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Nicolai- und Bahnhofsvorplatz sind Treff für Drogendealer in Grimma

Straftaten Nicolai- und Bahnhofsvorplatz sind Treff für Drogendealer in Grimma

Nikolai- und Bahnhofsvorplatz in Grimma sind laut Polizei Adressen für Drogendealer. In der Muldestadt sind 2016 Straftaten, die unter Drogeneinfluss begangen wurden, wieder angestiegen – vor allem Verstöße mit Cannabis und Methamphetamin wurden registriert.

Crystal wird auch im Muldental konsumiert.

Quelle: dpa

Grimma. Es ist wohl ein offenes Geheimnis, dass Drogenkonsum um Grimmas Gymnasium und Oberschule keinen Bogen macht. Der nahe Nicolaiplatz mit dem Busbahnhof gilt als Umschlagplatz. Mit Details halten sich aber alle zurück. Grimmas Polizeichef Falk Donner sagt, dass das Thema Drogen ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Vom Jugendlichen bis zum Erwachsenen, in der Stadt wie auf dem Land und über alle sozialen Schichten hinweg sei Konsum von Rauschgift anzutreffen. Da seien Schüler nicht ausgenommen. Grimma biete ein Bild wie andere Städte im ländlichen Raum auch, bekräftigt er.

Der 44-jährige Polizeirat weiß, dass es bei Drogendelikten eine hohe Dunkelziffer gibt. Während Einbrüche oder Diebstähle schon allein wegen der Versicherung und auch Körperverletzungen meist angezeigt werden, sei das bei Straftaten rund um Drogen anders. „Das Anzeigeverhalten ist hier gering“, so Donner. Die Polizei sei deshalb sensibilisiert, Kontrolldruck aufzubauen – etwa bei der Verkehrsüberwachung oder im Streifendienst. In Grimma seien der Nicolaiplatz und der Bahnhofsvorplatz, die für Jugendtreffs bekannt sind, Schwerpunkte.

„Dort stellen wir auch Drogendelikte fest“, sagt der Revierleiter. Die würden oft mit anderen Straftaten einhergehen, etwa Sachbeschädigung, Graffitischmiererei oder Lärm. Donner war deshalb froh, als die Stadt Grimma im April 2016 eine Polizeiverordnung auf den Weg brachte, die auf Nicolaiplatz, in der Bahnhofstraße und im Schwanenteichpark in bestimmten Zeiten den Konsum von Alkohol verbietet und damit der Polizei eine Handhabe zur Kontrolle gab. Sie gilt aber immer nur für ein Jahr, und die aktualisierte Fassung liegt wegen eines Urteils des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes auf Eis.

Im Jahr 2012 waren in Grimma nach Betäubungsmittelgesetz 105 Rauschgiftdelikte angezeigt worden. Die Zahl ging in den Folgejahren kontinuierlich zurück (2013: 95; 2014: 80; 2015: 50), um im vorigen Jahr wieder deutlich anzuziehen. 2016 wurden 74 Fälle registriert, ein Plus zum Vorjahr von 48 Prozent. Konkret waren das 33 Verstöße mit Cannabis, 29 Verstöße mit Methamphetamin, siebenmal unerlaubtes Handeln oder Schmuggeln mit Rauschgift, einmal unerlaubter Anbau von Betäubungsmittel und vier sonstige Straftaten. „Wo konsumiert wird, wird auch gehandelt“, sagt Revierleiter Donner. Die Einnahme von Cannabis und Crystal (Methamphetamin) dominiere das Suchtverhalten auch im Muldental. Auffällig sei das verstärkte Aufkommen von K.o.-Tropfen. „Die haben wir jetzt immer öfter.“ Zudem verweist der Polizeichef auf die Beschaffungskriminalität, die mit dem Drogenkonsum einhergeht.

In Bildungseinrichtungen führt die Polizei laut Donner keine Kontrollen durch. Müsse ermittelt werden, dann nur unter Aufsicht des Schulträgers. Der Sprecher der Bildungsagentur Leipzig, Roman Schulz, sieht kein Drogenproblem an den Schulen im Regierungsbezirk. Im vorigen Jahr habe es an Gymnasien und Berufsschulen in höheren Jahrgängen etwa zehn bis 15 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben, so Schulz. „Wo mal einer einen Joint in der Hose hatte“, nennt er ein Beispiel. Und wer könne ausschließen, dass im Umfeld von Schulen rund ums Wochenende die eine oder andere Pille den Besitzer wechselt. „Gymnasien sind aber keine Drogen-Umschlagsplätze“, bekräftigt der Sprecher. Es gebe nur Einzelfälle und auch keine Problemschulen. Wichtig sei das Präventionsprogramm an Schulen, das Kind als Persönlichkeit stark zu machen, damit es auf der Party Nein sagen könne. Das sei auch der Ansatz in Grimma.

Der Vorsitzende des Elternrates des Grimmaer Gymnasiums, Volkmar Röhniß, weiß, das es in der Vergangenheit vereinzelten Vorfälle gegeben haben muss. Sie seien aber im Elternrat nicht besprochen worden. In ihren Gesprächen mit den Schülern seien Drogen gar kein Thema, sagt die Schulsozialarbeiterin des St. Augustin, Julia Pankiv. Sie sei aber kaum bei den höheren Klassen im Stammhaus tätig. Pankiv weiß aber, dass Probleme zur Sucht führen können, deshalb sei es gut, darüber zu sprechen. Getan wird das auch im Rahmen der Drogenprävention. Die Schulsozialarbeiterin selbst fährt jedes Jahr mit den Achtklässlern zur Fachklinik für Drogenrehabilitation in Wermsdorf. Dort konnten die Schüler Rehapatienten befragen.

Auf den wichtigen Fakt der Prävention verweist auch Grimmas Polizeichef. Im PIT (Prävention im Team) der Polizeidirektion würden sich Kollegen ausschließlich mit dem Thema befassen. Der Ansatz sei dabei die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. In Grimma etwa werde mit dem Suchtkoordinator des Gesundheitsamtes, Gunar Rietzsch, sehr gut zusammen gearbeitet. Donner: „Viele Partner leisten ihre Arbeit.“ Die Polizei schule auch Lehrer und konfrontiere zu Elternabenden die Väter und Mütter mit dem Suchtthema. Aufklärungsveranstaltungen in Grimma gibt es laut Donner jedes Jahr im Gymnasium, im Beruflichen Schulzentrum, in der Oberschule und in der Lernförderschule. Die Polizei sei dabei mit ihm Boot.

Eine multimediale Reportage rund um das Thema Crystal in Sachsen lesen Sie hier.

Von Frank Prenzel

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