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Neues Wohngebiet in Albrechtshain organisiert sich seinen runden Geburtstag selbst

Straßenfest am Sonnabend Neues Wohngebiet in Albrechtshain organisiert sich seinen runden Geburtstag selbst

Viele Dörfer können ein Lied davon singen: In ihnen entstanden nach der Wende große Neubausiedlungen, was die Orte in Alteingesessene und Zuzügler spaltete. Das öffentliche gesellige Leben spielt sich aber meist weiter im historischen Siedlungskern ab. Albrechtshain macht hier eine der seltenen Ausnahmen, wie sich bald wieder zeigen wird.

Das Plakat, das am Eingang des Wohngebiets auf das Straßenfest aufmerksam macht.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof/Albrechtshain. Viele Dörfer der Region können ein Lied davon singen: In ihnen entstanden nach der Wiedervereinigung große Neubausiedlungen, was die Orte in Alteingesessene und Zuzügler spaltete. Das öffentliche gesellige Leben spielt sich aber meist weiter im historischen Siedlungskern ab. Albrechtshain macht hier eine der seltenen Ausnahmen, wie sich bald wieder zeigen wird.

Wer den nach Naunhof eingemeindeten Ort durchfährt, egal ob nach Beucha, Wolfshain oder Fuchshain, registriert sie kaum oder gar nicht, die Siedlung an der Ringstraße mit ihren 54 Häusern, von denen das erste im Mai 1997 und das letzte 2012 bezogen wurde. Verdient hat sie es nicht, so links liegengelassen zu werden. Denn die meisten Menschen, die es vor allem aus Leipzig dorthin verschlug, entwickelten ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das seinesgleichen sucht. Momentan stecken sie in den letzten Zügen der Vorbereitung ihres Straßenfestes, mit dem sie am Wochenende das 20-jährige Bestehen ihres Wohngebiets feiern wollen.

„Schon seit ungefähr 2000 veranstalten wir regelmäßig Frühlings-, Herbst- und Winterfeste auf der Wiese neben dem Solarpark“, sagt Detlef Hanitzsch. 2012 war er auf die Idee gekommen, den Rahmen etwas auszudehnen. Auf ein Rundschreiben hin meldeten sich 21 Einwohner, die den 15. Geburtstag der Ringstraße mit vorbereiteten, in dessen Rahmen sogar eine Chronik verfasst wurde – ein voller Erfolg, an den nun angeknüpft werden soll.

„Das Programm steht im Grunde“, verkündet Hanitzsch. Am Sonnabend wird es unter anderem Quad- und Geschicklichkeitsfahrten, Torwandschießen, Spielmobil, Seifenblasenartist, Karussell, Losbude sowie Modellflugzeugvorführungen geben. Mit Ausstellungen beteiligen sich der Eichaer Hühnerhof Pöge und der Erdmannshainer Oldtimerhof Slodowski. Die Feuerwehr Naunhof lädt zum Zielspitzen. Erwartet wird die Musikschule Fröhlich, sagt der 57-Jährige.

Hanitzsch verdient seinen Lebensunterhalt als Melker in der Agrargenossenschaft Otterwisch und bringt sich mit seinem Milchkannenstoßen ein. Als er in den 1990ern noch in einem Kleinpösnaer Kuhstall arbeitete, war er auf die Idee zu einem solchen Wettbewerb gekommen. „An einem trüben regnerischen Frühlingstag bin ich mit meiner Familie rausgefahren, und wir haben verschiedene Wurftechniken mit den alten Alukannen ausprobiert. Beim Stoßen sind wir hängengeblieben“, erklärt er. Seit einem Fest des damals noch existierenden Siedlervereins im Jahre 1999 ist es aus Albrechtshain nicht mehr wegzudenken. Die Kanne für Männer wiegt 3,5 Kilogramm, jene für Frauen und Kinder sind leichter.

Die Sieger des Wettstreits werden am späten Nachmittag geehrt, bevor die Gruppe Rockinx aus Halle rockt und nachdem die Line-Dancer tanzten. Zu ihnen gehören Heike und Alexander Körner, die ebenfalls an der Ringstraße wohnen. „Wir stammen aus Schildau und sind über Borna und Fuchshain 2003 hierher gezogen“, sagt die 48-Jährige. „Vom Gefühl her ist hier der Zusammenhalt am besten, auch wenn er nun in Fuchshain mit der 750-Jahrfeier ebenfalls gewachsen ist. Wir fühlen uns in Albrechtshain sauwohl.“ Dem ersten öffentlichen Auftritt in ihrem Ort fiebern sie entgegen, jeden Donnerstag proben die Mallys Dancers in der Musikarche Brandis.

Den einen oder anderen, der mit seinem Haus das eigene Reich schuf, das ihn von anderen abgrenzt, liegt die Gemeinschaft freilich nicht. „So individuell wie die Gebäude sind auch die Menschen“, urteilt Sven Böhme (50). Auch er selbst entfloh dem Leipziger Lärm und suchte sich ein ruhiges Fleckchen Erde mit einer sicheren und entspannten Umgebung für die drei Kinder. „Aber ich bin nicht der Typ, der mit anderen nichts zu tun haben will“, betont er. Deshalb gehören er und seine Frau zu den elf Familien, die das Fest komplett privat vorbereiten.

Schon in der Bauphase hätten sich die Zuzügler gegenseitig unterstützt, erklärt Heike Jahn (52) und urteilt: „Wir verstehen uns so gut, woanders gibt’s das nicht mehr.“ Als „lustig, fröhlich, gesellig, trinkfreudig und hilfsbereit“ beschreibt Heike Paulini (56) die Gemeinschaft und nennt ein Beispiel: „Ich will beim Nachbarn eine Leiter borgen und kehre nach zwei Stunden zurück – ohne Leiter. Denn es gab so viel zu essen und zu trinken, dass ich sie an diesem Tag sowieso nicht mehr hochkomme.“

Eine Leiter bedurfte es aber, als die Organisatoren dieser Tage das Plakat für ihr Straßenfest aufhängten. Es prangt nun am Eingang zum Wohngebiet und heißt alle Gäste willkommen. Mit einem guten Zuspruch hätten sich die Vorbereitungen allemal gelohnt.

Von Frank Pfeifer

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