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Neutraler Anwalt der Schüler für Grimma

Neutraler Anwalt der Schüler für Grimma

Grimma. Knapp ein Jahr kann der Schulsozialarbeiter Philipp Ritz nun schon am Gymnasium St. Augustin seiner Arbeit nachgehen. Viel Vertrauen musste erst aufgebaut werden.

. Jetzt scheint er akzeptiert – und sein Konzept geschätzt.

Das Büro von Philipp Ritz liegt im Erdgeschoss des Seume-Hauses in Grimma. Gleich neben die Tür hat der Schulsozialarbeiter einen neuen Kicker-Tisch hingestellt. „Ich wollte den Schülern ein bisschen zeigen, wer ich bin", meint Ritz. Mancher ältere Jugendliche, der jahrelang ohne einen Ansprechpartner wie ihn ausgekommen war, sei anfangs etwas skeptisch gewesen. Doch für Ritz war der Tischfußball nicht der einzige Weg, in das Bewusstsein der Schüler am Gymnasium St. Augustin. Er stellte sich in allen Klassen vor, machte in Mathe und Kunst mit, zeigte Präsenz.

Fast ein Jahr später zieht Philipp Ritz eine erste Bilanz. „Ich bin angekommen", erklärt er. „Vor allem die Zusammenarbeit mit den Lehrern funktioniert sehr gut." Man teile sich die Aufgabenbereiche, um zum Beispiel dem Vertrauenslehrer nicht ins Gehege zu kommen. „Meine Hauptaufgaben sind Beratung und Einzelfallhilfe", so Ritz. Die klassischen Themen, mit denen die Schüler zu ihm kommen, seien Probleme mit Lehrern, Eltern oder Gleichaltrigen. In höheren Jahrgängen kämen spezifisch Pubertätsprobleme und der Leistungsdruck am Gymnasium dazu. Wenn Lehrer ihn darum beten, kommt er auch in die Klasse, um zum Beispiel über Mobbing aufzuklären. Was ist das? Wie erkenne ich Mobbing und was kann ich dagegen tun?

Aber warum nun Sozialarbeiter? „Ich bin eine neutrale Person für die Schüler, ich gebe keine Noten", erklärt er und fügt hinzu. „Bei mir ist die Schulzeit noch nicht so lange her." Erst 2003 habe der 26-jährige Philipp Ritz sein Abitur gemacht und könne sich in die Situation seiner Schützlinge gut hinein versetzen. „Die nehmen einen jüngeren Menschen wie mich anders wahr als ältere Lehrer. Das ist schon ein Vorteil."

Dem Bild, dass seine Anwesenheit an der Schule ein Zeichen von bestehenden Problemen sei, widerspricht der Sozialarbeiter der Caritas. „Wir sollen ja verhindern, dass diese entstehen." So sorgt der aus Torgau stammende Ritz dafür, dass die Schüler, die ja den ganzen Tag in der Schule verbringen würden, zu ihm kommen könnten, um ihre Sorgen „wie einen Rucksack" bei ihm im Büro abstellen können. „Bei Schülern, die regelmäßig bei mir waren, habe ich gemerkt, dass sich einiges gedreht hat", beschreibt er seine Möglichkeiten. „Die Probleme belasten sie nicht mehr so stark." Aber das sei ein längerer Prozess, nicht so wie bei den Schulermittlern im Fernsehen. „Vieles wird man nicht einfach von heute auf morgen ändern können."

Es sei noch viel zu tun. Rund 950 Schüler bedeuten eine große Menge an möglichen Konflikten und auch mit den Eltern müsse er noch mehr in Kontakt treten. Aber die Stelle, für die sich besonders die Stadt Grimma stark gemacht habe, erzeuge nun auch Interesse bei anderen Schulen im Kreis. Das sei ein gutes Zeichen.

Thomas Düll

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