Voriger Artikel
Bombendrohung legt Wurzener Stadthaus lahm
Nächster Artikel
Halle mit Tausenden Bücher-Paletten brennt in Lindhardt nieder
Quelle: Andreas Röse

Naunhof. Und er denkt in einigen Dingen anders als seine Vorgänger. Die LVZ sprach mit ihm darüber.

Frage: In welchem Zustand haben Sie bei Amtsantritt die Verwaltung vorgefunden?

Volker Zocher: Ich bin ja schon Teil von ihr gewesen. Es handelt sich um eine sehr stabile Verwaltung, die bei den vielen Vorgesetzten, die sie in der Vergangenheit hatte, ihre Arbeit vernünftig fortgesetzt hat. Ich habe keine Sorge um sie.

Wie haben die Amtsverweser vor Ihnen ihren Job gemacht?

Für mich ist wichtig, dass jetzt Themen angegangen werden, die heiß sind. In erster Linie geht es da ums Gymnasium. Verträge aus jüngster Zeit müssen überarbeitet werden, weil die Kommunalaufsicht ihr Veto gegen sie einlegte. Das müssen wir schnell machen, damit die Eltern Sicherheit bekommen. Ich halte das für lösbar.

Was heißt das konkret?

Die Finanzierung des ersten Bauabschnittes hat die Kommunalaufsicht beanstandet. In den Verträgen zwischen Stadt und Wohnbau GmbH sowie Stadt und Träger des Gymnasiums ist einiges zu klären. Da werden Fetzen fliegen. Aber die finanziellen Möglichkeiten der Stadt sind erschöpft, sie hat auch andere Aufgaben. Mehr Zutun des Trägers ist erforderlich.

Und dabei wird doch schon die Erweiterung des Gymnasiums geplant...

Ich möchte erst wissen, dass der erste Bauabschnitt ordentlich abgeschlossen ist, bevor wir mit dem zweiten so richtig loslegen können. Mit einem potenziellen Investor für die Erweiterung habe ich gesprochen. Das Problem ist, wie er zu seinem Geld kommen soll, denn er möchte auch etwas verdienen.

Eine andere Baustelle dürfte der Wunsch von Belgershain sein, die Verwaltungsgemeinschaft mit Naunhof und Parthenstein zu verlassen. Wie stehen sie dazu?

Ich habe Bedenken, ob der Weg, den Belgershain mit einer Eingemeindung nach Großpösna gehen will, wirklich der richtige ist. Auch wenn ich jetzt etwas spät damit komme, hoffe ich doch, dass noch ein Umdenken möglich ist. Nach meinem Dafürhalten sollten Belgershain und sogar Großpösna zu unserer Verwaltungsgemeinschaft gehören. Als relativ gleichwertige Partner könnten manche Verwaltungsaufgaben in Naunhof, andere in Großpösna erledigt werden. Wir sollten ausloten, wo welche Interessen liegen. Gesprächstermine mit den Bürgermeistern von Belgershain und Großpösna sind schon vereinbart. Die Entscheidung Naunhofs, den Umbau des PösnaParks von einem Anwalt prüfen zu lassen, halte ich für nicht so glücklich, weil sie die Atmosphäre zwischen uns vergiftet.

Mit dem von Großpösna angestrebten Umbau des Einkaufszentrums könnten Sie also leben?

Der Umbau gefährdet uns nicht. Danach wird uns der PösnaPark nicht mehr bedrohen als jetzt. Es ist wichtig, dass wir unser Stadtzentrum um den Rewe-Markt weiter entwickeln, und da geht es jetzt voran. Die Naunhofer verlassen sich auf beides: Rewe und PösnaPark.

Wie wollen Sie nun mit Belgershain weiter verfahren?

Ich werde das Verfahren nicht mit Formalitäten und Tricks verzögern. Aber ich muss auch sagen, Naunhof hat die Position, dass die Verwaltungsgemeinschaft geschwächt würde, wenn Belgershain austritt. Werden wir zu einer Stellungnahme aufgefordert, wird diese so aussehen.

Jüngst war oft von einer angespannten finanziellen Situation der Stadt die Rede. Ist sie dramatisch?

Am 25. April legen wir dank der guten Arbeit der Kämmerin dem Stadtrat einen ausgeglichenen Haushalt vor. Der Etat ist nicht gefährdet, aber er sagt auch aus: Bei Investitionen müssen wir auf die Bremse treten. Wenn wir einige schieben, verhilft das uns zu mehr Spielräumen. Erst einmal müssen wir Projekte zu Ende bringen, die begonnen wurden. Dazu gehört die Stadtsanierung. Zur nächsten Stadtratssitzung werden wir auch über das heikle Thema Sanierungsbeiträge reden müssen.

Das heißt, auch mit der Osttangente zwischen Wurzener Straße und Autobahnzubringer wird vorerst nichts?

Dieser Bau kostet uns wenig, die Gelder sind im Haushalt eingestellt. Finanziert wird die Straße vom Bauträger, also der Leipziger Beton-Union, und über Fördermittel. Hoffentlich kann so schnell wie möglich mit dem Vorhaben begonnen werden.

Geplant ist in diesem Areal auch ein neues Wohngebiet, die Lagunenstadt...

Ja, dort sollen mehrere hundert Wohnungen entstehen. Auch an der Wiesenstraße wollen wir neben dem Gymnasium ein neues Wohngebiet verwirklichen. Es ist wichtig, dass weiterhin Leute zu uns kommen, denn der Zuzug gleicht bislang fast den Bevölkerungsschwund aus. Das stellt uns aber auch vor die Herausforderung, bei den sozialen Einrichtungen nachzuziehen. Meist handelt es sich um junge Familien mit Kindern, die hier bauen.

Reichen die Kapazitäten der Kindertagesstätten vielleicht schon bald nicht mehr aus?

Zurzeit können wir jedem Kind einen Platz anbieten. Luft haben wir geschaffen, indem jetzt die Hortkinder aus Fuchshain und Ammelshain die Einrichtung in Naunhof besuchen. Diesen Hort müssen wir aber erweitern. Und wir denken sogar über einen neuen Kindergarten nach. Außerdem müssen Fenster und Fassade der Mittelschule saniert werden.

Im Wahlkampf gab es Konflikte zwischen vier der fünf Bürgermeister-Kandidaten, darunter auch Ihnen, mit einigen Stadtratsmitgliedern, die Ihnen vorwarfen, sie würden deren ausgestreckte Hand nicht ergreifen. Wie wollen Sie künftig mit ihnen zusammenarbeiten?

Ich führte schon Gespräche mit CDU, FDP und der Linken. Unser Maßstab ist der Fortschritt in der Stadt. In Sachfragen werden wir uns, so denke ich, öfter einig als uneinig sein. Mit der Unabhängigen Wählervereinigung dürften sich die Gespräche wohl etwas schwieriger gestalten. Ich habe den Eindruck, bei ihnen besteht die Philosophie: "Da hat uns jemand die Stadt weggenommen." Die UWV hat im Stadtrat die Mehrheit. Eine Blockadehaltung würde ihr aber nicht gut tun. In einem Jahr sind Stadtratswahlen. Die Bürgermeisterwahl hat bereits gezeigt, dass viele ihr Kreuz bewusst gegen die UWV gesetzt haben. So hoffe ich, dass die UWV im Interesse von Naunhof im Stadtrat mitzieht.

Müsste sich dennoch politisch etwas ändern?

Kommunalpolitik sollte keine Parteipolitik sein. Während der Wahl kamen von Bürgern gute Ideen. Eine neue Bürgerbewegung, eine Art Allianz für Naunhof, halte ich für wichtig, die (ob nun mit oder ohne UWV) versucht, im Stadtrat etwas zu gestalten. Wir haben nun einmal eine Umbruchzeit, und in solchen Zeiten sind solche Bewegungen etwas sehr kreatives. Vielleicht könnten auch neue Leute mit neuen Ideen der UWV beitreten.

Bislang hat der Stadtrat im Gegensatz zu den Parlamenten der meisten anderen Kommunen nur einen Ausschuss. Können Sie sich auch diesbezüglich Veränderungen vorstellen?

Wir sollten darüber nachdenken, einen Finanzausschuss einzurichten und den Vergabe- in einen Technischen Ausschuss umzuwandeln. In beiden Gremien könnten wir mit Leuten, die sich speziell mit diesen Fachthemen befassen, in Vorberatungen in die Tiefe gehen. Das käme aber erst in der nächsten Legislaturperiode, also ab Frühjahr kommenden Jahres, in Frage.

Sie waren Leiter des Naunhofer Eigenbetriebs Wasserversorgung und Ortsvorsteher in Engelsdorf. Wie geht es dort weiter?

In Engelsdorf übernahm jemand kommissarisch meinen Posten. Am 8. April wird dort eine neue Ortsvorsteherin gewählt. Ich bleibe noch solange im Rat, bis alles angelaufen ist. Die Leitung der Naunhofer Wasserversorgung hat Bauamtschef Thomas Hertel jetzt zusätzlich inne. Eine Privatfirma erledigt die Aufgaben des Netzmeisters, der ich auch war, probeweise für ein halbes Jahr. Sollte das funktionieren, könnte der Stadtrat über die strukturelle Veränderung entscheiden, und wir hätten eine Stelle eingespart.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2013

Pfeifer, Frank

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma
Grimma in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

Luftbildaufnahme des Zentrums von Grimma.
Ein Spaziergang durch die Region Grimma
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

23.11.2017 - 10:23 Uhr

Wir übertragen am Sonnabend ab 14 Uhr das Landesklassespiel der blau-weißen Fußballer aus Leipzig gegen die Eisenbahner aus Delitzsch live.

mehr
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr