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Grimma Neues Abbaufeld für Kiessand – Leisenau stemmt sich gegen Pläne
Region Grimma Neues Abbaufeld für Kiessand – Leisenau stemmt sich gegen Pläne
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Das bisherige Abbaufeld liegt rechts der B 107 von Colditz nach Großbothen. Das neue soll auf der anderen Seite aufgemacht werden, wo sich jetzt Felder befinden. Quelle: Google Earth/Frank Schmidt
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Colditz/Leisenau

Nachdem Geschäftsführer Ulrich Schnarre seine Visionen einer Abbauerweiterungen vorgestellt hatte, wurde deutlich, dass er damit nicht nur neue Kiesgruben öffnet, sondern bei den Einwohnern auch alte Gräben aufreißt.

Der Kiesabbau begann in Leisenau bereits in den 1970er-Jahren, zu DDR-Zeiten ist der Rohstoff hauptsächlich nach Chemnitz geliefert worden. 1991 wurde der Betrieb in eine GmbH überführt und ein Jahr später von der Heidelberg Cement Group übernommen. Heute werden Verarbeitungsbetriebe beliefert, so Schnarre, "die sich als Verbraucher in den letzten zwei Jahrzehnten um den Rohstoff herum angesiedelt haben."

Derzeit stehen in Leisenau sechs Menschen in Lohn und Brot der Sandwerke Biesern. "Aber wir reden von insgesamt gut 100 Arbeitsplätzen", sagte Schnarre und verwies auf schon erwähnte Verbraucher wie "Baumit" für Edelputze und Trockenmörtel, "Xella" für Kalksandstein, "FBA" als Fertigbetonanlage sowie "Maxit" in Leupahn. "Und von diesen Unternehmen profitieren auch umliegendes Handwerk und Gewerbe", betonte Schnarre. Dennoch hatte das Zauberwort Arbeitsplätze keine Ausstrahlung auf einen Bürgerentscheid, mit dem man sich vor Jahren schon gegen weiteren Kiesabbau stemmte.

Das bisherige Abbaugebiet umfasst etwa 90 Hektar südlich von Leisenau, östlich der B 107 zwischen Großbothen und Colditz. Für die Erweiterung ist westlich der Bundesstraße eine sogenannte Bewilligungsfläche von 71 Hektar vorgesehen. Jedoch, so betont Schnarre, wolle man auf nur 38 Hektar Kies abbauen. Und zwar dort, wo Bohrungen wirtschaftlich sinnvolle Vorkommen offenbarten.

Hauptargument dagegen war unter den sich deutlich zu Wort meldenden Einwohnern die Lärmbelastung. Schon jetzt würde man keinen Wecker mehr brauchen, weil ab fünf Uhr morgens Tagebaulärm die Weckfunktion übernehme. Und abends sei an Stille zum Feierabend in Gärten, auf Balkonen und Terrassen nicht zu denken. "Nehmen Sie mich beim Wort, dass wir alles tun werden, die Lärmbelästigung auf ein Minimum zu reduzieren", bäumte sich Schnarre mit breiter Brust auf. Dabei bezog er sich auch und vor allem auf ein Transportband, welches das alte mit dem neuen Abbaugebiet verbinden und dafür die B107 überqueren soll.

Des Weiteren wurden Fragen zur "Verschandelung des Muldentals durch zurückbleibende Tagebaulöcher" gestellt. Hier verwies das Unternehmen auf Pläne zur Renaturalisierung, die nach etwas zehn bis zwölf Jahren beginnen sollen. Und zwar parallel zum Abbau, der auf etwa 40 Jahre ausgelegt sei. "Es mag sein", so ergriff Andreas Korn von der Firma Baumit das Wort, "dass es Unternehmen gibt, denen die Sorgen der Einwohner egal sind, wie sie es uns vorwerfen. Die haben ihren Sitz aber irgendwo in der Welt. Wir verstehen uns als regionale Betriebe, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind." Damit wehrte sich Korn vehement gegen derartige "spitze Randbemerkungen" aus den Besucherreihen. Dennoch verwiesen die Einwohner auf besagten Bürgerentscheid, der mit der Eingemeindung nach Colditz nicht an Gültigkeit verloren hätte. Eine finale Entscheidung zum erweiterten Abbau, so stellt Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) klar, treffe das Bergbauamt Freiberg. Die Kommune könne dazu nur eine Stellungsnahme abgeben.

Frank Schmidt

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