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Grimma Neuer SPD-Stadtchef: „Grimma darf nicht zu viele Projekte auf einmal anfassen“
Region Grimma Neuer SPD-Stadtchef: „Grimma darf nicht zu viele Projekte auf einmal anfassen“
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00:17 31.12.2016
Grimmas SPD-Stadtchef Ingo C. Runge.
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Grimma

Seit wenigen Tagen ist der Neu-Grimmaer Ingo C. Runge neuer Chef der Sozialdemokraten in der Muldestadt. Der 46-Jährige führt den SPD-Ortsverein an, der derzeit 43 Mitglieder in der Stadt und den Ortsteilen hat. Die LVZ sprach mit Runge über die Probleme der SPD und die derzeitigen Aufreger in Grimma.

Die SPD steht in Sachsen zwar in Regierungsverantwortung, die Umfragewerte sind aber alles andere als zufriedenstellend. In Grimma sitzt Ihre Partei mit nur zwei Abgeordneten nicht mal in Fraktionsstärke im Stadtrat. Warum lässt man sich da zum Ortsvereinschef wählen?

Erstens ist es meine Überzeugung für die Werte der Sozialdemokratie. Zweitens sehe ich mich in der Pflicht und Verantwortung und möchte die nicht sonderlich stark ausgeprägten Strukturen der SPD stärken. Ich halte es für wichtig, dass es in Grimma mehr politisches Gespräch gibt, wir müssen unterschiedliche Meinungen transparenter machen.

Aber Sie haben ja aus beruflichen Gründen erst im Juli den Posten des SPD-Kreisvorsitzenden an den Nagel gehängt. Wird aus dem selben Grund nicht auch die Arbeit an der Parteispitze in Grimma leiden?

Ich habe auf dem Kreisparteitag in Rötha angekündigt, dass ich im Kreis, mit seiner sehr großen Fläche, nicht mehr so viel Verantwortung übernehmen kann, aber mich in meiner Heimatstadt wieder stärker einbringen möchte. Brennpunkte gibt es auch hier. Wir haben nur zwei Abgeordnete im Stadtrat, das allein spricht Bände. Die SPD ist in der Stadt und ihren Ortsteilen nicht so aufgestellt, wie ich mir das vorstelle.

Sie sagen es: Die SPD leidet an Mitgliederverlusten und einem hohen Altersdurchschnitt…

In Grimma sieht es genauso aus wie im Kreis. Die SPD ist stark männlich und hat einen Altersschnitt von über 50 Jahren. Sie ist nach der Wende gewachsen, da war sie auch stark als Partei. Sie wuchs aber nicht weiter. Deshalb gibt sie kein gesundes Bild ab. Das ist auch ein Kernthema, an dem wir arbeiten müssen. Wir müssen uns stärker öffnen und mit anderen sprechen. Wir müssen auch überlegen, wie wir gezielt Frauen ansprechen und in Positionen zu bringen. Mit Ministerin Petra Köpping haben wir ja ein richtiges Vorbild in Grimma. Sie zeigt wie keine Zweite, wie man erfolgreich Politik machen kann.

Was läuft in Grimma eigentlich so richtig gut?

Die Stadt ist wirtschaftlich erfolgreich, das Gewerbe entwickelt sich positiv. Nach dem Umzug des Finanzamtes wurde auch die Position als Verwaltungsstandort gestärkt. Grimma bietet eine gute Vielfalt an Schulen. Das Gymnasium St. Augustin hat einen guten Ruf, das Evangelische Schulzentrum Muldental macht eine engagierte und tolle Arbeit. Natürlich müssen wir schauen, dass im ländlichen Raum die Schulstruktur passt. Wir sind für den Neubau der Oberschule in Böhlen und für den Erhalt der Grundschule in Mutzschen. Auch bei den Kindertagesstätten ist Grimma breit aufgestellt. Insgesamt ist die Stadt auf einem guten Weg.

Und was läuft schief in der Stadt? Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

Mit dem Mobilitätskonzept ist die Stadt noch nicht fertig. Es steht die Frage: Wie bleiben wir in und für die Stadt mobil, welche Möglichkeiten schaffen wir über den Autoverkehr hinaus? Da hat Grimma noch zu tun, denn die 63 Ortsteile sind nicht ideal an den öffentlichen Verkehr angebunden. Man ist gut unterwegs, wo der Schulbus fährt, darüber hinaus gibt es Mobilitätslücken. Und das Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ muss auch in Grimma mit Leben gefüllt werden. Ein zweiter Punkt sind die Stadtfinanzen. Die Stadt muss sich überlegen, welche Fördertöpfe sie mitnimmt, also was sie sich leisten kann, um stabil zu bleiben. Sonst besteht die Gefahr, dass uns die laufenden Kosten auffressen; hier spielen auch die Personalkosten eine große Rolle. Grimma muss aufpassen, konsolidiert im Haushalt zu bleiben und mit Blick auf die Folgekosten nicht zu viele Projekte auf einmal anzufassen.

Braucht Grimma das Sportzentrum Husarenkaserne?

Nein. Es fehlt nur eine Sporthalle in räumlicher Nähe zum St. Augustin, um die langen Wege der Schüler von dort zu vermeiden.

Also würden Sie eine Sanierung des Stadions der Freundschaft vorziehen?

Ja. Es gibt keinen sportlichen Bedarf, ein größeres neues Stadion zu bauen. Ich bin erstens überzeugt, dass die Hochwassermauer das Stadion der Freundschaft gut schützen wird, den Bewohnern der Altstadt signalisieren wir dies ja auch. Zweites erhielten wir so eine wettkampffähige Sportstätte auch für Leichtathleten. Drittens würden wir nicht jene Gelder vernichten, die in den letzten Jahrzehnten in die Sportstätte an der Mulde geflossen sind. Allein für die geforderten Rückbaumaßnahmen wird eine halbe Million Euro nötig, die eben nicht aus Fördermitteln stammen. Wenn nun aber der Umzug beschlossen ist, muss jetzt sicher gestellt werden, dass für alle anderen Sportler, die den Bereich des Stadions bisher nutzen, auch eine adäquate Ersatzlösung gefunden wird.

Wie stehen Sie zu den Plänen, an der Stelle des Sportplatzes den Rewe-Markt zu errichten.

An der Stelle braucht Grimma keinen Rewe. Ich hätte kein Problem, wenn sich Rewe im Pep-Umfeld ansiedeln würde. Kommt Rewe an die Mulde, befürchte ich, wie übrigens auch etliche Händler, einen weiteren Kaufkraftverlust für die Innenstadt, beim Pep wäre die Gefahr nicht so groß. Ich befürchte zudem Kaufkraftverluste für die Nahversorgungszentren in den Ortsteilen, insbesondere in Nerchau und Großbothen. Am Ende handelt es sich aber beim Pro oder Contra an dieser Stelle um eine Glaubensfrage, die Zukunft wird zeigen, wer hier richtig lag.

Um beim Thema zu bleiben. Die Pep-Eigentümer möchten in das Einkaufszentrum investieren und den Leerstand bekämpfen. Braucht Grimma den Pep?

Alle Investitionen, die Pep innerhalb der Bauhülle vornimmt, sind wünschenswert und stärken den Standort. Ein weiterer Leerstand des Einkaufsareals kann in niemandes Interesse sein.

Wie können Grimmas Zentrum und dessen Händler gestärkt werden?

Das entscheiden am Ende die Händler selbst durch ein gutes Angebot und wir Grimmaer, wenn wir es nutzen. Helfen kann zum Beispiel ein samstäglicher Wochenmarkt, um mal einen Tag die Stadt auch ernsthaft zu beleben, an dem viele das Angebot nutzen können. Das könnte einen Impuls geben, reicht aber nicht allein. Darüber hinaus ist zu schauen, welchen Einzelhandel Grimma im Zentrum braucht, wie der Händler-Mix aussehen muss und wie Ansiedlungen unterstützt werden können. Auch ein gutes gastronomisches Angebot belebt die Stadt, auch da ist noch Platz da.

Was wollen Sie als neuer SPD-Chef als Erstes anpacken?

Die SPD muss sich öffnen und mehr politische Gesprächsangebote unterbreiten. Wir veranstalten ab Januar dazu monatlich ein Stadtgespräch, um die Themen, die Grimma bewegen, in den öffentlichen Raum zu bringen.

Für was steht eigentlich das C. in Ihrem Namen?

Für Carsten. Das ist unser familientradierter Vorname. Mein Sohn ist der Sechste in der Folge, der das Carsten im Namen tradiert hat.

Von Frank Prenzel

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