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Neues Konzept soll Bus-Angebot im Raum Grimma verbessern

Alles in einem Takt Neues Konzept soll Bus-Angebot im Raum Grimma verbessern

Mehr Haltestellen, mehr Linien, bessere Vernetzung – der Landkreis Leipzig, der Regionalbus Leipzig, der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig und der Mitteldeutschen Verkehrsverbund wollen die Region in Fahrt bringen.

Mehr Haltestellen, mehr Linien, bessere Vernetzung – viele Anbieter wollen die Region in Fahrt bringen.

Quelle: Andreas Döring

Grimma. Als Kind für die Fahrt zum Sportverein nicht mehr auf die Eltern angewiesen zu sein oder sich als Senior nicht mehr über hunderte Meter zur nächsten Haltestelle quälen zu müssen, weil der Bus endlich regelmäßig und in unmittelbarer Nähe hält - diese Vision hat Charme. Und vor allem: Das Konzept für die Modellregionen Bad Lausick, Colditz, Grimma und Brandis liegt schon vor, heißt "Muldentaldreieck - Region in Fahrt" und ist eine gemeinschaftliche Initiative des Landkreises Leipzig, von Regionalbus Leipzig, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV). MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann stellte die Pläne für den Grimmaer Bereich zusammen mit Ron Böhme, Fachbereichsleiter Verkehrsplanung beim MDV, zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses Grimma vor und informierte: "Das Vorhaben wird inzwischen auch auf Landespolitikebene diskutiert."

"Derzeit ist der Öffentliche Personennahverkehr stark auf den Schülerverkehr fixiert und dadurch an den Wochenenden und am Abend nicht gut aufgestellt", konstatierte Lehmann. Das soll sich grundlegend ändern. Für ein verbessertes Nahverkehrsangebot in der Stadt, in die Nachbarorte und zum Oberzentrum Leipzig sollen Regionalbusnetz und Stadtbussystem verknüpft werden. Das Projekt sieht einen integralen Taktfahrplan vor. Das bedeutet nicht nur regelmäßige Abfahrtszeiten auf stark nachfragten Linien. Die Fahrpläne sollen sich an Knoten - in Grimma der Bahnhof - ausrichten, wo sich die Fahrzeuge treffen, und die Anschlüsse von Bus/Bus, Bus/Bahn sowie der Bedarfsverkehre optimiert werden. "Damit ist ein besseres Umsteigen ohne langes Warten möglich", stellte Böhme in Aussicht.

Die Liste der erwarteten positiven Effekte ist lang, zum Beispiel in wirtschaftlicher Hinsicht: Die bessere Erreichbarkeit der Innenstadt sichert die Kaufkraft im Stadtgebiet, die der Unternehmen wäre ein Standortvorteil bei Firmenansiedlungen und Zuzügen. "Es wäre ein Konzept, mit dem sich die Stadt weiterentwickeln könnte", warb Lehmann.

Neues Stadtbussystem

Kern der Bewegung, so der MDV-Chef, ist ein neues Stadtbussystem. "Die Philosophie ist, neben Schulen deutlich stärker Wohn- und Gewerbegebiete zu erschließen." Für kürzere Wege zum nächsten Bushalt soll die Zahl der Haltestellen von 33 auf 75 steigen und damit eine Erreichbarkeit im 150-Meter-Radius gegeben sein. Die bisherigen zwei, nur Montag bis Sonnabend verkehrenden Linien sollen bei Flexibilität in der Fahrzeuggröße (Mini- und Midibusse) und einfachen Tarifen auf drei täglich aufgestockt werden. Geplant ist deren Bedienung Montag bis Freitag, 6 bis 18 Uhr, im Halbstundentakt, zwischen 5 und 6 sowie 18 bis 22 Uhr im Stundentakt (bisher war 19 Uhr Schluss) und am Wochenende von 8 bis 21 Uhr im Stundentakt (bisher fuhr am Sonnabend 14 Uhr der letzte Bus und sonntags gar keiner).

Wird derzeit die Erreichbarkeit von medizinischen, kulturellen, Tourismus- und Versorgungseinrichtungen sowie Ämtern als "ungenügend" eingestuft, wären dann 48 Ärzte erreichbar (vorher 41), eine Bank (1), 62 Dienstleister (29), 16 Gewerbeeinrichtungen (7), zwölf Vereine (5) und neun Einzelhändler (3). Die neuen Fahrtzeiten würden zudem zum Beispiel für den Einkaufspark PEP eine bessere Anbindung für Mitarbeiter auch in den Abendstunden bedeuten und eine deutliche Verbesserung des Angebots für den Einkaufsverkehr am Samstag.

Besonders schwierig für die Verkehrsplaner war laut Böhme, dass zu Grimma "so unendlich viele Ortsteile gehören".

Ideen für die Ortsteile

Das Ziel: Knapp 80 Prozent der Bevölkerung Montag bis Freitag durch Regional-, Stadtbus oder Schulbuslinie mindestens im 1-Stunden-Takt zu erschließen, einen Teil im 2-Stunden-Takt, Groß- und Waldbardau, "wo besonders viele Menschen wohnen", sogar im 30-Minuten-Takt. Hinzu kommen Ergänzungslinien. Böhme: "Das neue Angebot wäre ein Meilenstein für Ihre Region"

Als Beispiel griff der Fachbereichsleiter Verkehrsplanung die Verbindung Böhlen - Grimma heraus. Hier gibt es gegenwärtig Montag bis Freitag aufgrund des Schulstandortes zwei, drei Direktfahrten pro Richtung, ansonsten müssen Fahrgäste zum Beispiel in Leipnitz umsteigen und dafür deutlich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Die letzte Fahrt mit Umstieg ist 17 Uhr. Am Wochenende gibt es gar keine Anbindung. Der integrale Taktfahrplan sieht dagegen Montag bis Freitag einen Zwei-Stunden-Takt mit neun Fahrten pro Richtung, die letzte 21.17 Uhr, vor, sonnabends mindestens vier und sonntags mindestens zwei Fahrten pro Richtung.

Mehrkosten: drei Millionen Euro

"Konservativ gerechnet, wollen wir die Fahrgastanzahl verdoppeln, Tendenz nach oben", sagte Lehmann. Allerdings sei das nicht zum Nulltarif möglich. Für das Modell "Muldentaldreieck" müssten insgesamt 20 Busse angeschafft, 30 Fahrer eingestellt werden. Lehmann rechnet mit derzeit ungedeckten Kosten in Höhe von drei Millionen Euro und hofft auf die Beteiligung von Kommunen und Landkreis. Mit dem Projekt würde man "eine Mobilität erreichen, wie sie in Städten gelebt wird".

Von Ines Alekowa

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