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Neuer Rewe in Grimma: IHK warnt vor Verdrängungswettbewerb

Stellungnahme Neuer Rewe in Grimma: IHK warnt vor Verdrängungswettbewerb

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig steht dem geplanten Rewe- und Drogeriemarkt an der Wurzener Straße in Grimma kritisch gegenüber. Das geht aus der Stellungnahme hervor, die sie im Zuge der Anhörung zum geänderten Bebauungsplan eingereicht hat. Sie warnt vor einem Verdrängungswettbewerb.

Auf dem jetzigen Kunstrasenplatz sollen einmal Rewe und eine Drogeriekette Waren anbieten.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig steht dem geplanten Rewe- und Drogeriemarkt an der Wurzener Straße in Grimma kritisch gegenüber. Das geht aus der Stellungnahme hervor, die die Organisation im Zuge der Anhörung zum geänderten Bebauungsplan eingereicht hat. Als einer der bedeutsamsten Träger öffentlicher Belange zu diesem Projekt warnt die IHK vor einem Verdrängungswettbewerb.

Wie berichtet, will die Stadt Grimma am nördlichen Rand der Innenstadt auf dem Gelände des jetzigen Friedrich-Ludwig-Jahnstadions ein Supermarktzentrum schaffen und hofft damit auf eine Belebung der City. Mit der gleichzeitigen Aldi-Erweiterung auf dem sogenannten Alma-Dietzsch-Gelände am südlichen Innenstadt-Pol sollen zwei Magneten entstehen, um mehr Menschen ins Zentrum zu locken und damit den innerstädtischen Handel zu stärken. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Verträglichkeitsanalyse, erstellt von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Dresden (GMA), erhärtet dieses Ansinnen.

Rewe soll mit einer maximalen Verkaufsfläche von 1850 Quadratmeter bauen dürfen. Der Drogeriemarkt, für den Roßmann oder dm im Gespräch sind, wird auf maximal 700 Quadratmeter Verkaufsfläche begrenzt. Die GMA kommt zu dem Schluss, dass „zwar wettbewerbliche Auswirkungen möglich, allerdings keine schädlichen städtebaulichen Auswirkungen anzunehmen“ sind. Im Klartext: Wettbewerber müssen zwar mit Umsatzeinbußen rechnen, ein Ladensterben wird es aber durch die Neuansiedlung an der Bundesstraße 107 nicht geben. Laut GMA werde vielmehr die Innenstadt und die Versorgung der Bevölkerung gestärkt. Die beiden Magnetbetriebe seien geeignet, „nachhaltig die Kundenfrequenz in der Innenstadt zu erhöhen und somit auch die kleineren Geschäfte zu beleben“.

Eine Schlussfolgerung, der die IHK skeptisch gegenüber steht. Für sie ist die Prognose der Umsatzverteilung nicht plausibel. Vielmehr verdeutliche die Gegenüberstellung der Verkaufsflächen „den aus unserer Sicht zu erwartenden Verdrängungswettbewerb“. Im kurzfristigen Bedarf stünden in der Innenstadt 2722 Quadratmeter zur Verfügung, auf dem jetzigen Kunstrasenplatz seien es künftig 2445 Quadratmeter. „Das sind fast 90 Prozent des Innenstadtbesatzes.“ Umso wichtiger sei es, den neuen Supermarkt an die Hohnstädter- und Brückenstraße per Fuß- und Radweg anzubinden. Fehle das, käme es zu „zwei im Wettbewerb stehenden getrennten Einzelhandelsstandorten mit fast gleichwertigen Verkaufsflächenbestand im kurzfristigen Bedarf“. Aus Sicht der IHK sind besonders die Einzelhändler zwischen dem künftigen Rewe und dem Marktplatz betroffen. Hier gebe es sechs Läden mit Sortimentsüberschneidung. Laut IHK werde der Bereich von Brückenstraße bis Rathaus vor allem dann geschwächt, wenn nicht zeitgleich das Alma-Dietzsch-Gelände entwickelt wird. Dort bietet der Aldi-Markt derzeit seine Waren auf 680 Quadratmetern an.

Dass andere Supermärkte und Läden mit dem neuen Einkaufszentrum Einbußen hinnehmen werden, liegt auf der Hand. Denn die Kaufkraft in Grimma steigt nicht analog. Laut GMA liegt sie, gemessen am Bundesdurchschnitt, bei knapp 85 Prozent. Allerdings kommt die Gesellschaft zu dem Schluss, dass mit dem Drogeriemarkt ein Defizit in Grimma ausgeglichen wird.

Die IHK widerspricht der GMA auch hinsichtlich des künftigen Sichtbildes. Der sieben Meter hohe Supermarkt in L-Form sei nicht geeignet, die historischen Beziehungen zur Altstadt zu verbessern. Zudem fehle es dem Standort an einer „räumlich-funktionalen Verknüpfung“ mit der Innenstadt. Ihm könnten auch keine Qualitäten eines Nahversorgers attestiert werden, so die IHK, da die kompakte Wohnbebauung fehle. Die GMA wiederum kommt zu dem Schluss, dass der neue Einkaufstempel als „attraktiver weithin sichtbarer Eingangsbereich zur Altstadt“ erscheinen wird.

Von Frank Prenzel

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